Zürich
Alles soll grüner werden im neuen Zürcher Hochschulquartier

Die Pläne für das Grossprojekt von ETH, Universität und Universitätsspital Zürich konkretisieren sich: Der Neubau des Unispitals erhält eine begrünte Fassade, und auf den wichtigsten Strassen im Hochschulgebiet soll es durchgehende Fussgängerinseln geben.

Matthias Scharrer
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Den Verantwortlichen des Baus des neuen Zürcher Hochschulgebietes ist die Gestaltung der Räume zwischen den Gebäuden ein Anliegen.
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In der Umgebung der Universität, des Universitätsspitals und der ETH Zürich Zentrum sollen in den kommenden etwa 30 Jahren neue Gebäude, wie auch Parks und ein Campus-Boulevard anzutreffen sein.
Eines der neuen Gebäude auf dem Zürcher Hochschulcampus soll rundum begrünt werden.
Visualisierung des Blicks aus einem Pflegezimmer.
Die geplante Rämiterrasse.
Das UZH Forum lädt zum Verweilen ein. Es erinnert an den Lichthof des UZH-Hauptgebäudes.
Hier zu sehen sind Eingänge zu den Hörsälen.
Die Bibliothek des UZH Forums.
So soll die neue ETH Mensa aussehen.

Den Verantwortlichen des Baus des neuen Zürcher Hochschulgebietes ist die Gestaltung der Räume zwischen den Gebäuden ein Anliegen.

zvg

In Zeiten von Social Distancing ist es erwähnenswert: «Wichtig ist die räumliche Nähe, für die Feinabstimmung und damit man sich gegenseitig inspirieren kann», sagte der kantonale Baudirektor Martin Neukom (Grüne) am Dienstag vor den Medien. Es ging um eines der grössten Bauprojekte Zürichs: die Neugestaltung des Hochschulquartiers. Normalerweise laufen sich dort täglich Zehntausende Studierende, Dozierende und Forschende über den Weg. Und das soll auch in Zukunft so sein, hielten die Bauherren fest - obwohl die Coronakrise dem Fernunterricht derzeit Schub gibt, der auch nach der Pandemie weiterwirken könnte.

Bereits bekannt war, wie die ersten neuen Grossbauten im Hochschulgebiet nach den Plänen der Architekten Christ & Gantenbein sowie Herzog & de Meuron aussehen sollen. Nun legten die Verantwortlichen von Stadt und Kanton sowie Uni, ETH und Unispital Zürich dar, wie die fürs Stadtleben wichtigen Räume zwischen den Gebäuden aussehen sollen.

«Fussgänger können überall über die Strasse»

Auffälligste Neuerung sind durchgehende Fussgängerinseln auf der Rämi- und Gloria-
strasse im Zentrum des Hochschulgebiets. «Die Fussgänger müssen nicht mehr über den Zebrastreifen. Sie können überall über die Strasse gehen», sagte Stadtrat Richard Wolff (AL).

Geplant sei, dass die Rämi- und die Gloriastrasse im Hochschulgebiet künftig durchgehend Tempo-30-Strassen seien. Dadurch können die Fahrspuren für die Autos schmaler werden. Das schafft Platz für durchgehende Velowege an den Strassenrändern – und in der Strassenmitte neben den Tramgleisen für besagte durchgehende Fussgängerinseln. Noch ist die geplante Temporeduktion auf 30 Stundenkilometer allerdings nicht rechtskräftig, wie Wolff auf Nachfrage sagte.

Feststehe aber, dass der wegen des Hochschulwachstums erwartete Mehrverkehr hauptsächlich über öffentliche Verkehrsmittel, Velo- und Fussverkehr stattfinden soll. Die am Rande des heutigen Spitalparks gelegenen Parkplätze fallen weg. «Alles soll grüner werden», sagte Wolff. Dies soll dazu beitragen, dass es angesichts der Klimaerwärmung nicht zu heiss wird, wie Neukom ausführte.

Zürich bleibt ohne U-Bahn

Der künftig Gloriapark genannte Spitalpark erhält durch den Wegfall der Parkplätze mehr Grünfläche. Zudem ist ein Pavillon mit Gastronomieangebot anstelle der heutigen Parkplätze vorgesehen. Auch auf den Fussgängerinseln sind Bäume geplant. Die Gesamtzahl der Bäume im Hochschulgebiet bleibt laut Wolff dennoch gleich.

Und: Ersatzlos gestrichen werden die Parkplätze aus dem Spitalpark nicht: Das Unispital plant 250 zusätzliche unterirdische Parkplätze, wie Gesamtprojektleiter Peter Bodmer sagte. Die Idee einer U-Bahn vom Hauptbahnhof ins Uniquartier und weiter zum Bahnhof Stadelhofen habe man als zu teuer verworfen, so Bodmer. Stattdessen sollen mehr grosse Tramtypen wie Cobra und das neue Flexity-Tram zum Einsatz kommen.

Die Bauarbeiten finden nach jetzigem Zeitplan hauptsächlich zwischen 2022 und 2028 statt. Der Neubau von Herzog & de Meuron soll zum neuen Uni-Hauptgebäude fürs 21. Jahrhundert werden, wie François Chapuis, Immobilienchef der Universität Zürich sagte. Die Kosten dafür veranschlagt er auf 500 Millionen Franken. Er rechnet damit, dass der Kantonsrat 2022 darüber entscheidet.

Das neue Unispital-Gebäude von Christ & Gantenbein entstehe zwischen 2021 und 2028, wie Unispital-CEO Gregor Zünd sagte. Kostenpunkt: 620 Millionen Franken fürs Gebäude, 120 Millionen für die Innenausstattung. Die Fassade des Spital-Neubaus an der Gloriastrasse soll rundum von Pflanzen umrankt werden.

Ein Rechtsstreit mit Anwohnern über die Unispital-Erweiterung konnte laut Bodmer beigelegt werden. Zumindest vorerst: Der Christ-Gantenbein-Bau ist die erste von drei geplanten Etappen des Generationenprojekts.

Die ETH will im Zuge der Neugestaltung des Hochschulgebiets ihr Hauptgebäude sanieren. Dabei soll auch die Polyterrasse neu gestaltet werden.

Viel Baulärm steht dem Quartier also bevor – und bis zu 12000 Fahrten von Baufahrzeugen pro Quartal im Jahr 2023, wenn die Baugruben gebaggert werden.