Nationalratswahlen 2019

AL-Spitzenkandidatin Manuela Schiller: «Ich werde für Unruhe sorgen»

Mieterschutz und Grundrechte seien ihre Kernanliegen, sagt Schiller.

Mieterschutz und Grundrechte seien ihre Kernanliegen, sagt Schiller.

Manuela Schiller, einst Juso-Gründerin im Limmattal, ist Spitzenkandidatin der AL bei den Nationalratswahlen. Doch wer ist die 62-jährige Anwältin mit österreichisch-italienischen Wurzeln?

«Kein Mensch ist illegal», steht auf Manuela Schillers T-Shirt. Die 62-jährige Anwältin trägt es während der Medienkonferenz, mit der die Alternative Liste gestern in Zürich ihren Nationalrats-Wahlkampf lancierte. Schiller ist Spitzenkandidatin der AL. Und die Alternativen wittern die Chance, dass erstmals seit den frühen 1990er-Jahren wieder eine Zürcher Nationalrats-Kandidatur links der SP das Wahlziel erreicht. Damals zog Christine Goll für die Gruppierung FraP! («Frauen macht Politik!») in den Nationalrat ein. Nun hält auch die «NZZ» fest, ein Nationalratssitz liege für die AL am 20. Oktober im Bereich des Möglichen.

Bei den Zürcher Kantonsratswahlen im Frühling legte die AL als einzige Partei nebst den Grünen und der GLP zu und vergrösserte ihre Fraktion um einen Sitz. Auch in den Gemeindeparlamenten von Zürich, Winterthur und Dietikon ist sie inzwischen etabliert. In Zürich stellt sie zudem mit Richard Wolff seit 2013 einen Stadtrat. Und: «2019 ist nicht nur ein grünes, sondern auch ein Frauenwahljahr», sagt AL-Kantonsrätin Judith Stofer. Die lange als Männerbund verschriene AL will davon profitieren. Auf den ersten fünf Plätzen ihrer Wahlliste sind ausschliesslich Frauen. Wer also ist die Spitzenkandidatin, die von allen AL-Kandidaturen am ehesten Wahlchancen hat?

Mit dem Dietiker Jugendhaus fing es an

Schillers politisches Engagement begann in den 1970er-Jahren in Dietikon. Frisch eingebürgert, kämpfte die Tochter eines Österreichers und einer Italienerin damals als Jugendliche für die Wiedereröffnung des Dietiker Jugendhauses. Sie zählte zu den Gründerinnen der Juso Dietikon und der Juso Limmattal. Doch von der SP, der sie zunächst angehörte, wandte sie sich bald wieder ab. Zu wankelmütig seien die Sozialdemokraten, fand sie. Zu staatstragend. 1990 zählte Schiller dann zu den Gründerinnen der Alternativen Liste.

Während sie bei der AL bislang eher im Hintergrund wirkte, trat sie in der Öffentlichkeit vor allem als Anwältin in Erscheinung. Sie setzte sich für die Rechte von Sans Papiers ein, kritisierte die Verhältnisse in Zürcher Notunterkünften für abgewiesene Asylsuchende – und trat damit auch in Widerspruch zur Politik von SP-Regierungsrat Mario Fehr, dem Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich.

Am Wochenende in der Letzigrund-Südkurve

Ebenso setzt Schiller sich immer wieder für die Rechte von Fussballfans ein, seit es 2004 beim Bahnhof Zürich Altstetten zu einer Massenverhaftung von 427 Fans kam. Darauf angesprochen, sagte die Rechtsanwältin unlängst im St. Galler Fussballmagazin «Senf»: «Ich mag die Schlägereien nicht, ich mag die Böller nicht. Zu Pyrotechnik habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Genauso wenig mag ich aber Benimmdiktate, Repression, Überwachung, Konformität.» Am Wochenende treffe man sie öfters in der Südkurve des Letzigrundstadions, sagt Schiller, die in Zürich Altstetten wohnt.

Gesellschaftspolitisches und anwaltschaftliches Engagement zeigt sie seit Jahren auch als Präsidentin des Stadtzürcher Mieterinnen- und Mieterverbands. Ihre Engagements spiegeln sich in den Zielen, die sie im Nationalrat verfolgen will: Mieterschutz und Grundrechte seien ihre Kernanliegen, sagt Schiller. Auch fürs Ausländerstimmrecht wolle sie sich einsetzen. Letztlich verfolge sie die Utopie einer Gesellschaft, die nicht mehr kapitalistisch sei, sondern in der die Interessen der Menschen im Vordergrund stünden, «ohne Ausbeutung», wie sie anfügt. Doch ihr ist klar, dass sie im Nationalrat nur eine von vielen wäre und die Überwindung des Kapitalismus dort nicht gleich ansteht. Die AL könnte aber wie in den Parlamenten von Zürich, Winterthur und Dietikon auch in Bundesbern eine Rolle als «innovative Vordenkerin» spielen, sagt Schiller. Und verspricht: «Dort, wo es mich hinwindet, werde ich mich einarbeiten und für Unruhe sorgen.»

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