Der Erhalt des 35 Meter hohen Schlieremer Gasometers steht seit seiner Stilllegung vor rund zehn Jahren auf der Kippe. Einfliessendes Regenwasser nagt an der Konstruktion. Vergangene Woche nun stellte der Stiftungsrat Gasometer Schlieren die Weichen für die Zukunft des Wahrzeichens. «Auf einen Erhalt des Gasometers als sogenanntes dynamisches Denkmal wird verzichtet», sagt die Stiftungsratspräsidentin Barbara Truog.

Das heisst: Hinauf- und hinunterfahren, wie noch vor zehn Jahren, als zuletzt Führungen und eine Demonstration im ehemaligen Gasspeicher angeboten wurden, kann man ihn dann nicht mehr. Dafür wird er auch kein Wasser mehr auf dem Boden aufweisen.

Noch im Mai 2014 wollte die Stiftung von dieser Lösung nichts wissen. «Wir verfolgen klar das Ziel, den Gasometer als bewegliche Maschine zugänglich zu machen», sagte Truogs Vorgänger Thomas Müller damals gegenüber der Limmattaler Zeitung. Nun zeigt sich: Nur der Abbruch ist eine Alternative: «Die Korrosionsprozesse müssen gestoppt werden, wenn der Gasometer erhalten bleiben soll», sagt Truog. Man habe sich entschieden, Offerten für ein Projekt einzuholen, das die Trockenlegung des Bauwerks vorsieht.

Was bedeutet er Schlieremern?

Mit dieser neusten Nachricht aus der Stiftung ist die Rettung des unter Denkmalschutz gestellten Bauwerks keineswegs unter Dach und Fach: «Wir rechnen mit relativ hohen Kosten. Ob der Kanton als Besitzerin des Gasometers das Projekt gutheissen wird, ist zur Zeit noch offen», sagt Truog weiter. «Die Kosten für die Minimalvariante eines Sanierungsprojekts mussten kontinuierlich nach oben korrigiert werden.»

Entscheidet sich der Kanton dagegen, hätte der Gasometer einen schweren Stand. Entweder würde er wohl zerfallen oder aus Sicherheitsgründen abgerissen. «Für uns wäre interessant zu erfahren, welche Bedeutung der Gasometer für die Bevölkerung Schlierens hat», so Truog. Denn auch dies sei ein Indikator dafür, wie mit dem Baudenkmal umgegangen werden sollte.

Sanierung komplexer als angenommen

2005 wurden die Sanierungsarbeiten am Bauwerk mit Jahrgang 1899 abgeschlossen und es wurde für zwei Jahre der Öffentlichkeit für Führungen zugänglich gemacht. Doch bereits 2007 entdeckte man, dass der Boden leckte und das Wasser – dieses wurde als Gasersatz zum Aufblasen des Speichers verwendet – entwich. Die Demonstrationen wurden eingestellt.

Im Frühling 2014 wurde ein erneuter Anlauf genommen, das Bauwerk zu sanieren. Doch zeigte sich bald, dass eine Sanierung komplexer als angenommen aussehen würde. So führe die Kombination von Feuchtigkeit und Erdwärme im Inneren des Gasometers dazu, dass sich auf den Metallteilen nicht nur Wasser, sondern auch Salzkristalle ablagern, erklärte der damalige Stiftungsratspräsident Müller. Dies war kein Problem, als der Gasometer noch in Betrieb war und sauerstoffarmes Gas beinhaltete. Doch nun müsse man eine Lösung dafür finden. Insgesamt gab der kantonale Denkmalschutz bereits sechs Millionen Franken für die Sanierung des Gasometers aus.

Speicher für einen Franken

Der Gasometer war nicht der einzige in Schlieren. Um 1900 wurden vier davon erstellt. Nach der Schliessung des Gaswerks im Jahr 1974 blieben sämtliche Bauwerke stehen. Erst im Jahr 2000 riss die Besitzerin des Areals, die Erdgas Zürich AG, drei der ehemaligen Gasspeicher ab. Der verbleibende Speicher wurde unter Denkmalschutz gestellt und dem Kanton für den symbolischen Betrag von einem Franken verkauft.

Zuletzt wurde der Gasometer Anfang November begehbar. Ein Zürcher Künstler richtete eine Installation im Bauwerk ein. «Solche Nutzungen können wir uns in naher Zukunft durchaus vorstellen», so Truog.