Während der Diskussion im Parlament Dietikon sah es am Donnerstagabend lange so aus, als ob sich alle einig wären. Zwar schien niemand so wirklich begeistert vom Antrag des Stadtrats, für gut 300 000 Franken ein sogenanntes Informations- und Leitsystem für das Zentrum zu beschaffen, das aus 44 Stelen besteht. Diese sollen für Orientierung sorgen und das Zentrum als solches erkennbar machen. Die meisten Fraktionen fanden irgendeinen Grund, sich hinter das Projekt zu stellen. «Wir wollen, dass die Leute sich wohl und aufgehoben fühlen bei uns im Zentrum», sagte Philipp Müller (FDP). Und es bestehe die Hoffnung, dass Menschen, die sich wohlfühlen, auch mehr Geld ausgeben. Somit sei die Investition sinnvoll.

Auch die SVP stimmte dem Antrag ohne besondere Euphorie zu. Anton Felber kritisierte unter anderem, dass bereits das Vorprojekt 67 000 Franken gekostet hatte und trotzdem wenig detailliert war.

«Sinnvoll, nicht prioritär»

Catalina Wolf-Miranda sprach im Namen der Grünen von einem «sinnvollen, aber nicht prioritären Projekt». Mit Blick auf die städtischen Finanzen sagte Wolf-Miranda: «Auch wenn der Betrag nicht skandalös hoch ist, hätte man dieses Geld wahrscheinlich woanders effizienter einsetzen können.» Ähnlich klang Sven Johannsen (GLP): «Die Lösung, die wir vor uns haben, ist aus meiner Sicht nicht die dringendste und offensichtlichste, um das Zentrum aufzuwerten», sagte er. Doch könne er akzeptieren, dass man nun einmal damit fahre. Auch die SP hatte Vorbehalte, stimmte dem Projekt aber trotzdem zu. «Unsere erste Reaktion war, dass es ein sehr teures Projekt ist», sagte Martin Steiner. Trotzdem sei es eine sinnvolle Möglichkeit, um das Zentrum aufzuwerten. Es sei ihm aber sauer aufgestossen, dass das ganze Gebiet Glanzenberg ausgeschlossen werde.

Lieber digital

Die einzige Fraktion, die sich schliesslich ganz gegen das Projekt stellte, war die CVP. Es sei ihm bewusst, dass er nun als Spielverderber agiere, sagte Beat Kunz, Doch sei er klar der Meinung, dass sich heute die meisten Menschen nicht an statischen Wegweisern orientierten, sondern beispielsweise mit dem Smartphone. Es gebe eine viel besser Alternative zum stadträtlichen Vorschlag, sagte Kunz und verwies auf Plakatwände, die digital betrieben werden können. Der grosse Vorteil daran sei: Die Investition entfalle, da die entsprechende Firma die Infrastruktur zur Verfügung stelle. Zudem könne man auf solchen Plakatwänden auch noch Werbung schalten, womit die Stadt sogar noch Werbeeinnahmen generieren könnte. «Wir versuchen, die Stadt ins digitale Zeitalter zu schieben», sagte Kunz.

Auch sein Parteikollege Reto Siegrist legte sich für die digitale Alternative ins Zeug. «Die CVP ist nicht gegen ein Leit- und Informationssystem», sagte er. «Wir sagen nur: Es muss bespielbar sein.» Denn eine lebendige Stadt wie Dietikon verdiene ein lebendiges System. Diese Auffassung teilte aber ausser der CVP nur noch Martin Müller (DP), der den Vorschlag des Stadtrats «veraltet und zu teuer» nannte. Ernst Joss, (AL) sprach sich explizit gegen die digitale Lösung aus. «Nicht alles, was modern daherkommt, ist gut», sagte er. Bildschirme seien allfällig für Vandalismus und die vorgeschlagenen Stelen seien daher viel besser, sagte Joss.

Nicht nötig, aber sinnvoll

Ganz angetan von der sich abzeichnenden Zustimmung des Parlaments war Stadtpräsident Otto Müller (FDP): «Der Gemeinderat setzt ein deutliches Zeichen für unser Zentrum», sagte er. Dieses Zeichen werde von den Geschäften in der Innenstadt auch erwartet. Er wies darauf hin, dass eine Weihnachtsbeleuchtung, schöne Rabatten oder Sitzbänke auch nicht per se nötig seien. Aber wie auch die Stelen, die man aufstellen wolle, «erhöhen sie die Aufenthaltsqualität». Das sei gut für Dietikon: «Wir wollen das Zentrum selbstbewusst möblieren», so Müller. Das kann die Stadt nun tun: Der Antrag wurde mit 27 Ja zu 5 Nein-Stimmen angenommen.

Aufgestellt werden vier verschiedene Signaltypen: Planstelen, die Übersicht geben, Platzstelen, die wichtige Plätze signalisieren, Wegweiserstelen, die Routen aufzeigen und Wegweiser. Wo genau die Stelen aufgestellt werden, ist noch nicht endgültig definiert. Die vom Stadtrat vorgeschlagenen Orte stiessen in der Geschäftsprüfungskommission teilweise auf Kritik.