Seit August jedoch wird der gesamte Schlamm zur neuen Klärschlammverwertungsanlage Werdhölzli in Zürich gebracht. Am Donnerstag haben Baudirektor Markus Kägi (SVP) und der städtische Tiefbau- und Entsorgungsvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) die neue Anlage eingeweiht.

Lastwagen bringen den getrockneten Klärschlamm aus den Gemeinden in Abladehallen, die geschlossen sind, damit der Rest des Abwassers nicht die Luft verpestet. Von dort gelangt der Schlamm in einen Bunker und weiter zum Ofen.

Das Gas wird gereinigt

Dieser verbrennt den Schlamm bei 950 Grad. Aus dem Rauchgas wird dann Asche gefiltert. Das Rauchgas wird gereinigt, bis aus dem Kamin nur noch Wasserdampf in die Luft strömt. Durch die neue Anlage wird der gesamte Wärmebedarf auf dem Areal Werdhölzli gedeckt.

Bisher stammt diese Energie aus dem Klärgas der städtischen Kläranlage. Dieses wird nun zu Biogas aufbereitet, womit jährlich 5000 Haushalte beheizt werden können.

Im März 2013 haben 94 Prozent der Stadtzürcher Stimmberechtigten Ja gesagt zum Kredit von 68 Millionen Franken für die neue Anlage. In 20 Jahre soll sie amortisiert sein.

In der Landwirtschaft verboten

Das Endprodukt der Klärschlammverwertungsanlage ist feine, hellrote Asche. Zwei bis drei Prozent davon sind Phosphor. Dieses ist elementar für das Wachstum von Pflanzen und damit für die Nahrungsmittelproduktion.

Deswegen wurde früher der Klärschlamm direkt in der Landwirtschaft eingesetzt. Seit 2006 ist dies aber wegen der Schadstoffbelastung verboten.

Wie macht man aus Asche Asche?

Nur die Frage, wie der Phosphor aus der Asche gewonnen werden soll, ist noch offen. «So gesehen ist die zentrale Klärschlammverwertungsanlage erst ein Zwischenschritt, aber ein wichtiger», sagte Reto Wiederkehr, stellvertretender Direktor von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), die die Anlage betreibt.

Er rechnet damit, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Verfahren entwickelt wird, dass nicht nur Phosphor als wirtschaftliches Produkt, sondern auch andere Elemente wie Eisen aus der Asche extrahieren kann. In der Zwischenzeit wird die Klärschlammasche auf einer Deponie in Bern gelagert.

Für Filippo Leutenegger ist die Anlage auch ohne Phosphor-Gewinnung ein Erfolg. Denn die Entsorgungskosten der Gemeinden reduzieren sich um die Hälfte auf 100 Franken pro Tonne.

Hinzu kommen aber zum Teil längere Transportwege. Diese werden durch die Stadt Zürich vergütet. Denn diese spart Transportkosten, da der Zürcher Klärschlamm direkt ins Nachbargebäude geschleust wird.

Gleich hohe Transportkosten

Die Stadt stellt 250 000 Franken pro Jahr zur Verfügung, damit 85 Prozent aller Klärwerke im Kanton gleich viel für den Transport bezahlen. Die übrigen Abwasserreinigungsanlagen sind in der Nähe und haben laut ERZ keine hohen Kosten.

Der Ausgleich wird je nach Menge und Distanz berechnet. Das Geld erhält nur, wer sich an Vorgaben hält. So müssen die Transportmulden geschlossen und der Schlamm möglichst stark entwässert sein.

Markus Kägi lobte die Kooperation zwischen Stadt und Kanton für die neue Anlage. Werde die Rohstoffgewinnung aus Abfall konsequent betrieben, könne gezeigt werden, was Kreislaufwirtschaft bedeute. Da sei Zürich führend: Es seien Anfragen aus dem Ausland eingegangen zu diesem Projekt.