Urdorf

70 000 Franken für ein paar Sekunden freie Fahrt

Statt zwei Busbuchten oder keiner gibt es jetzt einen Kompromiss: eine Busbucht für 70'000 Franken Mehrkosten.

Der Kantonsrat hat entschieden: Beim Rückbau der Feldstrasse in Urdorf wird es auf einer Seite eine Busbucht geben.

70 000 Franken Mehrkosten für ein paar Sekunden freie Fahrt hat der Kantonsrat am Montag bewilligt. Es ging um die Umgestaltung der Birmensdorfer- und der Feldstrasse in Urdorf. Der Streit drehte sich darum, ob an der Haltestelle Neumattstrasse wie heute auch künftig die Busstopps auf der Strasse stattfinden sollen — oder ob dafür eigens Busbuchten am Strassenrand eingerichtet werden, in die der Bus beim Anhalten einbiegen könnte.
Die SVP forderte auf beiden Strassenseiten Busbuchten, damit der Autoverkehr möglichst wenig behindert würde. Der Zürcher Regierungsrat hingegen wollte gar keine Busbuchten. Die Fachleute vom kantonalen Tiefbauamt halten diese für unnötig, ebenso die Gemeinde Urdorf. Schliesslich hält der Bus nur zweimal pro Stunde, und zwar für durchschnittlich gut zehn Sekunden.

Busbuchten auf beiden Seiten gefordert
Doch Pierre Dalcher (SVP, Schlieren) war auch dies zu viel: «Der motorisierte Individualverkehr und der Veloverkehr wird durch den Bus blockiert», meinte er. Bisher habe man den Bus auf der Doppelspur elegant umfahren können. Doch nun ist als Folge der Entlastung Urdorfs durch die Westumfahrung Strassenrückbau angesagt: Die einst als Autobahnzubringer erstellte Feldstrasse wird von vier auf zwei Spuren redimensioniert. Wer künftig hinter dem anhaltenden Bus fährt, muss ohne Busbucht einen kurzen Stopp einlegen.

Dalcher forderte, das Projekt des Regierungsrats zurückzuweisen und zu überarbeiten. Es brauche Busbuchten beidseits der Strasse. Sein Antrag blieb jedoch chancenlos, weil die FDP mit den Mitte-links-Parteien dagegen stimmte.

Hauchdünn angenommen
Als ganz knapp mehrheitsfähig erwies sich jedoch der Kompromissvorschlag, den die kantonsrätliche Kommission für Planung und Bau vorgelegt hatte: Er sieht vor, dass nur auf der nördlichen Fahrbahnseite in Richtung Endstation Weihermatt eine Busbucht gebaut wird. Nachdem die Forderung der SVP abgeschmettert war, stimmten 82 Kantonsratsmitglieder der SVP, FDP und EDU für diesen Kompromiss, während die 81 übrigen Anwesenden dagegen waren. Die nun fällige Kredittranche des Kantons erhöht sich dadurch um 70 000 auf 4,01 Millionen Franken.

Die FDP stimmte dem Kompromiss vor allem zu, um das Projekt nicht weiter zu verzögern, wie ihr Sprecher Christian Müller (FDP, Steinmaur) sagte. Die Urdorfer Stimmberechtigten hatten bereits 2009 den Gemeindebeitrag für den Umbau von Feld- und Birmensdorferstrasse gutgeheissen. Mitte-Links hielt dagegen: «Der Bau der Busbucht ist unsinnig und unnötig. Da wird Geld zum Fenster hinausgeworfen», sagte Sonja Gehrig (GLP, Urdorf). Sie erinnerte daran, dass alle Urdorfer Ortsparteien hinter dem regierungsrätlichen Vorschlag ohne Busbuchten stünden. Zudem würden diese die Sicherheit der Schulkinder gefährden, die die Feldstrasse überqueren müssen, da die Autos neben dem in einer Bucht haltenden Bus weiterfahren können.

Nicht im Interesse der Landeigentümer
Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) lehnte die Busbucht mit Verweis auf das schlechte Kosten-Nutzen-Verhältnis ab. Zudem widerspreche es den Interessen der Landeigentümer, dass dafür nun Land reserviert werden muss, so Wiederkehr.

Das Projekt der Umgestaltung der Birmensdorfer- und Feldstrasse in Urdorf hat bereits begonnen. Nach der nun erfolgten Kreditfreigabe des Kantonsrats kann es fortgesetzt werden. Dazu gehören nebst der Redimensionierung der Feldstrasse der Neubau des Kreisels, der behindertengerechte Ausbau der Bushaltestellen, Anpassungen an der Strassenbeleuchtung und -entwässerung sowie die Sanierung des Fahrbahnbelags. Der Kanton rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

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