Limmattal

83 Prozent können nach einer Panne weiterfahren

Tobias Rauber war früher selbst als Patrouilleur unterwegs.

Im Sommer und im Winter erleiden Automobilisten am meisten Pannen. Dabei hat das Wetter einen grossen Einfluss.

Rund 35 Minuten müssen Limmattalerinnen und Limmattaler im Schnitt warten, wenn sie wegen einer Fahrzeugpanne den Touring Club Schweiz (TCS) um Hilfe rufen. Die Bearbeitung einer Panne dauert durchschnittlich zehn Minuten und 83 Prozent der Betroffenen können anschliessend weiterfahren.

Seit der Eröffnung des TCS-Mobilitätszentrums im Herbst 2015 arbeiten die zwölf in Schlieren stationierten Patrouilleure auf dem Wagi-Areal mit den Fahrzeugexperten unter einem Dach. Etwa 17'000 Pannen bewältigten sie insgesamt im vergangenen Jahr. Schlieren ist neben Volketswil und Neftenbach einer der drei Standorte der TCS-Patrouille im Kanton Zürich. Von hier aus decken die Pannenhelfer ein Gebiet ab, das sich neben dem Limmattal und der Stadt Zürich auch nach Süden ins Säuliamt und ins Sihltal erstreckt und im Norden einen Zipfel des Furttals umfasst.

Verantwortlich für die Pannenhelfer in Schlieren und Volketswil ist seit drei Monaten Tobias Rauber, Bereichsleiter Zürich Patrouille TCS. Zuvor war er in gleicher Position ein Jahr in der Ostschweiz aktiv. Als ehemaliger Patrouilleur kennt er ihren Arbeitsalltag gut. Als er beim TCS als Patrouilleur einstieg, war dies eigentlich nur als Nebenjob zu seinem Medizinstudium gedacht. Doch der Arbeitsalltag und das Umfeld gefielen ihm so gut, dass er umsattelte.

«Wir wollen kein Abschleppdienst sein», sagt Rauber. Damit möglichst viele von Pannen betroffene Lenker weiterfahren können, brauche es kompetente Mechaniker. Deshalb absolvierten alle TCS-Patrouilleure die Weiterbildung zum «Strassenhelfer», die neben technischen Vertiefungen medizinisches Wissen und die Sicherung des Pannenorts beinhaltet. Auch menschliche Fähigkeiten werden trainiert. «Die Autoreparatur ist die Voraussetzung. Der Umgang mit Menschen ist die Kür», sagt der 33-Jährige.

Vor Ort treffen die Patrouilleure fast immer auf Menschen, die wegen einer Panne aus ihrem Alltag gerissen wurden. Deshalb sei es wichtig, dass sie im Kontakt mit Kunden Einfühlungsvermögen zeigen, gut zuhören und Ruhe ausstrahlen, so Rauber. Aber auch Durchsetzungsvermögen ist nötig, wenn es bei einer Panne auf der Autobahn um die Sicherheit der Autoinsassen geht oder eine Mutter sich versehentlich ausgeschlossen hat und ihr Kleinkind im Auto schreit. «Da muss man die Mutter beruhigen und daneben möglichst effizient das Auto wieder öffnen», sagt Rauber.

Dankesschreiben an der Bürotür steigern die Motivation

Um seinen Ruf müsse sich der TCS keine Sorgen machen, alle Zufriedenheitsumfragen fallen stets positiv aus. «Natürlich sind wir in der privilegierten Lage, dass unsere Kunden auf Hilfe angewiesen sind und somit meist schon beim Eintreffen des Pannenhelfers eine gewisse Erleichterung eintritt», sagt Rauber. Auf seiner Bürotür kleben einige ausgedruckte Dankesschreiben mit überschwänglichem Lob. Das sei eine schöne Motivation. «Jeder unser Patrouilleure hat das Helfersyndrom», ergänzt er.

In den letzten Jahren hat der TCS in der Region leicht rückläufige Pannenzahlen registriert. Dezember und Januar sowie die Sommermonate schlagen typischerweise nach oben aus. Im Winter stünden besonders viele Batteriepannen an. «In der Kälte gehen typischerweise altersschwache Batterien kaputt», erklärt Rauber. Im Sommer dagegen kämpfe man häufiger mit überhitzten Motoren.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Wetter. Genaue Vergleichszahlen veröffentlicht der TCS zwar nicht. Aber im kalten Januar vor dreieinhalb Jahren rückten die Patrouilleure rund ein Drittel häufiger aus als im vergangenen Januar, sagt Rauber. Analog dazu hat der Hitzesommer 2018 den Patrouilleuren auch mehr Arbeit beschert. Im Hochsommer sei er mal zu einem überhitzten Motor im Stau am Gubrist gerufen worden und traf vor Ort gleich zwei weitere Pannenhelfer an, die mit dem gleichen Problem beschäftigt waren.

«Viele Teile gehen immer noch gleich kaputt wie früher»

Obwohl Autos komplexer geworden sind: «Viele Teile gehen immer noch gleich kaputt wie früher», sagt Rauber. Die häufigsten Pannenarten wie Platten, eingesperrte Schlüssel, Falschtanken und leere Batterien treten auch bei modernen Autos auf. Bei Problemen mit der Elektronik können die Patrouilleure bei der Lösungssuche auf moderne Diagnosegeräte zurückgreifen. Statistisch fallen Elektronikpannen laut Rauber nicht ins Gewicht.

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