Spreitenbach
Arbeiter schuften bei Ikea für 5 Franken pro Stunde

Baustellen-Kontrolleure haben bei der Spreitenbacher Ikea-Filiale sowie weiteren Niederlassungen der Möbelkette einen krassen Fall von Lohndumping entdeckt. Ungarische Mitarbeiter erhielten für Ausbauarbeiten nur 5 Franken pro Stunde.

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Kontrolleure entdecken Lohndumping bei Ikea. (Archiv)

Kontrolleure entdecken Lohndumping bei Ikea. (Archiv)

Keystone

Die Arbeiter waren laut Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» während Tag und Nacht mit dem Ausbau der Hochregallager beschäftigt. Weitere Mitarbeiter aus Deutschland gaben an, sie erhielten 9 Euro pro Stunde.

Beides unterschreitet den Mindestlohn des Metallbaugewerbes deutlich. Er beträgt für Ungelernte je nach Alter zwischen Fr. 20.10 und 23.55. Zusätzlich ist für Nachtarbeit ein Zuschlag von 50 Prozent zu entrichten. Abzugelten sind zudem Anteile für den 13. Monatslohn und Ferien sowie die Reisespesen.

Verfahren eröffnet

Die mindestens drei Dutzend eingesetzten Arbeiter aus vorwiegend osteuropäischen Ländern waren in mehreren Ikea-Filialen tätig, darunter jene von Spreitenbach (AG), Dietlikon (ZH), Rothenburg (LU) und Aubonne (VD). Sie mussten zum Tiefstlohn Möbellager umbauen, Regale montieren und die Filialen neu dekorieren. Nicht alle waren korrekt gemeldet.

Die Arbeiter waren aber nicht von Ikea angestellt. Die Möbelhauskette hatte ein Metallbaufirma mit den Arbeiten beauftragt. Diese reichte den Auftrag an mindestens 27 Subunternehmen weiter. Die zuständige Kontrollstelle hat nun ein Verfahren eröffnet.

Ikea geht über die Bücher

Ikea Schweiz wusste nichts von den Anschuldigungen, wie Sprecherin Virginia Bertschinger gegenüber «Der Sonntag» sagte. «Die genannten Feststellungen widerstreben unserem Geschäftsgebaren, und wir nehmen Ihr Schreiben selbstverständlich zum Anlass, genauere Untersuchungen vorzunehmen.»

Ikea verlange von den Lieferanten vertraglich, sich an den firmeneigenen Verhaltenskodex und die Gesetze zu halten. «Ist ein Lieferant nicht in der Lage oder nicht willens, das zu akzeptieren, geht Ikea keine Geschäftsbeziehung ein oder beendet diese.»

Schon früher zu wenig Lohn bezahlt

Dies ist jedoch nicht der erste Fall von Lohndumping bei Ikea: Schon beim Bau der Filiale von Vernier (GE) im vergangenen Jahr zahlten Unternehmen, die für Ikea arbeiteten, rund 40 Arbeitern zu tiefe Löhne.

Der Möbelriese und eine der beschuldigten Firmen zahlten darauf den Betroffenen 20000 Franken nach. (az/pi)