Von der Kirche, in der gestern dem 888-jährigen Bestehen des Klosters Fahr gedacht wurde, war 1130 noch nichts zu sehen. Damals schenkte Freiherr Lütold II. von Regensberg seinen Grundbesitz an der Limmat dem Kloster Einsiedeln, mit der Bedingung dort ein Frauenkloster zu bauen. Wohl aber existierten bereits damals eine Kapelle sowie weitere Gebäude im Fahr.

Das geht aus der auf den 22. Januar 1130 datierten Stiftungsurkunde hervor. Ansonsten ist die Quellenlage zu den Anfangsjahren des Klosters äusserst dünn. Sicher ist, dass die Schenkung 1136 durch Kaiser Lothar III. und 1161 durch Papst Victor IV. bestätigt wurde.
Allerdings dürfte es sich bei jenem Dokument, auf dem die Gründung des Klosters Fahr fusst, mit grösster Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung handeln, wie Helene Arnet aufgrund formaler und inhaltlicher Merkmale in ihrer Dissertation «Das Kloster Fahr im Mittelalter» nachweist.

Die Stiftungsurkunde wurde wohl einige Jahre später verfasst. Damit wollte das Kloster Einsiedeln vermutlich rückwirkend für klare rechtliche Verhältnisse sorgen. Dass die Schenkung 1130 durch Lütold II. von Regensberg, seiner Gemahlin Judenta und ihrem Sohn Lütold in Anwesenheit von Abt Wernher stattgefunden hat, daran wird unter Historikern hingegen nicht gezweifelt.

Auch eine Legende existiert

Gemäss Urkunde bezweckten die aufstrebenden Regensberger mit der Überschreibung ihrer Güter an Einsiedeln, ihrer Familie sowie ihren Vorfahren das Seelenheil zu sichern. Ob sie darüber hinaus auch politische Absichten verfolgten, ist nicht klar. Glaubt man dem Volksmund, dann könnte auch ein ganz anderer Grund zur Schenkung geführt haben. So soll der Sohn des Stifterehepaars an der Stelle, wo heute das Fahr liegt, in der Limmat ertrunken sein. Das zukünftige Kloster sollte deshalb seinem Andenken dienen.

Eine andere Geschichte wiederum besagt, dass die in der Stiftungsurkunde erwähnte St.-Niklaus-Kapelle, heute St.-Anna-Kapelle, sowie die Klosterkirche als Begräbnisstätte der Regensberger gedacht waren. Es dürfte sich bei diesen Erzählungen wohl um Legenden handeln, wurden sie doch erst im 19. Jahrhundert erstmals schriftlich festgehalten.

Jedenfalls hatte die Stifterfamilie genaue Vorstellungen vom Kloster, das an der Limmat erstellt werden sollte. Als Vorbild wurden die bereits bestehenden Klöster Muri und Berau im Schwarzwald genannt. Die ersten Klosterfrauen im Fahr dürften denn auch aus Berau gekommen sein.

Mühseliger Aufbau

Der Aufbau des Klosters war mühselig und nahm einige Jahre in Anspruch. So konnte auch sechs Jahre nach der Schenkung, als die Kaiserurkunde verfasst wurde, noch nicht von einem funktionierenden Klosterleben gesprochen werden. Das lag unter anderem an den wirtschaftlichen Bedingungen. Zwar umfasste die Schenkung der Regensberger auch Reben und Wald, zur Finanzierung eines Kleinklosters reichte dies jedoch nicht aus. Zudem schien man in Einsiedeln aufgrund von Personalmangel anfänglich noch wenig interessiert am Aufbau eines Frauenklosters an der Limmat.

Die finanzielle Lage verbesserte sich erst, als dem Kloster Fahr einige Jahre später die Kirche Weiningen überschrieben wurde und die Schwestern so zu einer wichtigen Einnahmequelle kamen. Ein Akt, der 1224 vom päpstlichen Legat in Zürich bestätigt wurde.

Spätestens ab 1243 dürfte die Organisation des Klosters Fahr ausgebaut gewesen sein. Ab dann verfügte es also über einen Schwesternkonvent mit einer Vorsteherin – zuerst Meisterin, nach der Reformation Priorin genannt – sowie einen Propst, dem die gesamte Ökonomie unterstellt war. Bis heute gehört das Fahr zum Kloster Einsiedeln.