Neue Show

Andres Lutz: Wie Dr. Lüdi im Moor seine Inspiration fand

Das Gebiet bei Glanzenberg inspirierte Andres Lutz für sein neues Bühnenprogramm.

Das Gebiet bei Glanzenberg inspirierte Andres Lutz für sein neues Bühnenprogramm.

Der Kabarettist Andres Lutz widmet seine neue Show der Abhängigkeit von digitalen Medien. Ein Limmat-Seitengewässer bei Dietikon lieferte ihm dafür erstaunliche Ideen.

Wir leben in einer Welt der modernen Kommunikationstechnologie und laut einem gewissen Dr. Lüdi dreht sich dieses Hamsterrad immer schneller und schneller. End- und Übergangszeitliches würden ihren Schrecken verlieren, da offenkundig werde: «Fünf nach Zwölf war immer schon.» So die Worte von Dr. Lüdi. Diesem neuzeitlichen Sumpf will er einen Spiegel vorhalten. Er stieg dafür in den realen Morast bei Dietikon. Dort fand er die Inspiration, um das Spannungsfeld der digitalen Medien sehr speziell zu erklären.

Hinter Dr. Lüdi steckt der Kabarettist Andres Lutz, der mit «Lüdi steigt ins Moor» ein neues Soloprogramm geschrieben hat. «Vor einem Jahr begann ich mit den Vorbereitungen zur neuen Show», sagt Lutz, der auf der Zielgeraden zur Premiere die Küche seiner Zürcher Wohnung als Probebühne nutzt. Es ist ein grosszügiger und gemütlicher Raum, in dem neben Töpfen und Pfannen eben auch ein Schlagzeug und eine Gitarre, sowie Bühnenrequisiten Platz finden. «Ich lebe hier mit meiner Freundin, die Künstlerin ist. Sie versteht, warum auch eine Küche zum Proberaum werden kann.»

Das Moor als Metapher

«Als Dr. Lüdi trete ich seit 2003 auf», sagt der 50-Jährige. Für «Lüdi steigt ins Moor» setzt er sich erstmals kabarettistisch mit den digitalen Medien auseinander und wird die spezifischen Fragen des «digitalen Sumpfes» ganz unterschiedlich beleuchten. «Es wird ein multimedialer Abend, an dem ich den krassen Konsumwahn nach digitalen Dingen und Erlebnissen darstelle.» Die Show soll leicht und gleichzeitig kompliziert, schräg aber auch lustig werden. Lutz gibt nicht den klassischen Mainstream-Komödianten und will mit seinem Konzept ein neugieriges und offenes Publikum erreichen. Auch wird er musizieren sowie Bilder und Videos einblenden. «Im Vergleich zu früheren Programmen ist meine neue Show deutlicher», sagt Lutz.

Dafür liess er es sich nicht nehmen, auch ein reales Sumpfgebiet aufzusuchen, das repräsentativ für die Thematik der Show steht. «Früher hatte ich ein Atelier in der Fahrweid und ging oft in der Gegend spazieren, deswegen erinnerte ich mich an das Gebiet bei Glanzenberg an der Limmat ganz besonders», sagt Lutz. Der harte Kontrast mit den Brückenpfeilern habe ihn zusätzlich beeindruckt. Als Dr. Lüdi stieg er folglich auch ins dortige Wasser, «bewaffnet» mit einer Schnur voller unechter Smartphones und hielt diese Eindrücke fest. «Das Moor ist meine Metapher für den digitalen Sumpf.»

Anderer Beruf kam nie infrage

Heute hat Lutz sein Atelier in der Zürcher Binz. Ein solches benötigt er, da er auch als bildender Künstler in Erscheinung tritt. Zusammen mit Anders Guggisberg erschafft er seit Mitte der Neunzigerjahre Plastiken, Skulpturen, Installationen oder Malereien. Unter dem Namen «Lutz & Guggisberg» hat sich das Duo etabliert und stellt seine Arbeiten weltweit aus. «Kunst bestimmte schon früh einen wesentlichen Teil meines Lebens», sagt Lutz. Der Studiengang in der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich bestärkte ihn auf diesem Weg.

Für Lutz kam es daher nie infrage, einen anderen Beruf zu erlernen. «Sicher, in den ersten Jahren musste ich mich als Künstler beweisen. Aber zwischen 20 und 30 lebt man auch in einer Phase, in der man vieles ausprobieren will und das Geld keine grosse Rolle spielt.» Heute könne er von der Kunst aber sehr gut leben, sagt Lutz. Nichtsdestotrotz verändere sich auch die Kunstwelt stetig. «Wir leben in einem Global Village und es wird schwieriger, Aufmerksamkeit zu erlangen, denn die Konkurrenz ist riesig.»

Zum Kabarett kam er, weil er mit Vorliebe eigene Texte schrieb und diese auch vortragen wollte. Also wurde Lutz 1996 Teil des Cabaret-Duos «Geholten Stühle» mit Gerhard Meister. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb damals, dass das Duo eine neue Kabarett-Generation begründe. Entsprechend oft war es bis zu seiner Auflösung zu erleben, veröffentlichte sogar Alben und Bücher. Und dann kam Dr. Lüdi.

Auf Tournee

Nun wird die Küche in Wiedikon wieder ihrem ursprünglichen Zweck überlassen und Lutz spielt vor echtem Publikum. «Ich habe schon etwas Lampenfieber vor der Premiere», gesteht Lutz, aber das gehöre dazu. Ob die Show steht oder fällt, hänge ganz von ihm ab. «Ich habe auf der Bühne niemanden, der mir hilft, auch keinen Regisseur», sagt er. Die Vorpremiere sei aber geglückt. «Ich trat vor einer Woche in Affoltern am Albis im Theater La Marotte auf und die Leute haben sich amüsiert», sagt er.

Insgesamt sind nun acht Auftritte für «Lüdi steigt ins Moor» geplant, die Lutz ins Zürcher Miller’s und ins Theater Ticino in Wädenswil bringen. «Es ist eine kleine Tournee und nicht vergleichbar mit anderen Produktionen, die oft ein ganzes Jahr unterwegs sind.» Gemessen am Aufwand der Show sollen aber weitere Daten folgen und vielleicht zieht es Lutz auch wieder in Limmattaler Gefilde zurück, um dem hiesigen Sumpfgebiet zu zeigen, wie sehr es ihn, beziehungsweise Dr. Lüdi inspiriert hat.

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