Schlieren
Anwohner wehren sich gegen Antenne – gemäss Kanton liegt die Gefahr woanders

Nun da die Unterschriften gegen die Swisscom-Antenne beisammen sind, zeigt ein Bericht des Kantons auf, dass die Strahlengefahr nicht von Antennen ausgeht

Alex Rudolf
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Bereits ausgesteckt: Die geplante Antenne auf der Liegenschaft an der Lättenstrasse 2.

Bereits ausgesteckt: Die geplante Antenne auf der Liegenschaft an der Lättenstrasse 2.

KEC

Nach nur knapp einer Woche war es soweit. Die auf der Plattform Petitio lancierte Unterschriftensammlung gegen den Bau einer Swisscom-Antenne auf einem Mehrfamilien-Wohnhaus im Schlieremer Zelgli-Quartier fand die nötigen 200 Unterstützer. Nun können die Unterschriften dem Schlieremer Stadtrat übergeben werden. Dass es so schnell gegangen ist, überrascht Anwohnerin Silvia Meier Jauch – sie startete die Sammlung – keineswegs. «Viel eher ist es ein Zeichen dafür, dass die Menschen in unserem Quartier verunsichert sind. Egal ob die Strahlung einer solchen Antenne schädlich ist oder nicht: Die Zelgli-Bewohner wollen hier keine Antenne», so Meier Jauch. Ende September bemerkten Anwohner eine Holzkonstruktion auf dem besagten Wohnhaus an der Lättenstrasse, wenig später folgte mit der Bauausschreibung Gewissheit über die Pläne der Swisscom.

Den Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) überrascht es nicht, dass innert derart kurzer Zeit so viele Menschen unterzeichnet haben. «Landauf und landab sind Mobilfunkantennen ein sehr emotionales Thema», sagt er. Dabei verfüge wohl die Mehrheit in der Schweiz über ein Mobiltelefon, aber niemand wolle neben einer Antenne leben.
Wenn die Signaturen abgeliefert sind, werde der Stadtrat das Gespräch mit der Swisscom suchen und abklären, ob es denn auch wirklich notwendig sei, diese Antenne zu bauen. «Üblicherweise baut die Swisscom aber keine solchen Anlagen auf Vorrat», sagt Bärtschiger. Zudem werde die Petition – wie alle anderen Petitionen – beantwortet.

Auch die Swisscom nimmt das Zusammenkommen der Unterschriften zur Kenntnis. Sprecherin Sabrina Hubacher verweist darauf, dass man alternative Standorte prüfe. Bereits vergangene Woche brachte Bärtschiger das Dach des an der Brandstrasse gelegenen Schlatter-Hochhauses als möglichen Standort ins Gespräch. Über die Petition sagt Hubacher aber auch: «Mit dem Baugesuch geht Swisscom den üblichen Weg der Baugenehmigung. Einsprachen gegen das Projekt müssen beim zuständigen Amt eingereicht werden.»

Einsprache bereits formuliert

Eine solche formelle Einsprache reichte Meier Jauch jüngst bei der Stadt ein. Im begründenden Brief, kritisiert sie einerseits die Elektrosmog-Verschmutzung in unmittelbarer Nähe zu einer Schule und einem Kindergarten und führt andererseits den sogenannt Nocebo-Effekt als Argument gegen die Antenne ins Feld. Demnach würden die Bewohner des Zelgli-Quartiers die Antenne und die damit verbundenen Strahlungen für gesundheitliche Gebrechen verantwortlich machen, auch wenn sie dies möglicherweise gar nicht ist. Wegen der vermehrt in Anspruch genommenen medizinischen Konsultationen würden die Gesundheitskosten steigen. «Die finanziellen Konsequenzen sind genau so wenig messbar, wie es die Strahlung, die von der Antenne ausgeht, selbst ist», schreibt sie. Wie viele weitere Einsprachen aus dem Quartier gegen die Antenne eingehen, könne Meier Jauch nicht abschätzen.

Kanton lanciert Kampagne

Erst vergangene Woche veröffentlichte die Zürcher Regierung einen Bericht zu den Strahlungsrisiken im Kanton Zürich. Darin verweisen die Autoren darauf, dass Mobilfunkantennen keine schädliche Wirkung nachgewiesen werden kann. Zudem werden «an den rund 3000 Antennen-Standorten im Kanton die Schutzwerte eingehalten», heisst es weiter. Darauf weist auch Swisscom-Sprecherin Hubacher hin und fügt an, dass man bei Mobilfunkantennen Qualitätssicherung betreibe, die jährlich überprüft wird. «Damit ist gewährleistet, dass die Anlagen die gesetzlichen Grenzwerte dauerhaft einhalten.»

Die Verfasser des kantonalen Berichts sehen hingegen grossen Handlungsbedarf bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung von gefährlicher Strahlung. So sei die gesundheitliche Belastung beim Telefonieren mit einem mobilen Gerät deutlich höher als jene, die von Mobilfunkanlagen ausgehe. «Dies ist der Bevölkerung allerdings wenig bekannt», heisst es im Bericht. Damit die tatsächlichen Risiken erkannt würden, also die Bevölkerung nicht mehr mit dem Hörer direkt am Ohr telefoniert, soll eine Informationskampagne lanciert werden.

Obwohl die Gefahr von Mobilfunkantennen angezweifelt wird: Meier Jauch ist optimistisch, dass man eine stimmige Lösung findet. «Noch habe ich Vertrauen in den Stadtrat, dass er sich für die Interessen des Quartiers einsetzt», sagt sie. Zwischenzeitlich habe sie auch Kontakt mit anderen politischen Akteuren der Stadt aufgenommen, um weitere Möglichkeiten des Widerstands abzuklären.