Urdorf
Als der Postbote noch einen Kaffee erhielt – und seinen Kunden die AHV bar ausbezahlte

Der gelernte Metzger Arnold Schuler arbeitete fast 40 Jahre als Postbote – er hat seinen Kunden die AHV noch bar ausbezahlt und dabei Zeit für Gespräche gehabt.

Margret Stöcklin
Merken
Drucken
Teilen
Arnold Schuler.

Arnold Schuler.

Arnold Schuler wurde im April 1938 in Sattel im Kanton Schwyz geboren. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er allerdings in Steinen. Nach Beendigung seiner Schulzeit begann er eine Ausbildung als Metzger bei der Firma Blaser in Brunnen. «Damals musste man die Lehrstellen annehmen, die sich anboten. Eine grosse Auswahl gab es nicht», erinnert sich Schuler.

Nach seinem Lehrabschluss arbeitete er noch drei Jahre als Metzger, dann bewarb er sich beim Gelben Riesen. Dieser bot ihm eine Anstellung als Postbote in Urdorf an. Schuler war in der Folge im Gebiet Neumatt-, Feld- sowie Weihermattstrasse tätig. Bereits morgens um sechs Uhr wurden die Postsäcke geleert und die Briefe und Zeitungen in die Fächer der zuständigen Postboten gelegt. Nachdem dieser Prozess erledigt war, begannen die Postboten mit der Feinverteilung nach Strassen und Hausnummern. Dieses morgendliche Sortieren dauerte insgesamt 45 Minuten.

Danach wurden die Briefe zu den Kunden gebracht. Ab und zu habe es einen feinen Kaffee gegeben, sagt Schuler. «Zu viel Zeit konnte ich mir allerdings doch nicht fürs Kaffeetrinken nehmen, denn schliesslich galt es täglich zwischen 800 und 1200 Postsendungen an die entsprechenden Empfänger zu verteilen. Ich habe meinen Beruf geliebt, weil ich guten Kontakt zu den Menschen hatte und irgendwie dazu gehörte.»

Die Musik und die Kaninchen

Arnold Schuler führte seine Braut Annelies mit 26 Jahren zum Traualtar. Die beiden zogen zunächst in eine Personalwohnung des Bundes. Später erwarb das Ehepaar, welches sich mittlerweile über drei Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel freuen kann, ein Eigenheim mit Umschwung an der Feldstrasse. Weil er schon mit seinem Vater viel musiziert hatte, kaufte sich Schuler im Alter von 35 Jahren eine eigene chromatische Record-Handorgel sowie ein Schwyzerörgeli und gründete, zusammen mit seinem Freund Arnold Holzer, die Formation Schuler/Holzer, in welcher Ehefrau Annelies die beiden auf dem Klavier begleitete. Das Trio erfreute auf privaten und geschäftlichen Anlässen aller Art mit einem ausgewählten Repertoire von volkstümlicher Musik über Schlager bis hin zu Evergreens. Als bei Arnold Holzer gesundheitliche Probleme auftraten, verliess er leider die Formation, sodass Arnold Schuler und seine Frau Annelies alleine weitermachen mussten. Die beiden kann man übrigens heute noch buchen.

Neben seiner Musik steht die Kleintierzucht als gleichberechtigtes Hobby im Leben des pensionierten Postboten. Er ist ein überzeugter Züchter von Englischen Schecken. Diese kleine Kaninchenrasse wiegt höchstens drei Kilo und zeichnet sich durch ein wunderschönes weisses Fell mit braunen Flecken an der Seite und am Kopf aus. «Momentan halte ich neun Zippen (Weibchen) sowie drei Rammler (Männchen) und erwarte vier Würfe. Je Wurf kommen zwischen vier bis sechs blinde und nackte Junge auf die Welt. Nach zehn Tagen öffnen sie die Augen und auch das Fell bildet sich relativ schnell, man kann förmlich zugucken. Ich bin wirklich fasziniert von dieser Rasse», sagt Arnold Schuler.

Eine Kaninchen-Mutter mitsamt ihrer Kinderschar wird der 81-Jährige auch an der diesjährigen Kleintierschau zeigen, welche der Kleintierzuchtverein Dietikon und Umgebung (KTVZ) am 25. und 26. Mai beim Zentralschulhaus veranstaltet. Dieser Termin ist bei Arnold Schuler schon lange rot markiert. «Ich werde natürlich das attraktivste Muttertier mit seinen Jungen präsentieren und hoffe, dass ich mit den Schönsten weiterzüchten kann», sagt Arnold Schuler abschliessend.