Traditionsanlass
80. Niklausschwinget in Dietikon: Es warten starke Gäste

Am 80. Niklausschwinget in Dietikon bekommen es die heimischen Schwinger mit harter Konkurrenz zu tun.

Sandro Zimmerli
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Von den Schwingern des Schwingklubs Glatt- und Limmattal ist Thomas Kammermann (oben) aussichtsreichste Kandidat für eine gute Platzierung.

Von den Schwingern des Schwingklubs Glatt- und Limmattal ist Thomas Kammermann (oben) aussichtsreichste Kandidat für eine gute Platzierung.

Bruno auf der Maur

Nach 1:22 Minuten war der Schlussgang bereits Geschichte und Armon Orlik Sieger des Niklausschwinget 2016. Der Bündner, zum Schwinger des Jahres gekürt, war der Publikumsmagnet in der Dietiker Stadthalle. Dieses Jahr fehlt ein solches Kaliber. Dennoch ist das rund 110 Schwinger umfassende Teilnehmerfeld für die 80. Ausgabe des Traditionsanlasses wieder stark besetzt.

Vor allem die 30 Gästeschwinger aus dem Bernbiet (10 Teilnehmer), der Innerschweiz (10) und der Nordwestschweiz (10) werden nächsten Samstag mit schlagkräftigen Delegationen in Dietikon vertreten sein. Die grössten Chancen auf den Tagessieg werden den Nordwestschweizern eingeräumt, die von den beiden Eidgenossen Nick Alpiger und Patrick Räbmatter angeführt werden. Letzterer schwang vor zwei Jahren schon einmal obenaus in der Stadthalle.

Der organisierende Schwingklub Glatt- und Limmattal ist mit sechs Schwingern am Start. Die grössten Chancen auf eine gute Platzierung hat der Kranzschwinger Thomas Kammermann aus Dübendorf. Unterstützt wird er von Luca Pallaoro aus Oberengstringen, Andreas Negri aus Adliswil, Philip Dittli aus Geroldswil, Valentin Fischer aus Urdorf und Daniel Wettstein aus Zürich.

Doppelt gefordert

Für Kammermann wird die diesjährige Ausgabe des Niklausschwinget eine besondere. Als Technischer Leiter der Glatt- und Limmattaler wird er neben den eigenen Einsätzen auch noch als Coach wirken. Ein besonderes Augenmerk gilt dann dem Urdorfer Valentin Fischer, der sein erstes Fest überhaupt bestreiten wird. «Für ihn wird es speziell sein, zum ersten Mal die Wettkampfatmosphäre zu spüren und vor Publikum zu schwingen. Daran muss man sich zuerst gewöhnen», sagt Kammermann.

Er selber hatte 2016 eine Auszeichnung verpasst. «Das will ich dieses Mal besser machen und einen guten Wettkampf zum Ende der Saison abliefern», sagt er. Druck, es vor heimischem Publikum besonders gut zu machen, verspürt er keinen. «Natürlich sitzen im Publikum viele bekannte Gesichter, das ist eine spezielle Motivation. Den Druck macht man sich im Endeffekt aber selber», so Kammermann.

Einer, den die vielen Bekannten unter den Festbesuchern nie nervös gemacht hatten, ist der Eidgenössische Kranzschwinger Christian Vogel aus Bergdietikon. Gleich vier Mal konnte er sich in den 1990er-Jahren in die Siegerliste des Niklausschwinget eintragen. «Im Winter gibt es nicht viele Schwingfeste. Das Niklausschwinget war für mich immer ein gutes Wettkampftraining», sagt er. Leider würden das heute zu wenige Schwinger auch so sehen. «Ein Wettkampf bringt immer mehr, als das Training im Schwingkeller», ist er überzeugt.

Illustre Siegerliste

Vogel gehört mit seinen Erfolgen zum illustren Kreis der Mehrfachsieger am Niklausschwinget. Gleich neun Mal in Folge schwang Walter Flach zwischen 1948 und 1956 obenaus. Je sieben Siege stehen auf den Konten von Karl Oberholzer und Karl Meli, einem der erfolgreichsten Schwinger überhaupt. Auch die Schwingerkönige Arnold Ehrensberger (2 Siege), Ernst Schläpfer (4 Siege) und Arnold Forrer (2 Siege) triumphierten bereits in Dietikon. Die Liste zeigt den hohen Stellenwert, den das Niklausschwinget – neben dem Berchtoldschwinget in Zürich das traditionsreichste Hallenschwingfest – bis heute geniesst.

Allerdings ist es mittlerweile nicht mehr so einfach, Spitzenschwinger nach Dietikon zu lotsen. «Viele Spitzenschwinger stellen Anfang Saison einen Wettkampfplan auf und halten daran fest. Zudem sind in den letzten Jahren auch Sponsoren-Termine hinzugekommen. Heute muss man einen Spitzenschwinger fast schon persönlich kennen, um ihn nach Dietikon holen zu können», sagt Christian Vogels Vater Ruedi, der das Niklausschwinget 1975 selber gewann und später jahrelang als OK-Präsident wirkte.

Das bestätigt auch der heutige OK-Präsident Hanspeter Haug. «Man muss gute Kontakte haben, um Spitzenschwinger engagieren zu können. Viele haben ihre Saison bereits beendet und wollen nach einem Trainingsunterbruch nicht nochmals an einem Wettkampf teilnehmen», sagt er. Doch nicht nur Spitzenschwinger von ausserhalb sondern auch einheimische würden das Publikum anlocken. Das habe man zu Zeiten von Ruedi und Christian Vogel beobachten können. Derzeit sei man allerdings im Schwingklub Glatt- und Limmattal noch nicht soweit.

Zufrieden mit dem Teilnehmerfeld

Dennoch zeigt sich Haug zufrieden mit dem Teilnehmerfeld. «Aus dem Bernbiet und der Nordwestschweiz kommen viele starke Schwinger, die auch Besucher mitbringen», sagt er. Zufrieden ist er auch mit den Räumlichkeiten in Dietikon. «In der Halle herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Darauf freue ich mich auch dieses Jahr», so Haug. Zudem scheine es sich bewährt zu haben, dass man den Anlass seit 2015 an einem Samstag und nicht mehr am Sonntag durchführe.

Trotz spezieller Stimmung unter dem Hallendach: nicht jedem Schwinger liegt das Indoor-Schwingen gleich gut. Der Bergdietiker Jodok Huber, der aktuell im OK für die Gaben verantwortlich ist, hat nie gerne in der Halle geschwungen. «Im Winter ist der Körper eher im Regenerations- als im Wettkampfmodus», sagt er. Als Mitglied des Schwingklubs Glatt- und Limmattal war er jedoch immer am Niklausschwinget dabei. «Das ist Ehrensache.»

Niklausschwinget

Die 80. Ausgabe des Traditionsanlasses findet am Samstag, 2. Dezember in der Stadthalle Dietikon statt. Die Wettkämpfe beginnen um 14 Uhr. Der Schlussgang ist für 20.30 Uhr vorgesehen. Für den gemütlichen Teil werden die Stadtjodler Dietikon und das Schwyzerörgeli-Trio Echo vom Furttal besorgt sein. Bahnreisenden steht ab Mittag ein kostenloser Shuttlebus ab Bahnhof Dietikon zur Verfügung.