Theater

Aus dem Liebesnest wird ein Hotel

Echte Gäste im falschen «Hotel Mimosa»: Eine verheimlichte Liebesaffäre zieht weite Kreise. MU

Echte Gäste im falschen «Hotel Mimosa»: Eine verheimlichte Liebesaffäre zieht weite Kreise. MU

Die Theatergruppe Aesch feiert mit der Boulevard-Komödie «Hotel Mimosa» das 30-Jahr-Jubiläum. Das Prunkstück dabei ist der Kronleuchter.

Das weltberühmte Chanson «Aux Champs Elysées» von Joe Dassin ertönt. Dann öffnet sich der Vorhang – ein bezauberndes Bühnenbild in zartem Orange erscheint. Im Wohnzimmer stehen weisse Kerzen auf Tischchen. Das Prunkstück: ein Kronleuchter aus der Fundgrube des Opernhauses Zürich. In dieser einnehmenden Umgebung präsentierte die Theatergruppe Aesch am Samstag zum ersten Mal ihr neues Stück, die Boulevard-Komödie «Hotel Mimosa» des französischen Autors Pierre Chesnot – in einer Dialektfassung von Kristin Anderegg.

Eine Affäre sorgt für Turbulenzen

Auf dem südfranzösischen Landsitz von Magali Bavaud blühen die Mimosen in diesem Sommer besonders üppig. «Wo könnte die Liebe schöner sein als in fremden Lustgärten?», denkt sich François Martigue. Der Fernsehregisseur und Ehemann der an den Rollstuhl gefesselten Cécile unterhält eine Liebesaffäre mit Magali. Deren Ehemann Louis ist U-Boot-Kommandant und wieder einmal abgetaucht. Seiner Frau Cécile schwindelt François vor, er halte sich zur Vorbereitung seines nächsten Films im «Hotel Mimosa» auf.

Dumm nur: Eines Tages kommt Cécile auf die Idee, ihren Mann in dieser malerischen Villa an der Côte d’Azur zu besuchen. Der gerissene François gestaltet das Haus in Windeseile in ein Hotel um. Cécile – wie durch ein Wunder geheilt – erscheint ohne Rollstuhl. François muss fortan sämtliche Register ziehen: Denn ein heimliches Liebespaar, ein frisch verheiratetes Paar, ein lebensmüder Jäger und ein Freudenmädchen tauchen auf und verlangen ein Zimmer im «Hotel Mimosa». Sein Talent als Fernsehregisseur kommt François Martigue beim Improvisieren des Hotelalltags zugute – und so gerät die Realität zusehends aus den Fugen.

Erotische Momente, Frust, Lügen

Spritzig und voller Pointen sind die Dialoge im neuen Stück der Theatergruppe Aesch. Regisseurin Cornelia Gurtner gibt dem Text ausreichend Raum, die Gags können sich voll entfalten. Auch die Leistung des gesamten Laienensembles ist einmal mehr beachtenswert: Philippe Stucki spielt einen jeder Situation gewachsenen François.

Seine Ehefrau Cécile (Christina Struchen) gibt klar und unmissverständlich den Ton an. Mademoiselle Georgette (Tabea Reiser) durchlebt von erotischen Momenten, über Frust bis zur Verzweiflung die ganze Bandbreite der Gefühle, die einen Seitensprung begleiten. Und der kummervolle Jäger Monsieur Legris (Reto Wüthrich) kommt als Hotelgast nie so recht zum Zug.

Auch das ihre Flitterwochen verbringende Schweizer Paar Müller mit Maya Altorfer – sie spielt bereits zum zehnten Mal mit -– und Michel Rasi brilliert. Ebenso das ältere Liebespaar mit Marlies Wüthrich und Vince Antenna.

Bühnenbild fasziniert

Positiv fielen denn auch die Reaktionen des Publikums nach der Premiere aus: Sarah Wyss aus Jonen sagte: «Eine ganz tolle Unterhaltung, weil das Stück ein Thema behandelt, das wohl jeder kennt.» Kurz und bündig sagte Liliane Meister aus Birmensdorf: «Sehr schönes Bühnenbild, geniale Darbietung – ich bin begeistert». Und Evelyne Rubi aus Frauenfeld doppelte nach: «Als der Vorhang aufging, faszinierte mich das Bühnenbild. Auch das Stück hat mich überzeugt – ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder.»

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