Bis jetzt war wenig darüber bekannt, was sich im Oktober 2017 in einer Wohnung an der Glärnischstrasse in Adliswil abgespielt hat. Klar war, dass eine Frau gestorben ist und die Staatsanwaltschaft ihren Mitbewohner und Lebenspartner beschuldigt, sie getötet zu haben. Der 62-Jährige beteuert bis heute, nicht für den Tod der Frau verantwortlich gewesen zu sein.

Die Anklageschrift, die dieser Zeitung vorliegt, zeigt, was sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft abgespielt hat. Und das ist schwere Kost. Demnach kam der Beschuldigte am Abend des 30. Oktober nach Hause. Er fand seine Mitbewohnerin auf dem Wohnzimmerboden in ihrem eigenen Kot liegend vor. Danach hat der Mann gemäss Anklage das Opfer massiv angegriffen. Warum genau er das getan haben soll, geht aus der Anklageschrift nicht hervor.

Es ist also unklar, ob es zum Streit gekommen war. Laut Nachbarn hätten die beiden immer wieder gestritten. Die 64-Jährige hatte einer Nachbarin auch anvertraut, dass ihr Partner sie schlägt. Die Liste der Verletzungen, die die Frau an diesem Tag erlitt, ist lang. Unter anderem wurden ihr mehrere Rippen gebrochen, sie zog sich Dutzende Blutungen zu, und das Nasenbein sowie das rechte Schlüsselbein waren
gebrochen. All diese Verletzungen wurden durch «massive körperliche Gewalt» zugefügt.

So schlimm die Verletzungen waren, gestorben ist die 64-Jährige nicht daran. Am nächsten Tag, der genaue Zeitpunkt ist offen, soll der Beschuldigte seine Partnerin stranguliert haben. Dies habe er getan, indem er sie mit blossen Händen erwürgte oder mit einem weichen Gegenstand erdrosselte. Sie starb an einer zentralen Atemlähmung.

15 Jahre Freiheitsstrafe gefordert

Dass die Frau auf diese Weise getötet wurde, zeigen diverse Verletzungen. Etwa ein zweifacher Bruch des linken Kehlkopfoberhornes oder Stauungsblutungen der Augenbindehäute und des linken Trommelfelles. Erst einen Tag später hat der Beschuldigte die Polizei gerufen.

Aufgrund der Taten fordert der Staatsanwalt eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und eventualiter wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Der 62-Jährige soll zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt werden.

Der Beschuldigte bestreitet die Taten. Im November 2018 bewilligte das Zwangsmassnahmengericht sein Gesuch um Haftentlassung. Die nächsten Instanzen, Obergericht und Bundesgericht, entschieden aber, dass er in Haft bleiben müsse. Er sei schon früher durch Gewaltausbrüche aufgefallen. Vor allem unter Alkoholeinfluss könne es zu Gewalttaten kommen.

Der Prozess findet im Juli am Bezirksgericht Horgen statt.