Dietikon
Alte Fotos kommen ganz einfach aus der Schuhschachtel ins Web

Der Verein Generationenbeziehungen startet diese Woche in Dietikon sein Pilotprojekt «Bilder verbinden». Teenager helfen den älteren Generationen dabei, alte Fotos zu digitalisieren – so könnte über die Jahre ein wertvolles Archiv entstehen,

Katja Landolt
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Esther Bossert: «So einfach kann ich jetzt meine Fotos per Mail meiner Familie nach Dubai schicken?» ksc

Esther Bossert: «So einfach kann ich jetzt meine Fotos per Mail meiner Familie nach Dubai schicken?» ksc

Der Scanner schnurrt, ein Fenster mit drei Bildern springt auf. Die Fotografien sind alt; der Haarschnitt, die Kleidung, der Gelbstich. Aber sie sind digital. Keine einzelne Aufnahme auf Fotopapier, sondern eine kleine Datei, jederzeit verschickbar. Esther Bossert strahlt und fragt mit leicht ungläubigem Unterton: «So einfach kann ich jetzt meine Fotos per Mail meiner Familie nach Dubai schicken?» Aleksander (13), Dragana (15) und Jessica (15) nicken grinsend.

Esther Bossert hat mit Unterstützung der drei Teenager die ersten Fotografien digitalisiert. «Bilder verbinden» nennt sich dieses Pilotprojekt, das der Verein Generationenbeziehungen diese Woche in Zusammenarbeit mit der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon gestartet hat. «Viele ältere Personen haben unzählige Fotos aus früheren Zeiten bei sich zu Hause, die sie in Alben eingeklebt haben oder in Schuhkartons aufbewahren», sagt Andreas Raymann, Fachverantwortlicher der Fachstelle Generationenbeziehungen bei Pro Senectute Kanton Zürich, der das Pilotprojekt koordiniert. Diese Bilder sollen gerettet, für weitere Familienmitglieder zugänglich gemacht und für nachfolgende Generationen erhalten werden – mittels Digitalisierung.

Interaktion zwischen Alt und Jung

Hier kommt die junge Generation ins Spiel, die, die mit Computern und Technik aufgewachsen sind. Sie können den älteren Menschen unter die Arme greifen, sie unterstützen. Das fördert die Interaktion zwischen den Generationen; ein wichtiges Ziel des Vereins Generationenbeziehungen. «Wir möchten den Kontakt zwischen jüngeren und älteren Leuten ausserhalb der Familie fördern», sagt Raymann. Die fünf Anwesenden – die pensionierten Esther Bossert und Andreas Petrin und die Schüler Aleksandar Zivanovic, Dragana Vasic und Jessica Mehaidli – bilden die Gruppe, die das Know-how an einem «Bilder-Anlass« im April die Bevölkerung weitergeben soll.

Wie wertvoll diese Zusammenarbeit der Generationen sein kann, zeigt sich an diesem Nachmittag im reformierten Kirchgemeindehaus: Die Pensionierten, Esther Bossert und Andreas Petrin, haben zwar beide einen Computer zu Hause. Aber Bossert hat noch nie ohne Maus gearbeitet, Petrin nur mit Mac. Aleksander, Dragana und Jessica klicken sich durch die Programme, als hätten sie nie etwas anderes getan. Geduldig erklären sie den beiden Älteren Schritt für Schritt und anhand einer Anleitung, wie alles funktioniert – bis die Bilder zum Schluss alle auf dem Internetportal «Flickr» abgespeichert sind.

Wertvolles Archiv

Der Verein Generationenbeziehungen will mit dem Projekt «Bilder verbinden», die Bilder nicht nur für den familiären Rahmen, sondern ebenfalls für die Öffentlichkeit, für die Nachwelt zugänglich machen. «Das sollen keine persönlichen Aufnahmen sein, sondern beispielsweise Landschaftsbilder oder Fotos aus der Stadt sowie von Dorffesten», sagt Andreas Raymann. So könnte über die Jahre ein wertvolles Archiv entstehen, das sich von Dietikon und den anderen Pilotgemeinden Regensdorf, Rüschlikon und Wädenswil über den ganzen Kanton ausbreitet.

Bis es aber so weit ist und die ersten Dietiker ihre alten Fotos digitalisieren lassen, dauert es noch einige Monate. Bis dahin muss aber viel getan werden; und auch das erarbeitet die Gruppe gemeinsam. Die grösste Herausforderung: Wie lockt man die Leute an? Schnell ist klar, Flyer müssen her. Doch wie viele? Wer gestaltet sie? Wie gross sollen sie sein und wo werden sie aufgehängt und verteilt? An Ideen fehlt es nicht, an gutem Willen und Hilfsbereitschaft erst recht nicht.

Langsam bricht die Dämmerung an. Die Fotos sind sicher abgespeichert, die Ideen für die Werbung und die Veranstaltung geboren. War es denn nun schwierig, das Digitalisieren? Für ihn sei es etwas kompliziert, sagt Andreas Petrin, weil er sonst mit Mac arbeite. «Aber im Grundsatz habe ich es begriffen.» Esther Bossert lacht. «Ich freue mich auf den Moment, in dem ich meinen Jungen sagen kann, dass ich jetzt auch selber digitalisieren kann.»