Weiningen
A1-Halbanschluss wird um 200 Meter verschoben

Der Bund verschiebt den A1-Halbanschluss um 200 Meter in Richtung Limmattaler Kreuz. Aber viele Weininger sind unzufrieden: Beim Lärmschutz fehlen Antworten und die Axpo beharrt auf oberirdischen Stromleitungen.

Sandro Zimmerli und David Egger
Drucken
Teilen
So sieht es künftig aus: Die A1 mit verschobenen Halbanschluss und der Tunnelportal-Überdeckung.

So sieht es künftig aus: Die A1 mit verschobenen Halbanschluss und der Tunnelportal-Überdeckung.

Visualisierung: Bundesamt für Strassen (Astra)

Die Katze ist aus dem Sack: Jetzt ist klar, wo der neue Halbanschluss Weiningen dereinst stehen wird. Lange hat die Gemeinde im Zuge der Planungen für den Ausbau der Nordumfahrung Zürich mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) über dessen künftigen Standort gestritten. Nachdem das Bundesgericht das Astra im Jahr 2014 dazu verpflichtet hatte, verschiedene Varianten für den Halbanschluss zu prüfen und gar dessen Aufhebung genauer unter die Lupe zu nehmen, konnte diesen Mai schliesslich ein Kompromiss erzielt werden. Am Dienstagabend wurde dieser von Vertretern des Astra und der Gemeinde an einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Gleichzeitig wurde auch über den Stand der Dinge bezüglich des Gestaltungsplans «Gubrist-
Areal» orientiert.

Gubrist-Areal: Höchstes Gebäude wird 20 Meter hoch

Wer auf der Zürcherstrasse von Unterengstringen nach Weiningen fährt, soll künftig zu seiner Linken nicht mehr die Grossäcker-Wiese, sondern vier Bauten sehen. Das sieht der Gestaltungsplan für das Gubrist-Areal vor. Das erste dieser Geäbude, an der Ecke Zürcher-/ Umfahrungsstrasse, wird den neuen Ortseingang bilden. Es darf fünf Vollgeschosse aufweisen und maximal 20 Meter hoch sein. «Ein ortsbaulicher Merkpunkt», sagte Ortsplaner Peter von Känel.

Die restlichen Gebäude auf dem gesamten Gestaltungsplanareal dürfen maximal 17,5 Meter hoch werden, mit drei Vollgeschossen und zwei Dachgeschossen über Bodenniveau. Die Grossäcker-Gebäude werden in einer Mischzone stehen, in der Wohnen und wenig störendes Gewerbe möglich ist. Wie viel von welchem, soll dann der Markt entscheiden. Denkbar ist zum Beispiel, dass im Erdgeschoss Ladenflächen entstehen.

Der Gestaltungsplan ist derzeit im Gemeindehaus und auf der Weininger Website einsehbar. Es sind Einwendungen möglich. Wie bei der Autobahn ist auch beim Grossäcker noch nicht abgeklärt, was in Sachen Lärmschutz nötig ist. Bis Ende Jahr soll es aber so weit sein. Die Gemeindeversammlung soll dann im Frühling über den Gestaltungsplan entscheiden, der neben dem Grossäcker wie schon heute eine Gewerbezone und dann eine Zone für öffentliche Bauten (zum Beispiel Feuerwehr), einen grünen Freiraum sowie einen Velo- und Fussgängerübergang am Ende des Gubrist-Deckels sowie eine hochwertige Bebauung bei der Nägelseestrasse vorsieht. Der 100 Meter lange Gubrist-Deckel wird ab 2020 gebaut, beginnend bei der dritten Röhre. (deg)

Der neue Halbanschluss wird gegenüber dem heutigen um rund 200 Meter Richtung Westen verschoben. Das ist weniger als die von Weiningen geforderten 600 Meter und entspricht einer Optimierung der vom Astra ursprünglich vorgesehenen Variante aus dem Jahr 2009. Diese sah eine Verschiebung des Halbanschlusses um rund 160 Meter vor. Seitens der Gemeinde kann man mit der nun gefundenen Lösung dennoch leben. «Es ist eine siedlungsverträgliche Variante. Wir haben das Optimum getroffen», sagte Gemeindepräsident Hanspeter Haug. Der Gemeinderat stehe dieser Variante positiv gegenüber.

Aufhebung kam nicht infrage

Für die nun vorliegende Lösung sprechen gegenüber dem von Weiningen favorisierten Vorschlag unter anderem auch gestalterische Gründe, wie Marco Knecht, Projektleiter für den Abschnitt Weiningen beim Astra, sagt. «Ein Halbanschluss beim Limmattaler Kreuz hätte das Landschaftsbild negativ beeinflusst», hielt Knecht fest. So hätte bei dieser Lösung die Autobahnausfahrt über die Umfahrungsstrasse geführt werden müssen. Das sei bei der nun gefundenen Variante nicht der Fall. Die Ausfahrt bleibe auf dem Niveau der Umfahrungsstrasse. Gegenüber der 2009 im Auflageprojekt festgeschriebenen Variante habe das überarbeitete Projekt den Vorteil, wesentlich weniger Land zu beanspruchen. Zudem füge es sich auch wesentlich besser in die Landschaft ein. Um den Halbanschluss zu realisieren, muss die Überführung Chlosterweg um rund 20 bis 30 Meter Richtung Westen verschoben werden. Nicht infrage kam die Aufhebung des Halbanschlusses. «Wir kamen zum Schluss, dass wir diesen Halbanschluss weiterhin haben müssen», sagte Knecht.

Während die Hauptarbeiten für den Ausbau der Nordumfahrung in Affoltern diesen Frühling begonnen haben, wird es auf der Weininger Seite noch etwas dauern. Laut Knecht ist vorgesehen, dass das Projekt für den Halbanschluss und die Portalüberdeckung im dritten Quartal 2017 öffentlich aufgelegt werden. Der Baubeginn sei für 2020 vorgesehen. Sobald der neue Halbanschluss realisiert ist, werde der bestehende zurückgebaut. Die Nordumfahrung soll 2025 komplett ausgebaut sein.

Der Halbanschluss gab zu diskutieren. Die Unzufriedenheit war vielen Weiningern anzumerken. Vor allem die 100-Meter-Überdeckung ist einigen zu wenig lang, obwohl die Gemeindeversammlung im Mai 2014 entschied, dass der Gemeinderat nicht länger für einen 270 Meter langen Deckel kämpfen soll. Auch der unterirdischen Einfahrt, die einst als Idee im Raum stand, die aber über 100 Millionen Franken gekostet hätte, trauern viele nach. Auch die Bürger, die sich wegen des Lärmschutzes erkundigten, waren gestern nicht zufrieden: Das Astra rechnet derzeit noch aus, wie viel Lärm überhaupt entsteht. Knecht versicherte, dass ein lärmarmer Belag eingebaut wird.

«Das ist reine Sturheit»

Wenig Verständnis gab es auch dafür, dass die Axpo die Hochspannungsleitungen nicht in den Boden verlegen will. Sie wird künftig vor den Schlafzimmern der Grossäcker-Überbauung verlaufen. «Das ist reine Sturheit, es wird durchgewürgt, bis es andere Vorschriften gibt», wertete Bauvorstand Hans-Peter Stöckl das Verhalten der Axpo.

Rechtsstreit: Der lange Weg zum Kompromiss

2001

Aus einer von der Baudirektion des Kantons Zürich in Auftrag gegebenen Studie zur Kapazitätserweiterung der Zürcher Nordumfahrung geht hervor, dass die dortigen Verkehrsprobleme nur durch einen Ausbau auf sechs Fahrspuren und den Bau einer dritten Röhre am Gubristtunnel gelöst werden können.

2002

Das Bundesamt für Strassen (Astra) stimmt der Erarbeitung eines Ausbauprojekts zu.

Dezember 2004

Im Rahmen der Vernehmlassung zum Ausbauprojekt der Nordumfahrung äussert die Gemeinde Weiningen den Wunsch nach einer Überdeckung der Autobahn beim westlichen Gubristportal.

2009

Das ausgearbeitete Projekt wird öffentlich aufgelegt. Die Gemeinde Weiningen legt Einspruch dagegen ein, weil ihr Wunsch nach einer Überdeckung des Tunnelportals nicht berücksichtigt wurde. Die Gemeinde liefert mit «Chance Gubrist» einen eigenen Vorschlag für einen 270 Meter langen Autobahndeckel. Unterstützung erhält Weiningen von den Zürcher Bundespolitikern Felix Gutzwiller und Ernst Schibli. Die beiden fordern in einer Motion, dass das Astra dem Wunsch nach einer Überdeckung nachkommt. Die Motion wird im Ständerat abgelehnt.

2011

Die Verkehrskommission des Nationalrats kann sich nicht auf einen Kompromiss zur «Chance Gubrist» einigen. Sie erarbeitet deshalb eine Motion. Diese wird an den Bundesrat überwiesen, der nun mit dem Kanton und der Gemeinde eine Kompromisslösung finden muss.

Februar 2012

Die Plangenehmigung für den Ausbau der Nordumfahrung wird erteilt, eine Überdeckung aber abgelehnt. Weiningen legt beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein.

Dezember 2012

Das Astra, Weiningen und der Kanton einigen sich auf eine 100 Meter lange Portalüberdeckung.

2014

Im Januar lehnt das Bundesverwaltungsgericht die Forderungen der Gemeinde Weiningen ab. Diese zieht mit ihrer Beschwerde vor Bundesgericht. Im Mai beschliesst die Weininger Gemeindeversammlung einen Teilrückzug der Bundesgerichtsbeschwerde. Man verabschiedet sich vom Wunsch eines 270-Meter-Deckels, an der Verschiebung des Halbanschlusses hält man aber fest. Im September verpflichtet das Bundesgericht das Astra dazu, eine mögliche Verschiebung des Anschlusses um rund 600 Meter in Richtung Limmattaler Kreuz und gar eine Aufhebung der Ein- und Ausfahrt zu prüfen. Nach den Entscheiden des Bundesverwaltungsgerichts und des Bundesgerichts unterzeichnen das Astra, der Kanton und Weiningen eine Absichtserklärung: Die 100 Meter lange Portalüberdeckung soll so gestaltet werden, dass sie sich ins Siedlungsgebiet einfügt.

September 2015

Das Astra darf die Bauarbeiten für die dritte Gubriströhre ausschreiben.

Juni 2016

Die Hauptarbeiten zum Ausbau der Nordumfahrung beginnen auf der Ostseite des Gubrists. (zim)