Alexandra Walz ist soeben aus dem luzernischen Sörenberg zurückgekehrt. Auf einer eisigen Piste des Skigebiets trat die Urdorferin auch gegen Weltcup-Fahrerinnen an. Die 18-jährige Alexandra ist eine von zwei Zürcherinnen, die momentan im Juniorenkader Ski Alpin des Regionalverbandes Fis-Rennen fährt. Damit ist sie quasi in der Nationalliga A der Skirennfahrerinnen.

Trotzdem sagt sie: «Ich bin vor jedem Rennen nervös.» Es sei daher nicht leicht, an einem Wettkampf das abzurufen, was sie in einem Training leiste. «Wenn es nichts wird, dann spüre ich das am Start», sagt sie, und: «Die Zweifel darf ich dann nicht zulassen.» Sobald sie aber die Piste hinabdonnert, ist alles andere vergessen, dann ist volle Konzentration gefragt.

"Man muss ein Adrenalin-Junkie sein"

Am Rennen in Sörenberg jubelten ihr die Eltern und Teamkollegen vom Rand aus zu. Doch: «Die Menschen am Pistenrand sehe ich gar nicht», sagt die Jungathletin. Alexandra Walz folgt nur der Spur, wobei jedes Mal ein Geschwindigkeitsrausch aufkomme. «Man muss schon ein Adrenalin-Junkie sein», sagt sie. Momentan trennen sie noch wenige Sekunden von den Spitzenathletinnen, wenn sie das Ziel passiert. Trotz der starken Mitbewerberinnen fuhr sie in Sörenberg ins Mittelfeld. «Beim Slalom läuft es bei mir gerade gut, ich mag aber alle Disziplinen», sagt das Nachwuchstalent.

Von November bis April ist Rennsaison. Doch egal ob Sommer oder Winter, Alexandra Walz hat einen vollen Terminkalender. Seit 2015 besucht sie das Sportgymnasium in Engelberg. Am Morgen wird trainiert, am Nachmittag gelernt, aber: «Im Winter bin ich eigentlich nie an der Schule», sagt sie. Die Prüfungen muss sie später nachholen. Statt zu büffeln, fährt sie bereits nach einem Ruhetag wieder in die Berge, um zu trainieren. «Ich bin ein Energiebündel», sagt sie.

Turnaround dank Umfeld

In Engelberg gefällt es ihr inzwischen sehr gut, nicht zuletzt, weil das Umfeld stimmt. «Das Internatsleben ist toll», sagt sie. Doch das war nicht immer so. Die fixen Strukturen machten ihr anfänglich zu schaffen: Frühstück gibt es um Punkt sieben Uhr, darauf folgt eine Stunde Morgenstudium, eine weitere am Abend. «Ich wollte lieber das tun, was ich will», sagt sie.

Im Regionalverband fühlte sie sich zudem in den Trainingslagern als einziges Mädchen unter den Teilnehmern einsam. «Jetzt haben wir eine gute Lösung gefunden — ich fahre mit der grösseren Gruppe der Zentralschweizerinnen mit», sagt sie. Seither kam auch auf der Piste der Turnaround. «Es ist entscheidend, das richtige Umfeld zu haben», sagt sie.

Dieses prägte sie schon früh. Ihre ersten Skiversuche unternahm Alexandra Walz als Vierjährige in Braunwald, darauf besuchte sie Jahr für Jahr die Skischule. Mit elf Jahren fuhr sie am Finalrennen der Skischule Brigels aufs Podest. Das ist wohl kein Zufall, denn ihre Mutter ist Präsidentin des Schneesportclubs Schlieren, und ihr Vater ist Skilehrer. Die Eltern lernten sich beim Skifahren kennen.

Wie Ragnhild Mowinckel

Nach dem Podestplatz gab es ein Telefon vom Skilehrer und Alexandra Walz durfte endlich mit einer Zürcher Renngruppe trainieren. Das Engagement stellte die Eltern früh vor logistische Herausforderungen. So mussten sie zweimal wöchentlich in die Berge fahren. Es zahlte sich aus. Heute fährt die Tochter dem Vater davon. «Trotzdem schaue ich zu ihm hoch», sagt sie.

Alexandra Walz möchte sich weiter verbessern. «Ich fahre zu ‹schön›», sagt sie. Sie wolle sich deshalb die norwegische Spitzenathletin Ragnhild Mowinckel zum Vorbild nehmen, die einen wilden Fahrstil pflege. Das nächste Ziel ist die Qualifikation für das nationale Leistungszentrum Mitte. Und dann? «Mein Traum ist es, im Europacup zu fahren», sagt sie.