Das Drama ereignete sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Spital Affoltern am Albis: Kurz nach Mitternacht hörte Pflegepersonal im Zimmer einer 83-jährigen Patientin Schüsse. Als das Personal nachsah, fand es die Patientin mit einer Schussverletzung im Bett liegend. Am Boden daneben lag, ebenfalls mit einer Schussverletzung, ihr gleichaltriger Ehemann, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Beide erlagen ihren Verletzungen.

Die Polizei geht davon aus, dass die 83-jährige Rentnerin einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist. «Der mutmassliche Täter, ihr Ehemann, richtete sich selbst», schreibt sie in ihrer Medienmitteilung. Der genaue Sachverhalt und das Motiv werde nun durch die Kantonspolizei Zürich, die Staatsanwaltschaft IV sowie das Forensische Institut Zürich untersucht.

Nähere Angaben – etwa zum Gesundheitszustand der Frau kurz vor ihrem Tod, zur Tatwaffe und zum Todeszeitpunkt – wollte die Kantonspolizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen nicht machen, wie ein Polizeisprecher sagte. Ebensowenig konnte er sagen, wie häufig oder selten Tötungsdelikte in Spitälern sind.

Aktive Sterbehilfe kommt gelegentlich vor

Nach Einschätzung der kantonalen Gesundheitsdirektion sind solche Delikte «äusserst selten», so Direktionssprecher Daniel Winter. Erika Ziltener, seit 2001 Geschäftsleiterin der Patientenstelle Zürich, teilt diese Einschätzung. Zum aktuellen Fall kann und will sie sich aus verständlichen Gründen nicht äussern. Was aber bisweilen vorkomme, sei aktive Sterbehilfe, mit der Angehörige eines Patienten diesem im gegenseitigen Einvernehmen längeres Leiden ersparen. «Ich kenne zwei solche Fälle», sagt Ziltener. Einer davon habe sich vor Jahren in einem Zürcher Spital abgespielt. In beiden Fällen sei der Patient eine medizinische Fachperson gewesen. Die Tötung sei durch Medikamente erfolgt.

Aktive Sterbehilfe ist in der Schweiz verboten. Dennoch ist sie nach Meinung von Ziltener unter bestimmten Umständen nachvollziehbar und letztlich auch tolerierbar, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. «Wir wundern uns manchmal und sind auch beeindruckt, wie die Leute hoffnungslose Diagnosen aushalten», so die Leiterin der Patientenstelle, die während einem Vierteljahrhundert in Spitälern gearbeitet hat.

«Auch wenn es selten vorkommt, Tötungsdelikte im Spital sind für das Spitalpersonal auf jeden Fall immer sehr belastend», fügt sie an.

Todesdrohungen im Unispital

Konfliktträchtige Situationen sind in Spitälern keine Seltenheit. Um schweren Gewalttaten vorzubeugen, hat das Universitätsspital Zürich (USZ) deshalb im Jahr 2014 ein Bedrohungsmanagement eingeführt. Seither gab es rund 60 Fälle, in denen das Bedrohungsmanagement-Team aktiv wurde, wie das USZ in einer Mitteilung anlässlich der Zertifizierung des Bedrohungsmanagements Ende Februar 2017 schrieb.

«Es gab auch schwere Fälle von Todesdrohungen, Suizidankündigungen oder Stalking», heisst es in der USZ-Mitteilung weiter. Bei den meisten Fällen habe es sich aber um leichtere verbale Übergriffe gehandelt. Zu einem Tötungsdelikt ist es in den letzten Jahren nach aktuellem Kenntnisstand weder am USZ, noch am Zürcher Stadtspital Triemli, noch am Spital Limmattal gekommen, wie die jeweiligen Spitalsprecher auf Anfrage sagten.