«Ich bin nicht überrascht von euch, sondern schockiert», rief Willy Fäs am Sonntag in die Runde des voll besetzten Ortsmuseums in Dietikon. «Nie hätte ich gedacht, dass sich so viele Dietiker meinetwegen hier versammeln, die besser Bescheid über die Stadt wissen als ich. Falls es für jemanden langweilig werden sollte, dann schreit ‹aufhören!›», scherzte Fäs weiter. Ein schallendes Gelächter breitete sich in der wohligen Stube des Museums aus. Helene Arnet, Redaktorin beim «Tages-Anzeiger», führte das Publikum durch «Öises Dietike», ein einstündiges Gespräch, bei welchem ältere Dietiker über ihr Leben erzählen. Die Veranstaltung wurde vom Theaterverein Dietikon organisiert und findet zweimal im Jahr statt. Musikalisch begleiteten Arnets Sohn und die beiden Geschwistern der Journalistin, das Trio Trello, den Morgen.

Ein pitschnasser Kassier

«Herr Fäs war sechzehn Jahre lang Abwart im alten Stadthaus Dietikon», erzählte Arnet, die selber Dietikerin ist. «Aber darf man diesem Beruf heute noch so sagen? Heisst es nicht Raumpfleger oder Facility Manager?» Und wieder lachten die vorwiegend älteren Gäste an diesem Sonntagmorgen. Fäs wurde 1928 in Dietikon geboren und besuchte die obligatorische Schule bis zur achten Klasse. «Meine Intelligenz hat nicht gereicht, um die Sekundarschule zu s», gesteht er. Sechs Jahre lang arbeitete Fäs für die schweizerische Waggonfabrik in Schlieren und danach im Gaswerk der Stadt Zürich. Bei letzterer Arbeitsstelle lernte er seine Frau kennen, die im Restaurant des Unternehmens als Köchin arbeitete. «Nachts um zwei Uhr haben wir uns im Badehüsli getroffen», erinnerte sich Fäs. Die beiden sind heute Eltern eines Sohnes.

Durch einen ehemaligen Arbeitskollegen kam Fäs auf die Idee, sich bei der Swissair zu bewerben. «Mein Vater war davon ganz und gar nicht begeistert. Er verstand nicht, warum ich eine städtische Arbeitsstelle aufgeben wollte, um in einem Grossunternehmen tätig zu werden.» Fäs wurde bei der Fluggesellschaft Schichtführer und war für die Einteilung von rund zwanzig Personen zuständig. Die Arbeit gefiel dem Dietiker sehr, doch durch die Nachtschichten hatte er wenig Zeit für seine Familie. Aus diesem Grund bewarb er sich zusammen mit seiner Frau auf eine Stelle als Hauswartsehepaar im alten Stadthaus Dietikon.

Der damalige Stadtpräsident war Hans Frei, welcher sein Amt von 1970 bis 1990 innehatte. «Der Stapi war ein fürsorglicher Vorgesetzter – gab es ein Problem, war er immer sofort zur Stelle», betonte Fäs. Als Abwart hatte der Dietiker so manch kuriose Situationen erlebt. «Einmal war ein Rohr auf der Männer-Toilette defekt, welches ein Sanitär zur Reparatur abmontiert hatte. Daraufhin brachte ich einen Zettel an der Tür an, um die Besucher zu warnen. Offensichtlich war der Zettel aber nicht gross genug, denn als ein Kassier auf der defekten Toilette sein Geschäft verrichtete und die Spüle betätigte, hörte ich ein lautes Krachen. Als ich die Toilette betrat, stand ein pitschnasser Kassier vor mir. Sein Hemd war nicht mehr weiss.»

Seit zweieinhalb Jahren wohnt Fäs nun mit seiner Frau im Dietiker Altersheim Ruggacker. «Eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.» Er und seine Frau fühlen sich im Heim gut aufgehoben und umsorgt.

Die zahlreichen Besucher waren von den Anekdoten des Dietikers sehr angetan. Auch das Ehepaar Beatrice und Fredi Giger, die seit 1970 in Dietikon wohnen, fanden die Veranstaltung unterhaltsam. «Während des Apéros haben wir sogar einen Urdietiker kennen gelernt, der heute zum ersten Mal im Ortsmuseum war», erzählt Giger etwas ungläubig.