Ganz Aesch bekommt ein Glasfasernetz. Mit grosser Mehrheit stimmte die Gemeindeversammlung am Mittwochabend für den Antrag des Gemeinderates. Hochbauvorstand Max Holliger (FDP) tat sein Möglichstes, um das Weisungsheft, das Gemeindepräsident Johann Jahn (Forum Aesch) scherzhaft als «dickes Buch» bezeichnete, zu erklären: Das veraltete Gemeindekabelnetz wird durch Glasfaser ersetzt. Es wird eine Anschlusspflicht für alle Liegenschaften in der Aescher Bauzone bestehen. Wie bereits im Gebiet Heligenmatt-Feltsch will die Gemeinde das neue Netz in Kooperation mit der Swisscom selber bauen und Eigentümer bleiben. Wenn das Netz im Juni 2020 in Betrieb geht, soll ein externer Anbieter die Instandhaltung und die Vermarktung übernehmen.

Auf die Eigentümer von Liegenschaften kommen Kosten zu: Besitzer von Gebäuden mit bestehendem Kabelnetzanschluss zahlen 2000 Franken Modernisierungsgebühr, bei Mehrfamilienhäusern kommen pro zusätzlichem Anschluss noch 300 Franken dazu. Für Neubauten ist der Grundbetrag 2500 Franken. Der gesamte Ausbau kostet voraussichtlich 1,5 Millionen Franken. Davon zahlt ein Fünftel die Swisscom. Etwa 730 000 Franken sollen durch die Modernisierungsgebühren der Hauseigentümer zusammen kommen. Den Rest von fast einer halben Million Franken wird von den Bürgern, die keinen Vertrag mit der Swisscom abschliessen, per zusätzlicher Gebühr bezahlt.

Nur vier Gegenstimmen

Schliesslich hatte Holliger trotz der Kosten mit seinen Ausführungen Erfolg. Nur vier der 80 anwesenden Bürger sagten Nein zu den Plänen. Die Diskussion davor war durchaus kontrovers. Verschiedentlich meldeten sich technisch versierte Bürger zu Wort. Eine Einwohnerin stellte die wichtigste Frage: «Worüber stimmen wir heute überhaupt ab?»
Die Frage war berechtigt, denn trotz der Annahme des Antrags wurde dem Gemeinderat am Mittwoch noch kein Kredit bewilligt. «Wir treffen heute eine Grundsatzentscheidung», sagte Gemeindepräsident Jahn. Das Ja der Gemeindeversammlung erteilt der Exekutive das Mandat mit der Swisscom weiter über eine Kooperation zu verhandeln. Der Kredit, mit dem der Gemeinderat die Baumassnahmen für das Glasfasernetz bestreiten will, sowie die Anschlussplicht werden im Juni 2018 zur Abstimmung gestellt.

Die Aescher Stimmbürger sprachen der Exekutive ihr Vertrauen aus: Alle restlichen Anträge des Gemeinderats wurden ohne Gegenstimme angenommen. Obwohl die Steuerfüsse unangetastet bleiben, sollen die Einnahmen steigen. Dies vor allem dank vieler Neuzuzüger: Ende 2017 werden 1375 Menschen in Aesch leben, zur gleichen Zeit 2018 sollen es schon 1550 Einwohner sein.

Die Ausgaben der Gemeinde steigen im Voranschlag 2018 um fast 200 000 Franken. 72 000 davon entfallen auf neue Software für die Rechnungsstellung, die wegen neuen kantonalen Vorschriften notwendig wird. Dafür werden die Aescher künftig einige Dinge online erledigen können, wie zum Beispiel eine Fristverlängerung für die Steuererklärung beantragen. 115 700 Franken wird mehr für die Gesundheit ausgegeben. Der Grossteil davon fällt für die Langzeitpflege an. «Wir haben dort zwar nicht mehr Fälle, aber einige intensivere», sagte Gemeinderat Diego Bonato (SVP), der für die Finanzen zuständig ist.

Geschenke zum Abschied

Nachdem die Stimmberechtigten auch den Bau eines Trottoirs an der Haldenstrasse für 437 500 Franken und die neue Gebührenverordnung einstimmig durchgewunken hatten, wurde die langjährige Gemeindeschreiberin Claudia Trutmann verabschiedet. Zehn Jahre arbeitete die 59-Jährige in Aesch und lässt sich jetzt frühpensionieren. Zum Abschied wurde Trutmann vom Gemeinderat mit einer Veloreise und einer von Vize-Gemeindepräsident Roland Helfenberger (SVP) geschnitzten, überlebensgrossen Katzenstatue beschenkt. Ihr Kommentar, bevor sie in Pension geht: «Mein Mann wird sich freuen, dass bei uns noch mehr in der Einfahrt steht.»