Dietikon

65 bewegte Jahre: Eugen und Nelly Blocher feiern ihre eiserne Hochzeit

Eugen und Nelly Blocher haben vor 65 Jahren, am 14. März 1953, geheiratet. In diesem Jahr feiern sie ihre eiserne Hochzeit. Zusammen haben sie viel Freud und Leid erlebt.

In der Dietiker Pflege-Wohngemeinschaft an der Oberdorfstrasse fand diese Woche ein ganz besonderer Zvieri statt: Denn Eugen und Nelly Blocher feierten bei Kaffee und Kuchen ihre eiserne Hochzeit. Das Ja-Wort gaben sie sich vor 65 Jahren. Eine Zahl wie aus einer anderen Zeit. Aber Nelly Blocher ist überzeugt: «Viele könnten eine Ehe wie die unsere führen, wenn sie sich Mühe geben würden und Ausdauer hätten.» Eugen Blocher ergänzt: «Man muss Rücksicht nehmen, Verständnis und Achtung fürs andere haben und anständig sein.» Die wichtigste Zutat in diesem Geheimrezept ist aber natürlich die Liebe.

Die begann bei Blochers, als sie 17 und er 21 war: Damals begegneten sie sich erstmals in einem Jugendlager der Pro Juventute auf der Rigi. Nach und nach lernten sich die beiden näher kennen. «Ich hätte keinen anderen genommen», sagt die heute 87-jährige Nelly Blocher, die unter anderem die Bündner Frauenfachschule absolviert und später als Schneiderin in Luzern gearbeitet hat. «Ich dachte mir, die kann was und die ist was, das hat mich inspiriert», sagt Eugen Blocher.

Er selber arbeitete schon ab der Lehre als Dreher bei der Schlieremer Wagonsfabrik, wo er dann ein ums andere Mal befördert wurde: vom Dreher zum Kontrolleur, zum Meister und schliesslich zum Vizedirektor. «Nur mit Freude und Eifer kommt man vorwärts», sagt der heute 91-Jährige über sein Karriererezept. Als dann in den 1980er-Jahren das Ende der weltbekannten Wagi immer näher kam, erhielt Blocher einen Anruf seines ehemaligen Lehrlings, der ihm eine neue Stelle anbot. Das Problem war gelöst.

Die Religion gewechselt

Bevor er seine Nelly aber heiraten konnte, gab es noch die Sache mit der Religion zu klären. Denn Eugen Blocher aus Schlieren war reformiert. Nicht aber seine Angebetete, eine katholische Ur-Dietikerin, ledige Bachmann, mit Dietiker Stammbaum bis ins Jahr 1600 zurück. «Ich habe mich dann konfirmieren lassen. Reformiert werden ist einfacher als katholisch werden», sagt Nelly Blocher heute.

So wie sie nicht mit dem Dietiker SVP-Stadtrat Roger Bachmann verwandt ist, ist auch ihr Mann nicht mit alt SVP-Bundesrat Christoph Blocher verwandt. «Christoph Blocher und mein Cousin Ruedi Blocher haben sich aber im Offizierskader der Armee kennen gelernt. Christoph Blocher hat viel von ihm profitiert», sagt Eugen Blocher.

Die Dietiker Blochers sind keine SVP-, sondern eine SP-Familie. Nelly Blochers Pflegevater Heinrich Tanner politisierte für die SP im Dietiker Gemeinderat. Und Eugen Blocher, ebenfalls SPler, engagierte sich in Dietikon ein paar Jahre lang in der Schulpflege und ganze 15 Jahre im Wahlbüro. Angesichts dieses Engagements wurde aus dem Schlieremer ein Dietiker. Blocher hat sogar das Ehrenbürgerrecht erhalten. Eine politische Begebenheit ist ihm noch besonders in Erinnerung geblieben. Das war 2006, als der Lehrer Otto Müller (FDP) als Stadtpräsident kandidierte. «Am letzten Schultag vor der Wahl habe ich ihn beim Schulhaus Luberzen angetroffen und gesagt, er werde neuer Stadtpräsident», erinnert sich Eugen Blocher.

Pfingsten an der Bernstrasse

Das Luberzen befindet sich in der Nähe des Hauses im Quartier Schönenwerd, in dem Blochers mehr als ein halbes Jahrhundert lang gelebt hatten, Es lag an der Bernstrasse und es gab damals noch keine Autobahn. Eugen Blocher mag sich gut erinnern, wie es damals war ohne die heutige Lärmschutzwand: «An Pfingsten war immer viel Verkehr auf der Bernstrasse, weil dann viel Volk nach Bern fuhr an den Fussball-Cup-Final.»

Als das Haus dann später zu gross wurde, zügelten die beiden in eine Wohnung. Und noch später in die Altersresidenz Ruggacker. Der Start dort verlief harzig. Als Nelly Blocher sich erstmals den Keller des Ruggackers ansehen wollte, stürzte sie dort über eine Schwelle und landete für eine ganze Weile im Spital. Um nicht zu lange ohne seine Frau zu sein, konnte Eugen Blocher kurzerhand für eine Weile im Pflegezentrum des Spitals Limmattal unterkommen. Während dieser Zeit kümmerten sich andere um die Züglete. Für Nelly Blocher war das nicht nur wegen der Verletzung eine sehr schwere Zeit. Sie litt darunter, dass sie die Auflösung ihres Haushalts nicht persönlich begleiten konnte: «Das wünsche ich keiner Frau, dass sie so plötzlich ihren Haushalt verliert.»

Später konnten die beiden dann doch noch die Zeit im Ruggacker geniessen – bis die Gesundheit von Eugen Blocher dies nicht mehr zuliess und die beiden in die Pflege-Wohngemeinschaft an der Oberdorfstrasse zogen, wo sie ein gemeinsames Zimmer haben und auch im hohen Alter die Zeit miteinander verbringen.

«Es ist verrückt, wenn die Kinder vorher sterben»

Schliesslich haben die beiden gemeinsam viel durchgemacht. Sie haben ihre beiden Söhne und die Tochter überlebt, die schweren Krankheiten erlegen sind. «Es ist verrückt, wenn die Kinder vorher sterben. Man hört ja davon, aber wenn man es selber erlebt, ist es schon etwas anderes», sagt Nelly Blocher, «und gerade mit 80 bräuchte man doch seine Kinder.» Aber die Blochers halten zusammen und waren schon als Kinder stark. Denn Eugen Blocher ist als Halbwaise aufgewachsen und Nelly Blocher als Vollwaise.

Heute ist Eugen Blocher nicht mehr gut zu Fuss. Nelly Blocher hingegen geht noch ab und an ins Zentrum. Etwas einkaufen, ein Kaffee; das bringt Abwechslung. Und wenn sich ihr Hochzeitstag jährt, sitzen sie jeweils beim Zvieri und denken zurück an den grossen Tag. Nach der kirchlichen Trauung ging es zuerst ins damalige Schlieremer Hotel Bahnhof und dann mit dem Car zur «Seerose» am Hallwilersee. Es sind schöne Erinnerungen, auch 65 Jahre danach.

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