FIA Lurani Trophy
Auf die Plätze, fertig, los - Urdorfer startet an offizieller Europameisterschaft

Bruno Weibel hat gute Chancen, in zwei Wochen einen Europameisterschaftstitel abzuräumen. Der 39-Jährige startet in Portugal an der offiziellen Rennserie des Motorsportweltverbands. In der Zwischenrangliste liegt er auf Platz 1.

Michel Sutter
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Bruno Weibel am Nürburgring im Lotus 20, mit dem er in Estoril nicht starten wird. zvg
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Bruno Weibel im französischen Pau.
Bruno Weibel im französischen Pau.
Bruno Weibel im französischen Pau.
Bruno Weibel im französischen Pau.

Bruno Weibel am Nürburgring im Lotus 20, mit dem er in Estoril nicht starten wird. zvg

Noch zwei Wochen, dann gilt es für Bruno Weibel ernst. Der Urdorfer fährt im portugiesischen Estoril am 21. und 22. Oktober seine beiden letzten Rennen der diesjährigen FIA Lurani Trophy, der offiziellen Rennserie des Motorsportweltverbands FIA für einsitzige, offene Rennwagen. Es ist die offizielle Europameisterschaft für so genannte Formel-Junior-Rennwagen. Weibel startet sozusagen von der Poleposition: Er liegt in der Zwischenrangliste über alle Klassen hinweg gesehen auf Platz 1 – ex aequo mit dem Italiener Daniele Salodini, der ebenfalls 48 Punkte auf seinem Konto hat.

Wechsel des Autos

Der einzige Unterschied zwischen den beiden: Während Salodini die Saison mit seinem Rennwagen in der so genannten A-Klasse bestritten hat, war Weibel mit einem Lotus 20 Formula Junior von 1961 in der Klasse D2 unterwegs, einem Rennwagen, mit dem einst Jo Siffert gefahren ist.
Zumindest war das bis jetzt der Fall. Denn fürs letzte Rennen wird Weibel umsteigen. «Ich werde mit einem Stanguellini von 1958 fahren», kündigt Weibel an. Damit wird er in Estoril in derselben Klasse an den Start gehen wie Salodini.
Doch warum hat Weibel das Auto überhaupt gewechselt? «Wenn ich den Lotus 20 nach Estoril brächte, würde ich zehn Tage verlieren, davon sechs nur für die Hin- und Rückreise», sagt er. Das sei bei seinem Job sehr schwierig. Also habe er nach einer Möglichkeit gesucht, mit einem Auto fahren zu können, das schon in Portugal ist. «Dabei bin ich mit einem Rennfahrer in Kontakt gekommen, der in Portugal auch an den Start geht – ein paar Tage nach meinem Rennen in Estoril.»
So habe das eine das andere ergeben. Allerdings gibt es noch einen anderen, rein sportlichen Grund für den Wagenwechsel. «Da Salodini und ich bisher in einer anderen Klasse gefahren sind, haben wir nach dem Rennen jeweils schauen müssen, wie der andere abgeschnitten hat», sagt Weibel. «Nun geht es einfach darum, wer von uns beiden als Erster die Ziellinie überquert. Und ich will den Gesamtsieg nicht mit jemandem teilen müssen.» Ein Szenario, das bei einem Duell in derselben Klasse nicht möglich ist. In seiner Klasse D2 gibt es für Weibel ohnehin nichts mehr zu gewinnen. Diese hat er schon für sich entschieden.
Der Wechsel auf den Stanguellini birgt für den Urdorfer aber auch ein gewisses Risiko. Er hat das Auto bisher noch nie fahren können. Immerhin konnte er sich bei einem Kurztrip nach England ins Cockpit setzen. Das habe gepasst: «Ich konnte mich passiv mit dem Auto anfreunden», so Weibel. Ob es allerdings auch im Rennen passen wird, ist ungewiss. Denn das Auto wird nicht auf Weibel abgestimmt werden. «Es ist natürlich etwas anderes, wenn man selber für die Technik eines Fahrzeugs verantwortlich ist, als wenn man diese jemand anderem überlassen musst», gibt der Urdorfer zu. Hinzu kommt, dass er den Wagen vorgängig nicht wird testen können: «Das wird erst bei den freien Trainings am Freitag vor dem Rennwochenende der Fall sein.» Dennoch gibt sich Weibel zuversichtlich: «Der Umstieg auf diese Art von Rennwagen sollte eigentlich leicht fallen, da das Auto langsamer ist als meines.»

Eine neue Strecke

Eine weitere Unbekannte ist die Strecke. Weibel ist noch nie in Estoril gefahren. Doch er wird sich in den nächsten Tagen vor dem Bildschirm mit der Strecke auseinandersetzen. «Ich bin relativ gut darin, mir Strecken einzuprägen», sagt er.
Optimistisch ist Weibel auch, was den Vergleich mit Salodini anbelangt. «Ich bin leichter als er, das sollte sich positiv auf die Fahrdynamik auswirken», meint der Urdorfer. Überhaupt sieht Weibel vor dem Showdown mehr Vorteile bei sich als bei Salodini. «Aber das muss ich ja», sagt er und lacht. «Alles in allem kann man sagen: Es ist machbar, den Titel zu holen.»