Bahn-Ausbau 2030/2035
49 Millionen Franken: Preis für S-Bahn-Haltestelle Silbern Dietikon steht fest

So steht es im Milliarden-Investitionsplan des Bundes um das Limmattal: Der Bund weiss noch nicht, wann die Station Silbern gebaut werden soll. Auch der Mega-Tunnel Zürich-Aarau wird auf die lange Bank geschoben. Aber ab 2030 sollen mehr Güterzüge im Limmattal verkehren.

David Egger
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So stellte man sich den Bereich um die S-Bahn-Station Dietikon Silbern in einer Vision vor rund zehn Jahren vor. Doch wann wird sie endlich gebaut? Der Ball liegt jetzt beim Bundesrat.

So stellte man sich den Bereich um die S-Bahn-Station Dietikon Silbern in einer Vision vor rund zehn Jahren vor. Doch wann wird sie endlich gebaut? Der Ball liegt jetzt beim Bundesrat.

ZVG/ARCHIV

Die Zahl war bisher unbekannt: 49 Millionen Franken sind nötig, um die S-Bahn-Haltestelle Dietikon Silbern zu bauen. So hält es das Bundesamt für Verkehr (BAV) im erläuternden Bericht zum Bahn-Ausbauschritt 2030/2035 fest, zu dem letzte Woche die Vernehmlassung startete. Der Bundesrat und die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion bevorzugen die 11,5-Milliarden-Franken-Variante per 2035. Das Parlament in Bern könnte sich aber auch für die kleinere 7-Milliarden-Franken-Variante per 2030 entscheiden.
Die Station Silbern ist in beiden Varianten nicht drin, könnte es aber noch ins Programm schaffen: Sie hat derzeit den Status «offen». BAV-Sprecher Gregor Saladin erklärt wieso: «Die Haltestelle Dietikon Silbern ist noch in Prüfung. Ihre Priorität wird 2018 festgelegt, im Rahmen der Erarbeitung der bundesrätlichen Botschaft an das Parlament.» Umso wichtiger ist es also, dass die neue Haltestelle im wichtigsten Dietiker Wirtschaftsgebiet bei der bis 15. Januar dauernden Vernehmlassung gut wegkommt. Rund 100 Stellen werden laut BAV zu Stellungnahmen eingeladen – insbesondere Kantone, Verbände und Verkehrsunternehmen. Aber auch nicht eingeladene Stellen und Einzelpersonen haben das Recht, sich zu äussern. Davon Gebrauch machen wird auch die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL).

Otto Müller: «Werden uns starkmachen»

Im November, noch vor der nächsten Delegiertenversammlung, werde der Vorstand entscheiden, wie er vorgeht, sagt der Präsident der ZPL, der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Er hätte es lieber gesehen, wenn schon der Bundesrat die Station Silbern in den Ausbauschritt 2030/2035 aufgenommen hätte, sagt aber: «Es ist immer eine Frage der Priorisierung. Wir werden uns sicher nochmals starkmachen, dass die neue Haltestelle schnellstens kommt.» Entsprechend werde man sich auch in der Vernehmlassung äussern.

Auch Oetwil wird sich bei der ZPL oder in Bern deutlich einbringen und die Station Silbern unterstützen. Sie wäre fünf Autominuten vom Dorfzentrum entfernt. Oetwil fordert schon lange eine Buslinie Oetwil–Silbern–Dietikon, um so Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten und später die Station Silbern zu erschliessen.

Die fünf Prioritäten

- Ausbau-Variante 2030
Mehr Güterzüge von Westen ins Limmattal und nach Osten

- Ausbau-Variante 2035
Kein zusätzliches Projekt im Limmattal

- Spätere Ausbauten mit erster Dringlichkeit
Mega-Tunnel Zürich–Aarau und Gubrist-Güterzug-Tunnel

- Spätere Ausbauten mit zweiter Dringlichkeit
Ganztägige zusätzliche Shuttlezüge zwischen Berikon und Dietikon

- Noch keiner Dringlichkeit zugeordnet
S-Bahn-Haltestelle Silbern

Stark machen wird sich die ZPL auch für den rund sieben Milliarden Franken teuren Tunnel von Zürich Altstetten nach Rupperswil bei Aarau. Er ist nicht im Programm 2030/2035, würde aber die Gleise im Limmattal vom Fernverkehr entlasten. Hierfür wird die ZPL den Kontakt mit dem BAV suchen und mit der Planungsgruppe des Bezirks Baden (Baden Regio). Zudem wurde Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) im Mai das Manifest «Vorwärts Limmattal – Verkehrslösungen für das Limmattal» überreicht. «Unsere Lobbyarbeit in Bundesbern setzen wir fort», sagt Müller. Auch der Aargau verlangt: Spätestens mit dem Ausbauschritt 2040 soll die Direktverbindung Zürich–Aarau kommen. Dem Kanton Zürich sind der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen sowie der Bau des Brüttener Tunnels zwischen Zürich und Winterthur am wichtigsten (Variante 2035).

Mehr Güterzüge im Limmattal

Neben dem Tunnel Zürich–Aarau hat es auch die Güter-Umfahrungslinie Limmattal-Furttal nicht ins Programm geschafft, die am ehesten mit einem Gubrist-Tunnel für Güterzüge umgesetzt wird. Bereits in der Variante 2030 enthalten und damit so gut wie beschlossene Sache sind zusätzliche Güterzugsfahrten im Limmattal. Zur Hauptverkehrszeit (von 6 bis 9 Uhr und von 17 bis 19 Uhr) fällt die Güterverkehrsbeschränkung, sodass ein zusätzlicher Expresskurs pro Stunde zwischen Lausanne und dem Rangierbahnhof Limmattal (RBL) möglich ist. Zudem wird die Güter-Kapazität vom RBL nach Osten gesteigert. «Wir werden uns auch dazu äussern», sagt Müller. Er weist aber darauf hin, dass grundsätzlich das Rangieren der Züge den unerträglichen Rangierbahnhofslärm verursacht und nicht die Fahrten. Laut Müller wird sich auch die Stadt Dietikon an der Vernehmlassung beteiligen und sich für die wichtigen Verkehrsprojekte einsetzen.

Nach der Vernehmlassung will der Bundesrat Ende 2018 den überarbeiteten Vorschlag dem Parlament unterbreiten. Dessen Entscheid ist dann referendumsfähig. Fällt er für die Kleinvariante 2030 aus, bringt der Bundesrat den nächsten Ausbauschritt 2040 (ob er so heissen wird, ist noch offen) im Jahr 2022 auf den Tisch. Gewinnt die Variante 2035, läge der 2040er-Ausbau dann 2026 auf dem Tisch. Für die Bahnnetz-Ausbauten stehen durchschnittlich 1,5 Milliarden Franken pro Jahr zur Verfügung.