Schlieren
Angeklagter fährt 105 statt 60 km/h und verursacht Unfall – fährt weiter ohne Polizei zu rufen

Das Bezirksgericht Dietikon hat einen Autofahrer verurteilt, der bei einem Überholmanöver einen Unfall baute.

Dieter Minder
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An der Kreuzung Badenerstrasse/Kleinzelglistrasse kam es vor etwas mehr als zwei Jahren zum Unfall.

An der Kreuzung Badenerstrasse/Kleinzelglistrasse kam es vor etwas mehr als zwei Jahren zum Unfall.

Florian Schmitz

Vor über zwei Jahren ist der Beschuldigte auf der Schlieremer Badenerstrasse in Richtung Zürich unterwegs gewesen. Der Mann fuhr auf die Kreuzung mit der Kleinzelglistrasse zu, wo die Lichtsignalanlage Rot anzeigte und auf dem rechten der beiden Fahrspuren bereits zwei Fahrzeuge warteten. Als die Ampel auf Grün schaltete, wechselte der Mann mit seinem BMW 328 Coupé auf die linke Spur und gab Gas, um die beiden gerade anfahrenden Fahrzeuge zu überholen. Er beschleunigte auf 105 km/h, erlaubt sind auf der Badenerstrasse 60 km/h.

Noch bevor der BMW-Fahrer aber mit dem Überholen beginnen konnte, wechselte eines der beiden anderen Autos ebenfalls auf die linke Spur. Der Beschuldigte bremste stark ab und zog seinen Personenwagen nach rechts. Dabei prallte der BMW gegen den Randstein. Das linke Vorderrad blockierte, das Auto geriet ins Schleudern, drehte sich, überquerte die Badenerstrasse, geriet in die Kleinzelglistrasse, rutschte über den dortigen Fussgängerstreifen und prallte in einen Kandelaber der Lichtsignalanlage.

Nach dem Unfall hat er einen Liter Bier getrunken

Statt die Polizei zu verständigen, fuhr der Mann zunächst nach Dietikon. Dort trank er einen Liter Bier; er wollte eine Alkoholprobe vereiteln, denn er hatte schon vor der Unfallfahrt Bier getrunken. Als er später an den Unfallort zurückkehrte, wurde zwar eine Blutalkoholprobe entnommen. Doch konnte nicht mehr zuverlässig eruiert werden, mit wie vielen Promille er unterwegs gewesen war.

Die Polizei stellte aber diverse Mängel am BMW fest. So war das Antiblockiersystem defekt, das Bremssystem wies am hinteren Bremskreis Mängel auf, das Fahrzeug war tiefer gelegt, die Reifen hatten eine falsche Dimension, der Schalldämpfer der Auspuffanlage war nicht zugelassen und die vorderen Blinker waren durch nicht zugelassene Blinker ersetzt worden. Nun hatte sich der Lenker vor Gericht zu verantworten.

Dem Bezirksgericht Dietikon unter Leitung von Stephan Aeschbacher lag der Urteilsantrag der Staatsanwaltschaft vor. Das Gericht konnte sein Urteil im abgekürzten Verfahren fällen, weil der Angeklagte alles zugegeben hatte. Die Frage von Aeschbacher, ob er immer noch geständig sei, beantwortete der Beschuldigte mit Ja. Das Urteil des Gerichts entsprach dem Urteilsvorschlag, nämlich 14 Monate Freiheitsentzug und eine Busse von 1000 Franken. Die 14 Monate seien angemessen, sagte Aeschbacher. «Das Geständnis spricht zu Ihren Gunsten.» Die gesetzliche mögliche Spanne lag zwischen 12 und 48 Monaten. Es habe eine erhebliche Gefahr, insbesondere für Fussgänger, bestanden, führte Aeschbacher aus. Und er ergänzte: «Sie hatten Glück, dass es keine Verletzten gab.» Dies hatten Zeugenaussagen von der benachbarten Bushaltestelle bekräftigt. Weiter stellte das Gericht fest, dass das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft sehr lange gedauert hatte.

Der Freiheitsentzug wurde mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren bedingt aufgeschoben. Der Mann muss gemäss Urteilsspruch auch die Kosten von rund 19'000 Franken übernehmen. Dafür wird sich die Gerichtskasse bei ihm melden. Ein Abzahlungsmodus für die rund 20'000 Franken sollte mit der Gerichtskasse angestrebt werden, empfahl Aeschbacher. Mit dem Spruch des Dietiker Bezirksgerichts endete das Verfahren zwei Tage nach dem 30. Geburtstag des Lenkers.

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