Die O-Bikes bekommt Konkurrenz: Ab heute stellt auch das US-Unternehmen LimeBike quer in der Stadt Zürich seine Velos auf. Ganze 480 Bikes mehr können Velo-Fans so in der Limmatstadt mieten – und abstellen, wo sie wollen.

Wie die umstrittenen O-Bikes baut auch LimeBike auf dem ‹Free-Floating-Sharing›-Prinzip auf: Die Benutzer müssen ihr Velo nicht an einem fixen Standort zurückgeben, sie können es einfach an ihrem Zielort stehen lassen. Per App wird dem Benutzer angezeigt, wo sich das nächste freie Velo befindet. Das sorgte bei den O-Bikes für Zündstoff. Der Grund: Häufig werden die Fahrräder irgendwo abgestellt oder sie verstopfen die bestehenden Velo-Abstellplätze. Schlussendlich musste die Bikesharing-Firma aus Singapur unter Druck des Stadtrates Filippo Leutenegger von ihren 900 Velos 400 wieder vom Stadtgebiet entfernen.

Blockierte Parkplätze oder überstellte Trot­toirs müssten die Zürcher und Zürcherinnen nun aber nicht wieder befürchten, sagt der Schweizer Country-Manager von LimeBike, Estuardo Escobar: «Andere Firmen hatten hier keinen guten Start– wir wollen es besser machen.» Deshalb kommuniziere das Unternehmen auch proaktiv, dass die Bikes kommen. Das Ganze soll ein «Soft-Launch» sein: Die Mitarbeiter des Unternehmens verteilen die Velos ab heute über rund zwei Wochen in der Stadt – es würden also keine Bikes «in einer Nacht und Nebelaktion» aufgestellt.

Je nach Reaktionen und Nachfrage werde die Firma das Angebot anpassen. Escobar: «Um Probleme zu vermeiden, führen wir zudem seit Monaten Gespräche über die Umsetzung mit der Stadtregierung und haben vor, einen 24/7 Kundenservice aufzubauen. Steht ein Velo an einem unerlaubten Platz, werden wir schnell vor Ort sein und es umstellen.»

GPS-Daten gehen an die Behörden

Er und sein Team führten auch Gespräche mit anderen Schweizer Stadtregierungen, so Escobar. «Doch spruchreif ist noch nichts.» Das Unternehmen expandiert seit Sommer 2017 fleissig. In den USA ist die Firma inzwischen der grösste Velo-Verleih mit einem ‹Free-Floating-Sharing›-Konzept. Ihr Erfolgsgeheimnis sei unter anderem die enge Zusammenarbeit mit den Behörden, erzählt Escobar.

Mit der Nutzung der App oder des Velos werden die Bewegungen des Zweirads erfasst. Das heisst, wenn man mit dem Velo von A nach B fährt, wird dies via GPS aufgezeichnet. Die Daten werden laut Limebike ausschliesslich städtischen Behörden zur Verfügung gestellt, damit diese ihre Infrastruktur optimieren können.

Günstiger als Konkurrez

O-Bike und LimeBike müssen sich den Markt nicht nur zu zweit teilen. Verleih-Systeme, bei denen die Velos irgendwo abgestellt werden, sind stark im Kommen. Escobar ist dennoch überzeugt, dass es noch Nachfrage gibt: «Das Bedürfnis, günstig und gesund von A nach B zu kommen, ist da. Ausserdem sind wir mit einem Preis von einem Franken für 30 Minuten billiger als die Konkurrenz – das qualitativ beste Angebot wird sich durchsetzten.» Er pokert ausserdem auf eine gesellschaftliche Veränderung: «Je mehr es solche Angebote gibt, desto weniger werden die Menschen ein privates Fahrrad haben.»

Das US-Unternehmen hat bisher drei Büro-Mitarbeiter angestellt und drei Operations Specialists – Mitarbeitende, die die Velos jeweils wieder an die passenden Stellen bringen. Zürich ist dabei neben Frankfurt der erste Ableger von LimeBike in Europa.