Urdorf

Arzt fordert Schliessung: Ist die Notunterkunft ein Corona-Risiko?

Hausarzt Theo Leutenegger verlangt vom Kanton, dass er das Rückkehrzentrum in Urdorf umgehend schliesst.

Hausarzt Theo Leutenegger verlangt vom Kanton, dass er das Rückkehrzentrum in Urdorf umgehend schliesst.

Der Dietiker Hausarzt Theo Leutenegger betreut die im Rückkehrzentrum in Urdorf wohnhaften abgewiesenen Asylsuchenden. Er verlangt zum Schutze der Urdorfer Bevölkerung, dass die Bewohner umplatziert werden.

Abstand halten ist in Zeiten des Corona-Notstands das oberste Gebot, um die Verbreitung des Virus einzudämmen und das Schweizer Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren. In der Notunterkunft Urdorf können diese Regeln jedoch nicht beherzigt werden. Dieser Ansicht ist zumindest der in Dietikon praktizierende Hausarzt Theo Leutenegger.

Er ist seit Jahren für die medizinische Betreuung der dort wohnhaften abgewiesenen Asylsuchenden zuständig. «Die derzeit rund 40 Männer wohnen auf engstem Raum zusammen. In Zeiten der Corona-Krise sind diese Wohnverhältnisse mehr als fraglich», sagt Leutenegger. Sie würden jeglichen Vorschriften, wie sie Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) derzeit predige, widersprechen. «Wenn sich auch nur ein Bewohner mit dem Virus infiziert, könnte sich Covid-19 unter diesen Bedingungen wie ein Lauffeuer verbreiten.»

Bewohner sind im ganzen Dorf unterwegs

Sorge bereitet Leutenegger der Umstand, dass gewisse Asylsuchende sich generell mit Vorschriften schwer tun würden. «Ich kenne viele seit Jahren und kann mir nicht vorstellen, dass sie die Hygienemassnahmen und das Social Distancing ernst genug nehmen.» Ein weiterer kritischer Punkt ist für Leutenegger, dass die Asylsuchenden im ganzen Dorf unterwegs sind. «Man trifft sie öfters in kleinen Grüppchen zum Beispiel im Zentrum Spitzacker an», sagt der in Urdorf wohnhafte Arzt. Leutenegger sieht deshalb eine potenzielle Gefahr für die Urdorfer Bevölkerung. «Wenn nur einer von ihnen positiv ist, bedeutet das auch ein Gesundheitsrisiko für alle Einwohner. Das ist beunruhigend.»

Aus diesem Grund fordert Leutenegger die kantonale Sicherheitsdirektion, die für das Rückkehrzentrum in Urdorf verantwortlich ist, nun in einem Brief dazu auf, die Anlage sofort aufzulösen und die Bewohner umzuplatzieren. «Der Staat muss unverzüglich einschreiten, bevor etwas passiert», sagt Leutenegger. Es müsse doch möglich sein, neue Plätze für die abgewiesenen Asylsuchenden zu finden, zumal die Zahl der Asylgesuche rückläufig sei und einige Zentren bereits geschlossen werden konnten.

«Unterkunft ist zu weniger als zur Hälfte belegt»

Die kantonale Sicherheitsdirektion wird Leuteneggers Forderungen nicht nachkommen. Sie verweist auf ein aktuelles Rundschreiben des Bundes an die Kantone in der betont wird, dass Asylsuchende in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Corona-Virus keine besondere Gefahr darstellen würden. Grundsätzlich gelte: «Die besondere Situation in Kollektivunterkünften betrifft nicht nur das Asylwesen, sondern auch betagte Menschen in Alters- und Pflegeheimen oder Menschen mit Behinderung in Wohneichrichtungen», schreibt die kantonale Sicherheitsdirektion auf Anfrage. Man sei beeindruckt vom grossen Engagement des Personals vor Ort.

«Der Kanton Zürich hat für die gesamte Asylinfrastruktur rechtzeitig Vorsorgemassnahmen getroffen. Die mit dem Betrieb der kantonalen Zentren betrauten Organisationen haben Gesundheits- und Pandemiekonzepte», heisst es von der kantonalen Sicherheitsdirektion. Das Fachpersonal vor Ort sorge für deren Umsetzung. Schon vor Feststellen der ausserordentlichen Lage seien die Organisationen beauftragt worden, diese Konzepte zu aktivieren und Sofortmassnahmen zu ergreifen, vor allem im Bereich Bewohnerinformation und Hygiene gemäss den Empfehlungen des BAG. In allen Unterkünften würden nach Bedarf und Möglichkeit Isolationszimmer eingerichtet. «Die Belegungsdichte wird, wo immer möglich, reduziert, die Unterkunft in Urdorf beispielsweise ist zu weniger als zur Hälfte
belegt», schreibt die Sicherheitsdirektion. Das Betreuungspersonal sensibilisiere die Bewohner in Urdorf in Gesprächen und mit Aushängen zur Einhaltung der vom BAG empfohlenen Hygiene- und Verhaltensregeln.

Betreuungspersonal lebt Bewohnern Regeln vor

Dies bestätigt Lutz Hahn von der ORS Service AG, welche das Rückkehrzentrum in Urdorf im Auftrag des Kantons betreut. «Wir versuchen den Bewohnern die Regeln so gut wie möglich vorzuleben und weisen sie immer wieder darauf hin», sagt Hahn. Ob die Klienten diese Regeln stets befolgen würden, liege am Ende jedoch leider nicht in ihrer Hand.

Leuteneggers Appell an den Kanton erreichte auch den Gemeinderat Urdorf. Der Arzt schickte der Behörde eine Kopie des Briefes zu. Das Schreiben veranlasste den Gemeinderat dazu, mit der zuständigen Betreuungsorganisation und dem Kanton Kontakt aufzunehmen. «ORS und Kanton konnten uns aufzeigen, dass sie umsichtig mit dem Thema umgehen und dass ein besonderes Augenmerk auf die Umsetzung der Hygienemassnahmen gelegt wird», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf. Das habe der Gemeinderat so zur Kenntnis genommen.

Autor

Sibylle Egloff

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