Uitikon
Anekdoten aus 40 Jahren Verwaltung: Warum der Hochglanz-Kurier kurzzeitig ausblieb

In über 40 Jahren auf der Uitiker Gemeindeverwaltung sammelte der ehemalige Gemeindeschreiber Bruno Bauder zahlreiche Anekdoten. Hier finden Sie eine Auswahl.

Alex Rudolf
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«Bei der Matratzenlieferung dachte ich, es handle sich um ein Missverständnis oder einen Scherz, quasi mit dem Hinweis auf das Beamtentum.»

«Bei der Matratzenlieferung dachte ich, es handle sich um ein Missverständnis oder einen Scherz, quasi mit dem Hinweis auf das Beamtentum.»

zvg

Als die Gemeinde mit der flächenmässig kleinsten Verwaltung im Kanton sei Uitikon im Spätherbst 1975 bekannt gewesen, als Bruno Bauder seine Stelle als Steuersekretär und stellvertretender Gemeindeschreiber antrat. Alle Verwaltungsaufgaben wurden in fünf Büros und einem Schalterbereich auf rund 70 Quadratmetern erfüllt, schreibt er im Kurier. Bauder trat im März in den Ruhestand. Doch im diesjährigen Weihnachtskurier gibt er nochmals einen Überblick über die witzigsten, skurrilsten und bemerkenswertesten Ereignisse aus seinen über 40 Jahren auf der Uitiker Gemeindeverwaltung.

Erboster Bürger mit Fuchsschwanz

Der Beruf des Steuersekretärs sei ein gefährlicher, ist Bauder überzeugt. So schildert er den Besuch eines erbosten Bürgers. Weil er einen Verzugszins zu entrichten hatte, kam er ins Gemeindehaus, legte die Rechnung samt Fuchsschwanz, eine Säge mit kurzem, breiten Sägeblatt, auf das Pult des Steuersekretärs. Bedrohlich und mit rotem Gesicht habe er sich erkundigt, was das solle, denn seine Steuern habe er entrichtet. Mit vereinten Kräften konnte der Mann beruhigt werden, wie Bauder sich erinnert.

Geschichtsunterricht auf dem Langacker

Ende 1976 zog Bauder nach Uitikon direkt in die Nachbarschaft des damaligen Gemeindeschreibers Kurt Neeser. Stets marschierten die beiden zur Mittagszeit über die Langackerstrasse nach Hause zur Familie. In dieser Zeit tauschten sie sich über allerlei Wissenswertes über Uitikon aus. Bauder nennt es heute, den Geschichtsunterricht auf dem Langacker.

"Uitikon, Knastikon"

Nur kurze Zeit, nachdem die Umbau- und Sanierungsarbeiten am Gemeindehaus im Spätsommer 1979 vollendet waren, wurde auch die geschlossene Abteilung des heutigen Massnahmenzentrums eingeweiht. Anfang Oktober kam es zu mehreren Sachbeschädigungen im Triemli-Quartier und in Uitikon durch autonome Jugendgruppierungen. «Dabei wurden die frisch sanierte Fassade des Gemeindehauses, die Friedhofsmauer, eine Scheune der Erben Leutenegger beim Postparkplatz und verschiedene Wegweiser und Ortstafeln verschmiert», so Bauder. Allenthalben sei etwa «Uitikon, Knastikon» zu lesen gewesen. Der Gemeinde sei nichts anderes übrig geblieben, als die Malerfirma erneut aufzubieten.

Angezogene Sparschraube

Wegen tiefer Landpreise machte die Gemeinde Anfang der 1990er-Jahre eine sehr geringe Grundstückgewinnsteuer. «Ja – kaum zu glauben, aber die Gemeinde Uitikon hatte finanzielle Sorgen», so Bauder. Nicht nur musste der Steuerfuss für das Jahr 1993 um satte 12 Prozent erhöht werden, auch wurde die Sparschraube in vielen Bereichen angezogen. Bauder erinnert sich, dass der wöchentlich erscheinende Gemeinde-Kurier in geringerer Papierqualität gedruckt wurde. Auch der Weihnachts-Kurier 1993 beinhaltete lediglich die Gemeindechronik. Für mehr reichte das Geld nicht. «Das Jahrheft wurde als einfache Broschüre gestaltet – nichts von Hochglanz, wie gewohnt», so Bauder.

Eine Matratze für die Verwaltung

Als einen Scherz von einem zynischen Einwohner wertete Bauder die Lieferung einer Matratze für die Gemeindeverwaltung. Ein Lieferant wollte diese an einem Feierabend abgeben. «Ich dachte, es handle sich um ein Missverständnis oder einen Scherz, quasi mit dem Hinweis auf das Beamtentum», schreibt Bauder. Ein Blick auf den Lieferschein zeigte, dass er an der richtigen Hausnummer, leider aber in der falschen Gemeinde war. So erwartete nicht die Gemeindeverwaltung Uitikon, sondern die Alters- und Pflegewohnungen in Uetikon eine Matratzenlieferung.

Der kaputte Schaltknüppel

Gefährlich wurde es auf einer der Klausurtagungen des Gemeinderates in der Patengemeinde Jaun. Für einen nachmittäglichen Ausflug zur Besichtigung einer Alp stellte das Hotel einen Kleinbus zur Verfügung. Aus dem Gemeindeschreiber Bauder wurde auch der Chauffeur Bauder, der die steilen und kurvigen Strassen zu bewältigen hatte. Doch beim Rückwärtsfahren brach plötzlich der obere Teil des Schaltknüppels ab. Das gleichzeitige Schalten und Lenken wurde so schwierig, dass es der Gemeindepräsident übernahm, vom einen in den nächsten Gang zu wechseln. «Ein wahrer Beweis bester Zusammenarbeit», so Bauder rückblickend.