Der Freiraum-Workshop des Studio Dietikon hatte es am Samstag erneut gezeigt: Grosse Teile der Dietiker Bevölkerung wünschen sich, dass die Reppisch besser zugänglich und erlebbar wird.

Die Zugänglichkeit der Reppisch liege ihr besonders am Herzen, hiess es von Seiten der Stadt schon 2014, als sie zusammen mit dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sowie dem kantonalen Amt für Raumentwicklung (Are) und externen Fachspezialisten ein gesamtheitliches «Aufwertungs- und Gestaltungskonzept Reppisch» erarbeiten wollte. Doch dieses wurde bereits nach einem halben Jahr sistiert, da der Kanton zuerst eine kantonsweite Hochwasser-Risiko-Analyse fertigstellen wollte. Diese brachte 2015 die Erkenntnis, dass die Reppisch in Dietikon zu den zehn gefährdetsten Zonen im Kanton gehört – mit einem grossen Defizit in Sachen Hochwasserschutz. Daher wurde damals das von der Stadt lancierte Aufwertungs- und Gestaltungskonzept gestoppt. Und seither scheint das Projekt blockiert zu sein und die Wünsche der Bevölkerung harren einer Umsetzung.

«Die Herausforderungen sind beträchtlich»

Gegenüber der Limmattaler Zeitung bezog das Awel gestern Stellung zur Sache. Den Möglichkeiten für eine Veränderung der Reppisch seien im Dietiker Ortskern recht enge Grenzen gesetzt, sagt Sprecher Wolfgang Bollack. «Die Herausforderungen sind beträchtlich, innerhalb der beengten Verhältnisse den Hochwasserschutz sicherzustellen, die Reppisch naturnaher auszubauen und die Zugänglichkeit für Erholungsuchende zu verbessern. Dies hat sich im Laufe der Projektentwicklung immer deutlicher gezeigt.» Damit habe das Projekt, so Bollack, eine Dimension angenommen, die nach einer grösseren und damit auch aufwendigeren Projektorganisationen verlange, sagt Bollack weiter.

Und er nennt einen Termin: So ist geplant, dass bis im Herbst 2020 die öffentliche Ausschreibung und Vergabe verschiedener Planerleistungen erfolgt sein wird. Im Rahmen dieser Planerleistungen sollen dann auch die voraussichtlichen Kosten und der Zeitplan ausgearbeitet werden. Vorher kann die zuständige Abteilung Wasserbau des Awel nichts Genaueres sagen. Die Baukosten dürften aber in die Millionen gehen. Wird der angepeilte Termin eingehalten, könnte das Projekt einer Aufwertung der Reppisch definitiv erwachen. Zurzeit liegt das Projekt bei der Abteilung Wasserbau des Awel.

Das Schadenpotenzial wächst laufend

Die Reppisch hat Dietikon schon oft Hochwasser gebracht. Bollack erklärt, wieso es trotzdem mehrjährige Analysen benötigte, um das Hochwasserrisiko der Reppisch in Dietikon abzuklären. «Der Hochwasserschutz ist ein dynamischer Prozess, die Bedingungen verändern sich und das Know-how hat sich in den letzten 20 Jahren stark verbessert. Nach den Hochwassern von 1999, 2005 und 2007 war man viel stärker sensibilisiert und verschaffte sich ein lückenloseres Bild, auch wegen der vom Bund vorgeschriebenen Gefahrenkartenpflicht. Zudem erhöht sich mit der Verdichtung und Aufwertung der Bauten in Flussnähe das Schadenpotenzial. Auch das müssen wir berücksichtigen», so Bollack weiter.

Ob das Hochwasserschutzkonzept gleich zusammen mit dem städtischen Gestaltungs- und Aufwertungskonzept erarbeitet werden soll, ist noch offen, die richtige Projektorganisation soll noch gefunden werden.

«Das Awel arbeitet bezüglich der Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Reppisch eng mit der Stadt Dietikon zusammen», sagt Bollack. Man sei sich einig, dass in Dietikon an der Reppisch die drei Ziele Hochwasserschutz, Gewässer-Revitalisierung und Verbesserung der Erlebbarkeit und Zugänglichkeit vereint werden sollen.

«Wir sind froh, wenn das Hochwasserschutzkonzept möglichst bald vorliegt und die Arbeiten bald anfangen können», sagt Jürg Bösch, Leiter des Dietiker Stadtplanungsamts, zum Thema. Für ihn ist auch klar: «Der Hochwasserschutz ist sehr wichtig. Alles andere ist dem Hochwasserschutz nachgelagert.»