Im vergangenen Jahr hat die Sozialabteilung der Stadt Dietikon 659 Anträge auf Sozialhilfe erhalten. Nur schon 60 dieser Gesuche sind gescheitert, weil sie nicht mit den nötigen Unterlagen eingereicht wurden.

Das ist mit ein Grund, weshalb die Dietiker Sozialabteilung Aufklärungsarbeit leisten will. In diesem Bestreben hat sie nun ein Informationsvideo veröffentlicht, wie sie gestern mitteilte. Darin wird insbesondere erklärt, was die Voraussetzungen für den Bezug von Sozialhilfe sind. Und wie eine Anmeldung beim sogenannten Intake (englisch für Aufnahme) der Dietiker Sozialberatung abläuft.

Im Fokus steht dabei das Fallbeispiel eines Manns mit Namen Marko, der arbeitslos ist und vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) kein Geld mehr erhält.

«Er hat noch 500 Franken auf dem Konto und kann seine nächste Miete nicht bezahlen», sagt die Hintergrundstimme im Video, während Marko an der Limmat sitzt und sein Portemonnaie öffnet, in dem nur ein einsames Zehnernötli zu sehen ist.

Danach sieht man, wie Marko zur Sozialabteilung der Stadt Dietikon an der Neumattstrasse 7 geht, um einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen. Und es wird erklärt, dass er für sein erstes Beratungsgespräch seinen Mietvertrag, seine Kontoauszüge und seine Krankenkassenpolice bereithalten muss.

Nun ist sein Engagement gefragt. Und tatsächlich: Mithilfe der Dietiker Fachstelle Arbeitsintegration findet er ein paar Monate später einen Job.

«Melden Sie sich besser zu früh als zu spät»

«Wenn Sie auch eine Beratung möchten oder finanzielle Hilfe brauchen, dann melden Sie sich bei uns. Besser zu früh als zu spät», heisst es zum Schluss des Films.

Das sei eine wichtige Botschaft, sagt der Dietiker Sozialvorsteher Philipp Müller (FDP). «Uns ist es lieber, wenn sich potenzielle Klientinnen und Klienten frühzeitig melden. Noch bevor man zum Beispiel die Wohnung verliert und auf der Strasse steht.» Je früher die Sozialberatung helfen könne, desto kleiner seien der Schaden und die Kosten für die Stadt.

Die Aufklärungsarbeit sei wichtig, «damit die Mitarbeitenden am Schalter nicht bei Null anfangen müssen», sagt Müller weiter. «Es gibt viele, die nicht wissen, was die Voraussetzungen sind, um Sozialhilfe zu erhalten. Manche haben die Vorstellung, man könne einfach an die Neumattstrasse kommen und erhalte dann Geld auf die Hand», sagt Müller. «Ihnen muss man zeigen, dass wir auch etwas von ihnen erwarten, dass sie etwas leisten müssen. Wenn wir es schaffen, das rüberzubringen, haben wir unser Ziel erreicht.»

Eigeninitiative der Stadtangestellten

Die Idee zum Video hatten die Mitarbeitenden der Sozialabteilung selber. Sozialvorsteher Müller hiess den Vorschlag gut. So wurde im März 2019 die Umsetzung an die Hand genommen. Dafür tat sich eine Projektgruppe aus drei Mitarbeitenden verschiedener Stellen der Sozialabteilung zusammen. Und nahm sich eine Woche Zeit, um das Video vom Drehbuch über die Aufnahmen bis hin zum Schnitt zu produzieren. Als Schauspielerinnen leisteten eine Lernende und eine ehemalige Praktikantin Unterstützung.

Die Hauptrolle – jene des Fallbeispiels Marko – übernahm Lukas Moser, der als Sachbearbeiter in der Sozialhilfe-Administration arbeitet. «Die Videoproduktion war mal etwas ganz anderes. Das hat Spass gemacht. Vielleicht gibt es zukünftig noch weitere Ideen, die man als Video umsetzen könnte», sagt Moser. Es sei wichtig, auf verschiedenen Kanälen auf die Leute zuzugehen. Ein Merkblatt oder Formulare alleine reichen nicht.