Die Katze ist aus dem Sack: Jetzt ist klar, wo der neue Halbanschluss Weiningen dereinst stehen wird. Lange hat die Gemeinde im Zuge der Planungen für den Ausbau der Nordumfahrung Zürich mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) über dessen künftigen Standort gestritten. Nachdem das Bundesgericht das Astra im Jahr 2014 dazu verpflichtet hatte, verschiedene Varianten für den Halbanschluss zu prüfen und gar dessen Aufhebung genauer unter die Lupe zu nehmen, konnte diesen Mai schliesslich ein Kompromiss erzielt werden. Am Dienstagabend wurde dieser von Vertretern des Astra und der Gemeinde an einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Gleichzeitig wurde auch über den Stand der Dinge bezüglich des Gestaltungsplans «Gubrist-
Areal» orientiert.

Der neue Halbanschluss wird gegenüber dem heutigen um rund 200 Meter Richtung Westen verschoben. Das ist weniger als die von Weiningen geforderten 600 Meter und entspricht einer Optimierung der vom Astra ursprünglich vorgesehenen Variante aus dem Jahr 2009. Diese sah eine Verschiebung des Halbanschlusses um rund 160 Meter vor. Seitens der Gemeinde kann man mit der nun gefundenen Lösung dennoch leben. «Es ist eine siedlungsverträgliche Variante. Wir haben das Optimum getroffen», sagte Gemeindepräsident Hanspeter Haug. Der Gemeinderat stehe dieser Variante positiv gegenüber.

Aufhebung kam nicht infrage

Für die nun vorliegende Lösung sprechen gegenüber dem von Weiningen favorisierten Vorschlag unter anderem auch gestalterische Gründe, wie Marco Knecht, Projektleiter für den Abschnitt Weiningen beim Astra, sagt. «Ein Halbanschluss beim Limmattaler Kreuz hätte das Landschaftsbild negativ beeinflusst», hielt Knecht fest. So hätte bei dieser Lösung die Autobahnausfahrt über die Umfahrungsstrasse geführt werden müssen. Das sei bei der nun gefundenen Variante nicht der Fall. Die Ausfahrt bleibe auf dem Niveau der Umfahrungsstrasse. Gegenüber der 2009 im Auflageprojekt festgeschriebenen Variante habe das überarbeitete Projekt den Vorteil, wesentlich weniger Land zu beanspruchen. Zudem füge es sich auch wesentlich besser in die Landschaft ein. Um den Halbanschluss zu realisieren, muss die Überführung Chlosterweg um rund 20 bis 30 Meter Richtung Westen verschoben werden. Nicht infrage kam die Aufhebung des Halbanschlusses. «Wir kamen zum Schluss, dass wir diesen Halbanschluss weiterhin haben müssen», sagte Knecht.

Gubrist: Das Nadelöhr der Nation

Während die Hauptarbeiten für den Ausbau der Nordumfahrung in Affoltern diesen Frühling begonnen haben, wird es auf der Weininger Seite noch etwas dauern. Laut Knecht ist vorgesehen, dass das Projekt für den Halbanschluss und die Portalüberdeckung im dritten Quartal 2017 öffentlich aufgelegt werden. Der Baubeginn sei für 2020 vorgesehen. Sobald der neue Halbanschluss realisiert ist, werde der bestehende zurückgebaut. Die Nordumfahrung soll 2025 komplett ausgebaut sein.

Der Halbanschluss gab zu diskutieren. Die Unzufriedenheit war vielen Weiningern anzumerken. Vor allem die 100-Meter-Überdeckung ist einigen zu wenig lang, obwohl die Gemeindeversammlung im Mai 2014 entschied, dass der Gemeinderat nicht länger für einen 270 Meter langen Deckel kämpfen soll. Auch der unterirdischen Einfahrt, die einst als Idee im Raum stand, die aber über 100 Millionen Franken gekostet hätte, trauern viele nach. Auch die Bürger, die sich wegen des Lärmschutzes erkundigten, waren gestern nicht zufrieden: Das Astra rechnet derzeit noch aus, wie viel Lärm überhaupt entsteht. Knecht versicherte, dass ein lärmarmer Belag eingebaut wird.

«Das ist reine Sturheit»

Wenig Verständnis gab es auch dafür, dass die Axpo die Hochspannungsleitungen nicht in den Boden verlegen will. Sie wird künftig vor den Schlafzimmern der Grossäcker-Überbauung verlaufen. «Das ist reine Sturheit, es wird durchgewürgt, bis es andere Vorschriften gibt», wertete Bauvorstand Hans-Peter Stöckl das Verhalten der Axpo.