Schlieren
Alterszentrum kann entworfen und die Geissweid gebaut werden

Für knapp 600 000 Franken darf die Stadt nun einen Architekturwettbewerb für den Ersatzbau des Sandbühl durchführen. Auch die rund 900 000 Franken dür die Gestaltung der Geissweid sprach das Parlament.

Alex Rudolf
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Neuer Platz und Planung des neuen Alterszentrums - Schlieren ändert sein Gesicht.

Neuer Platz und Planung des neuen Alterszentrums - Schlieren ändert sein Gesicht.

Sophie Rüesch

Dass der in die Jahre gekommene Sandbühl-Bau ersetzt werden muss, steht ausser Frage. An seiner gestrigen Sitzung bestätigte das Parlament dies und sprach mit 30 zu einer Stimme einen Kredit in der Höhe von 570 000 Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs. Zuvor musste sich der Stadtrat jedoch Kritik anhören.

Am meisten Gegenwind gab es von Rolf Wegmüller (CVP). Dieser lancierte erst Mitte Jahr eine Motion, wonach ein geplanter Stadtsaal gemeinsam mit einem Ersatzbau des Alterszentrums im Zentrum realisiert werden sollte. Obwohl Wegmüller die Motion in der letzten Parlamentssitzung zurückzog, kämpfte er weiter.

«Der Stadtrat hat es verpasst, eine Gesamtschau zu erstellen. Zu viele Fragen bezüglich des Zentrums bleiben unbeantwortet», sagte er gestern. Wie wird der Stadtpark gestaltet? Zu welchen Kosten? Was geschieht mit dem Spielplatz? Mit diesen offenen Fragen begründete Wegmüller seinen Rückweisungsantrag, der vom Parlament jedoch mit 25 zu 6 Stimmen abgelehnt wurde.

Personelles

Sasa Stajic (FDP) wurde in die Geschäftsprüfungskommission gewählt. Er rückte als Nachfolger der zurückgetretenen Priska Randegger ins Stadtparlament nach.

Im Namen der Rechnungsprüfungskommission sprach sich Jolanda Lionello (SP) für den Kredit aus. «Beim Durchlesen der Vorlage wird klar, dass sich die Verantwortlichen der Stadt ernsthafte Gedanken zum Projekt gemacht haben.» Laut Thierry Spaniol (FDP) könne von einem Schnellschuss, wie es Weiersmüller nannte, keine Rede sein, da seit zehn Jahren am Projekt gearbeitet werde. Boris Steffen (SVP) lobte das vorliegende Betriebskonzept und drückte bereits jetzt grosses Interesse für das Finanzierungsmodell aus.

Die Stadt plant rund 60 Wohneinheiten, 30 Pflegezimmer, eine Cafeteria sowie eine öffentliche Erdgeschossnutzung. Als Standort wählte die Exekutive die Landparzelle an der Badenerstrasse neben dem Ortsmuseum und dem Familienzentrum.

Kritik am Investorenmodell
Warnend äusserte sich der Sprecher der SP-Grünen-Fraktion Robert Horber. So werde seine Fraktion sich gegen das vom Stadtrat ins Auge gefasste Investorenmodell, mit welchem der rund 41,6 Millionen Franken teure Bau gestemmt werden soll, wehren.

«Vermag es Schlieren nicht, den Bau selber zu finanzieren, so soll man darauf verzichten.» Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) erwiderte, dass dies so einfach nicht sei. «Nur wenige können sich ihr Einfamilienhaus ganz ohne Fremdfinanzierung leisten.»

Geissweid wird zum Stadtplatz

Auf der Schlieremer Geissweid entsteht ein Stadtplatz mit Bäumen und kein Hochbau. Dies kam an der gestrigen Sitzung des Schlieremer Stadtparlaments zutage. Mit 21 zu 11 Stimmen stellte sich eine Ratsmehrheit hinter die vom Stadtrat vorgelegte Umsetzungsvorlage zur Volksinitiative «Attraktive Geissweid für alle». Diese beinhaltet eine Neugestaltung des Platzes für rund 900 000 Franken. Dereinst wird die Verlängerung der Tramlinie 2 zwischen Farbhof und Geissweid hier wenden und die Limmattalbahn den Platz passieren.


Andreas Kriesi, GLP-Parlamentarier und Sprecher des Initiativkomitees, verwies in seinem Votum auf den grossen Zuspruch aus der Bevölkerung. Über 600 Personen unterstützten das Anliegen für eine Freihaltung des Platzes und somit gegen die von bürgerlicher Seite vorgebrachte Idee, auf dem Platz einen Wohnbau zu realisieren.


Beat Kilchenmann (SVP) betonte, dass es sich zwar um eine bessere Vorlage handle, als jene, die der Stadtrat Ende 2016 vorlegte. «Trotzdem sind wir gegen so viele Bäume auf der Geissweid und wollen das Schlieremer Stimmvolk entscheiden lassen.» Neben der SVP stellte sich auch der Quartierverein (QV) quer. Thomas Widmer verwies darauf, dass man mit dem Bau warten solle, bis man Genaueres zum Schlieremer Zentrum wisse. «Vielleicht haben wir ja bald dort einen grünen Platz, wo gewisse Leute einen Stadtsaal bauen wollen», sagte er lakonisch.


Mehrheitlich positive Voten
Die anderen Fraktionen waren dem Projekt freundlicher gesinnt. Die FDP habe sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, sagte John Daniels. «Doch sehen wir ein, dass die Idee einer möglichen Überbauung der Geissweid mit einem Mehrfamilienhaus zu spät eingebracht wurde.» Die Ausschreibung und die Planung würden zu viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Werner Jost (EVP) mahnte die Parlamentarier, den Grünflächen an zentralen Lagen sorge zu tragen. «Wir wollen der nächsten Generation kein zubetoniertes Zentrum hinterlassen.»


Pascal Leuchtmann (SP), der selber im Initiativkomitee einsitzt, betonte: «Wegen des Trambaus wird sich die Geissweid ohnehin verändern, da können wir gleich etwas Schönes bauen.»


Auch Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) verwies darauf, dass ein Hochbau an dieser Stelle zwar technisch möglich sei, doch derzeit nicht rentabel. Dies habe sich auch im Gespräch mit der Liberalen Baugenossenschaft gezeigt, welche ein Überbauungsprojekt Ende 2016 öffentlich gemacht hatte.


Mit der Annahme dieser Umsetzungsvorlage könnte die Initiative zurückgezogen werden, wie Andreas Kriesi in Aussicht stellte. «Dies würde zur Folge haben, dass das Projekt unverzüglich realisiert werden könnte.»