Unterengstringen
Auf Maschinen verzichtet er: René Werffeli und seine Limmattaler Weihnachtsbäume

René Werffeli arbeitet noch traditionell. In seiner Weihnachtsbaumkultur gibt es keine Maschinen. Und am Verkaufsstand steht er selbst.

Leo Eiholzer
Merken
Drucken
Teilen
Weihnachtsbäume
11 Bilder
 Vor 30 Jahren übernahm Werffeli das Geschäft, der Sohn will ihn dereinst beerben.
 Wenn neue Bäume benötigt werden, geht Werffeli in seine Kultur in Unterengstringen und sägt einige um.
 Die Weihnachtsbaumkultur ist überschaubar und die Bäume stehen dicht.
 Alles ist Handarbeit. Für Maschinen hat es gar keinen Platz.
 Die gefällten Bäume landen auf dem Pick-up.
 Innert einiger Minuten werden sie an die Verkaufsstände oder Werffelis Blumenladen geliefert.
 René Werffeli betreibt insgesamt drei Verkaufsstände in Geroldswil, Oetwil und am Dietiker Rapidplatz.
 Laut Werffeli haben die Leute heutzutage höhere Ansprüche an die Bäume. Auf die Grösse, Dichte und Breite kommt es an.
 Die Bäume werden in Netze verpackt.
 Werffelis Verkaufsstand am Dietiker Rapidplatz läuft nicht so gut wie die anderen.

Weihnachtsbäume

Leo Eiholzer

René Werffeli steht in seiner Weihnachtsbaumkultur in Unterengstringen. Höchstens fünfzig Meter vom Gubristportal entfernt. Platz für eine Monokultur hat es hier nicht, also ist Handarbeit gefragt. Werffeli macht sich an einer Nordmann-Tanne zu schaffen. Er befestigt Bambusstäbe an der Spitze, weil ansonsten unter dem Jahr Vögel darauf sitzen und die schöne Form des obersten Triebs verbiegen.

Der Name Nordmann-Tanne ist ziemlich irreführend, denn sie stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. «Die grossen dänischen oder deutschen Hersteller holen sich die Tannenzapfen in der Türkei und pflanzen sie bei sich in Monokulturen an. Die Setzlinge kommen dann dreijährig zu mir», sagt Werffeli. Das Plakat-Versprechen von «Schweizer Weihnachtsbäumen» wird also nicht ganz eingehalten. Angenehmer Nebeneffekt der Tannen-Globalisierung: Die Nadeln des Baums stechen nicht, wie Werffeli demonstriert.

«Ausserdem haben die Tannen eine bessere Qualität als die einheimischen», sagt Werffeli. «Also damit meine ich die Ästhetik. Die Leute wollen keinen Baum mit einem Loch oder mit ungeraden Ästen.» Damit die Bäume bei der Modeschau an drei Verkaufsständen in Geroldswil, Oetwil und am Dietiker Rapidplatz auch bestehen können, muss er das ganze Jahr arbeiten. Werffeli zeigt eine Tanne, bei der ein Trieb fehlt. An ihr befestigt er eine auffällige, gelbe Klammer. Diese zwingt die anderen Triebe der Tanne so in Position, dass man nächstes Jahr, wenn der Baum verkauft wird, den fehlenden Trieb nicht mehr bemerkt. «Die Leute glauben häufig, man pflanzt einfach einen Baum, wartet fünf Jahre und holt dann die Motorsäge raus. Aber es gehört viel mehr dazu. Man ist fast wie ein Architekt, der ein Haus plant.»

Wehmütig mache es ihn dennoch nicht, wenn der Baum nach zehn Jahren Pflege nur für ein Fest gefällt wird. «Das ist ja der einzige Grund, warum der Baum gepflanzt wird. Damit die Leute Freude haben.»

Werffelis Kultur ist überschaubar. Wenn man auf den Hügel nebenan steigt, wirkt sie sehr klein. Die Bäume stehen dicht, Platz für Maschinen ist hier definitiv keiner. Wenn Werffeli neue Tannen braucht, verlässt er seinen Verkaufsstand und sägt ein paar um. Es geht ruckzuck, dann landet der Baum auf dem Pick-up. Ein paar Minuten später steht er schon zum Verkauf bereit.

Nachfolger steht bereit

Der 50-Jährige beschäftigt in seinem Gartenbaugeschäft in Oetwil vier Gärtner, nur 10 Prozent der Zeit verbringen sie mit den Weihnachtsbäumen. Das wäre wohl auch zu unstet, weil man nur einmal im Jahr Geld verdienen kann. Werffelis 12-jähriger Sohn Alessandro will seinen Vater dereinst beerben. Dieser ist seit 30 Jahren im Geschäft.

Apropos Christbäume: 2016 waren wir auf dem Christbaum-Feld von Willi Mathys in Uitikon zu Besuch. Er wurde schon mehrmals für den schönsten Christbaum der Schweiz ausgezeichnet.

«In dieser Zeit sind die Leute viel anspruchsvoller geworden», sagt Werffeli. Die Bäume dürften nicht zu breit und nicht zu dicht sein. Er steht selbst sieben Tage die Woche an einem seiner Verkaufsstände. Dabei erlebt man einiges. Weihnachtsbäume sind offenbar in vielen Familien ein emotionales Thema. Einmal habe ein kleines Mädchen, dessen Vater gerade einen grossen Baum gekauft hatte, unbedingt noch eine kleine, eigene Tanne haben wollen. «Der Vater ist wütend geworden, hat Nein gesagt und ist ins Auto gestiegen. Das Mädchen hat schrecklich geweint, und da bin ich schwach geworden. Ich habe ihm einen kleinen Weihnachtsbaum geschenkt. Der Vater war dann halt wütend auf mich, aber das war es wert.»

Meistens verschenkt er seine Bäume aber nicht. An seinen drei Standplätzen in Geroldswil, Oetwil und Dietikon verkauft Werffeli 300 bis 400 Bäume pro Jahr. Der Rapidplatz im Dietiker Limmatfeld-Quartier laufe schlecht. Dafür verkauft er in Geroldswil umso besser. Die meisten Leute kämen an Freitag und Samstag vor Weihnachten. «Am 24. Dezember gibt es zum Glück nicht mehr allzu viele Kurzentschlossene», sagt er. Denn dann feiern die Werffelis selbst Heiligabend. Sohn Alessandro hat sich schon einen Baum am Verkaufsplatz reserviert.