Eine Tonaufnahme aus der An’Nur-Moschee belastet die neun Beschuldigten offenbar schwer. Die Staatsanwaltschaft fordert für sie 30 bis 36 Monate Freiheitsstrafe. Vier der Beschuldigten könnten bei einer Verurteilung des Landes verwiesen werden: der libysche Imam A. E., der tunesische damalige Moschee-Präsident O. N. sowie ein Afghane und ein Mazedonier. Seit Inkrafttreten des verschärften Ausschaffungsrechts zählt Freiheitsberaubung zu jenen Katalogtaten, die eine obligatorische Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre zur Folge haben. Die restlichen Beschuldigten besitzen nach Informationen dieser Zeitung die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Die Gruppe von Muslimen steht im Verdacht, in der inzwischen geschlossenen An’Nur-Moschee in Winterthur zwei Glaubensbrüder festgehalten, geschlagen und misshandelt zu haben. Die Beschuldigten streiten die Vorwürfe ab. Die Staatsanwaltschaft wirft den neun Erwachsenen Freiheitsberaubung, mehrfache Nötigungen, mehrfache Drohungen, einfache Körperverletzung sowie mehrfache Sachentziehungen, Tätlichkeiten und Beschimpfungen vor.

Racheaktion nach Festnahme

Der Vorfall vom 22. November 2016 kann als Racheaktion verstanden werden. Die jungen Erwachsenen aus dem An’Nur-Zirkel bezichtigten zwei Moschee-Gänger, Aufnahmen aus der Moschee dem Journalisten Kurt Pelda zugespielt zu haben. Auf Pelda geht eine Recherche zurück, auf welche hin ein äthiopischer Imam verhaftet und schliesslich verurteilt wurde, weil er in der An’Nur-Moschee zum Mord aufgerufen hat.

Wegen des Verdachts wollten die Täter den vermeintlichen Informanten ein Geständnis entlocken und dieses auf einer Tonaufnahme festhalten, die sie später der Polizei übergaben. Dabei sollen sie ihre Opfer in der Moschee tätlich angegriffen und beschimpft haben. In einem Büro folgte eine Art Verhör durch die beiden An’Nur-Autoritäten. Den Untersuchungsbehörden liegt die gemachte Tonaufnahme vor. Aus dieser geht laut einer gut informierten Quelle der Tatbestand der Nötigung hervor. «Was soll ich jetzt noch sagen, was wollt ihr hören?», sagt darauf sinngemäss eines der verängstigten Opfer.