Ein Delikt, welches die Kantonspolizei zunehmend beschäftigt, ist die sogenannte Konkursreiterei – gemeint ist damit der missbräuchliche Konkurs. Laut Christiane Lentjes Meili, der Chefin Kriminalpolizei der Kantonspolizei Zürich, handelt es sich dabei um ein Phänomen, das seit vielen Jahren bekannt ist. «In den letzten zwei Jahren konnten wir ermitteln, dass es sich dabei um ein eigentliches System handelt», sagt Lentjes.

Und so funktioniert die Konkursreiterei: Kleinunternehmer – Lentjes nennt als Beispiele für besonders anfällige Branchen das Bauwesen und Gastrounternehmen – würden grosse Schulden anhäufen. Dies geschehe vor allem bei der öffentlichen Hand. Etwa, indem die Firmen keine Sozialversicherungsbeiträge oder Steuern einzahlen.

Steht der Firmeninhaber derart tief in der Kreide, dass er seine Schulden loswerden muss, bezahlt er einem professionellen Vermittler eine Provision. Dieser Vermittler überträgt die marode Firma an einen kriminellen Firmenbestatter. So ist der ursprüngliche Besitzer laut Lentjes seine Schulden faktisch los.

Sowohl der Vermittler, wie jene Person, welche die Firma übernimmt, kassiert Geld. Um die Sache zu verschleiern, wird während des Vorgangs der Name der Firma geändert und das Firmendomizil verschoben. Der neue Inhaber begeht mit der Firma Vermögensdelikte indem er beispielsweise Waren bestellt, die er dann nicht bezahlt. Kurz darauf lässt er die Firma in Konkurs gehen. Sämtliche Gläubiger kommen zu Schaden.

Wettbewerbsnachteil für Ehrliche

Die Kantonspolizei hat hochgerechnet, dass im Kanton Zürich alleine der öffentlichen Hand pro Jahr ein Schaden von bis zu 100 Millionen Franken entsteht. «Im ungefähr selben Ausmass kommen Private zu Schaden», sagt Lentjes. Neben den eigentlichen Deliktsbeträgen streicht die Chefin der Kriminalpolizei als Schaden den Wettbewerbsnachteil heraus, der ehrlichen Kleinunternehmern entstehe. Weil sie sich an die Bestimmungen halten, müssen sie letztlich ihre Dienstleistungen zu einem höheren Preis anbieten, als dies die kriminelle Konkurrenz tut.

Da es um sehr viel Geld geht, investiert die Kantonspolizei entsprechende Ressourcen, um den Schuldigen das Handwerk zu legen. Die Kantonspolizei hat eine Sonderkommission gebildet, welche schon hunderte Delikte aufdecken konnte. Der Erfolg zeigt sich auch in der Kriminalstatistik. Und zwar darin, dass die Zahl der registrierten Fälle von Konkursmissbrauch markant gestiegen ist. Bei den Delikten schwingen hier Misswirtschaft, betrügerischer Konkurs und Pfändungsbetrug sowie Unterlassung der Buchführung obenaus.

Um den Konkursmissbrauch zu bekämpfen, arbeitet die Kantonspolizei intensiv mit Konkurs- und Betreibungsämtern zusammen. «Wir konnten verschiedene Indikatoren festlegen, die darauf hindeuten, dass Konkursreiterei betrieben wird», sagt Lentjes. Die Betreibungsbeamten seien geschult und würden solche Indikatoren erkennen. Sei dies der Fall, würden sie der Polizei Hinweise geben und teilweise auch Anzeige erstatten.

Auf Bundesebene ist momentan eine Vorlage hängig, welche Schlupflöcher im Gesetz stopfen soll.