Tom Cecchetto köpft den Fussball gekonnt übers Netz, sein Schüler hechtet in die Ecke. Vergeblich: Er erreicht den Ball nicht mehr. Punkt für Cecchetto.

Cecchetto und sein Schützling messen sich im Fussballtennis auf einem der Sandplätze der Tennisanlage Weihermatt. Es ist eine Aufwärmübung für die Tennisstunde, für die Cecchetto gebucht worden ist. Ein kleiner Nebenverdienst für den in Urdorf spielenden Stalliker während seines Aufenthaltes in der Schweiz. Seit Mitte Mai ist er wieder hier, nachdem er sein erstes Semester an der University of Southern Mississippi (USM) in den USA beendet hat. «Zu Beginn hatte ich Mühe damit, wieder in der Schweiz zu sein», sagt Cecchetto. «Ich habe Amerika sehr vermisst.» Dann habe er sich aber wieder eingelebt und viele Kollegen getroffen.

Aber das Leben in den USA, wo er seit Januar wohnt, gefällt ihm viel besser als in der Schweiz. «Die Atmosphäre ist ganz anders», sagt er. «Es ist nicht so Schickimicki wie in der Schweiz. Man kann mit jedem reden.» Besonders viel spricht er mit seinem Wohnungspartner, einem Thailänder, der wie Tom an der Universität studiert und Tennis spielt. «Anfangs war es nicht einfach, mit jemandem die Wohnung zu teilen», sagt Cecchetto. «Ich bin eigentlich jemand, der Ruhe braucht. Aber inzwischen sind wir beste Freunde geworden. Schade, dass er nur noch dieses Jahr an der Uni studiert.»

Taiwanes, Indones und Inder im Team

Cecchettos Wohnpartner ist nur einer von vielen Studenten, die aus Asien stammen. Zusätzlich spielen zwei Taiwanesen, ein Indonesier und ein Inder in Cecchettos Team. «Ich habe viel von der asiatischen Kultur mitbekommen», sagt Cecchetto. «Ich würde auch gerne mal nach Asien reisen.»

Insgesamt sind sie zu zehnt im Tennis-Team der USM. «Alle spielen etwa gleich gut, also auf dem Niveau N3 und N4», so Cecchetto. «Das öffnet viele Möglichkeiten, mit anderen zu trainieren.» Er selbst habe sehr davon profitiert: «Ich bin konstanterer und sicherer geworden, konnte an meinem Aufschlag feilen und habe in Sachen Kraft zugelegt», sagt er. In den USA gehöre das Krafttraining dazu, daher ist Cecchetto jetzt auch in der Schweiz mehr als früher im Fitnesscenter anzutreffen.

Doch auch mental hat Cecchetto einen Schritt nach vorne gemacht. Das spürte er beim letzten Turnier. «Ich ging mit einer anderen Einstellung auf den Platz», sagt er. «Nämlich jener Einstellung, dass ich besser bin als der Gegner. Da habe ich alles gegeben, und es hat funktioniert. So ein Gefühl habe ich zuvor noch nie gehabt.» Es sei ähnlich wie bei Rafael Nadal, der immer den Willen und die Power habe, weiterzukämpfen.

500 Zuschauer

In der Schweiz sei er noch ein Einzelkämpfer gewesen, in den USA ist Cecchetto zum Teamplayer gereift. «Wir feuern uns alle gegenseitig an», sagt er. «Und das hilft mir, denn ich habe als Nummer 2 in der internen Hierarchie natürlich auch einen gewissen Druck.» Diesen Druck spürte er, als er ein paar Partien verloren hatte und ihm seine Teamkollegen sagten: «Wir brauchen dich jetzt.»

Das war vor dem wichtigsten Turnier für das USM-Team, der College-Meisterschaft NCAA Conference Championship. «Da standen wir im Halbfinale», erinnert sich Cecchetto. «Bei diesen Spielen sind rund 500 Zuschauer anwesend, und vor den Partien wird die amerikanische Nationalhymne gespielt. Da sind alle aufgestanden und haben mitgesungen.» Von dieser Atmosphäre zeigte sich der Stalliker beflügelt. «Ich war bei meiner Partie total im Flow», so Cecchetto. «Mein Coach sagte mir später, dass es genau darauf ankomme.»

Zwar unterlagen Cecchetto und seine Teamkollegen im Halbfinale dem späteren Sieger der Meisterschaft. «Wir waren zwar der Underdog, aber ich war auch enttäuscht, dass wir verloren hatten», gab er zu. «Aber wir hielten als Team zusammen und taten es nachher immer noch, und das war entscheidend.»

Studium neben dem Tennis

Dieses Team wird sich im nächsten Semester verändern. Drei Spieler werden nicht mehr dabei sein. Doch für Cecchetto ändert das nicht viel. Er möchte weiterhin im Team Erfolg haben. Daher kann er es kaum erwarten, bis die Vorbereitung auf die nächste NCAA-Saison beginnt. «Wenn ich zurückkehre, werden wir uns drei Monate lang auf die Herbstsaison vorbereiten», sagt er. «Dann werden wir nur Einladungsturniere bestreiten.» Genug zu tun hat er dennoch, da er noch an der Universität International Business studiert. Sehr anstrengend sei das allerdings nicht. «Das Niveau ist tiefer als in der Schweiz», sagt er. «Aber ich will das Studium unbedingt beenden.» Darum kniet er sich rein, schliesslich liegen noch dreieinhalb Jahre vor ihm.

Und was ist danach? «Wenn ich Profi werde, gehe ich vielleicht nach Frankreich, Italien oder Spanien», sagt Cecchetto. Und wenn nicht? «Dann würde ich wohl in den USA bleiben.»