Winterthur

44 Monate Gefängnis: Bezirksgericht verurteilt betrügenden Casanova

Der 61-jährige Chirurg, der mehrere Frauen mit Charme und Lügengeschichten um viel Geld gebracht hat, wurde vom Bezirksgericht Winterthur zu einer Gefängnisstrafe von 44 Monaten verurteilt. (Symbolbild)

Der 61-jährige Chirurg, der mehrere Frauen mit Charme und Lügengeschichten um viel Geld gebracht hat, wurde vom Bezirksgericht Winterthur zu einer Gefängnisstrafe von 44 Monaten verurteilt. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Winterthur hat am Freitag einen 61-jährigen Mann des gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von 44 Monaten. Der Mann hatte mit Charme und Lügengeschichten mehrere Frauen um viel Geld gebracht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zwischen Frühling 2013 und Anfang 2016 erschwindelte der Schweizer von drei Frauen insgesamt mehr als 180'000 Franken, die er für seine persönlichen Bedürfnisse ausgab. Dabei habe er arglistig gehandelt, sagte die Gerichtsvorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung.

Er habe den Frauen einen Mix aus wahren und erfundenen Dingen erzählt, die sie nicht überprüfen konnten. So gab er wahrheitsgemäss an, er sei Chirurg, geschieden und habe zwei Halbbrüder. Gelogen war dagegen unter anderem, er praktiziere in Privatkliniken, sei wohlsituiert und habe gute Verbindungen zu Bankern und Brokern.

Die Frauen lernte er jeweils kennen, indem er auf deren Kontaktinserate antwortete. Er ging Liebesbeziehungen mit ihnen ein - teils mehrere parallel - und nach einer Weile ging es dann um Geld. Beispielsweise machte er ihnen weis, er könne ihr Geld mit guten Renditen anlegen.

Der Beschuldigte habe ein gutes Gespür gehabt, was die einzelnen Frauen brauchten, sagte die Richterin. Er ging denn auch scheinbar liebevoll auf sie ein, passte gar seinen SMS-Schreibstil der jeweiligen Frau an.

Strafverfahren stoppte ihn nicht

Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur ist nicht das erste einschlägige gegen den Arzt. Im Oktober 2013 verurteilte ihn das Regionalgericht Bern-Mittelland zu einer teilbedingten Strafe von 30 Monaten. 18 Monate wurden ihm bedingt erlassen. Damals hatte er sieben Frauen um ihr Geld gebracht.

Bereits 2013, während das Berner Verfahren lief, trieb er seine Machenschaften im Kanton Zürich weiter. Und er hörte damit auch nach der Verurteilung nicht auf: Während der Probezeit für den bedingten Teil und gar während des offenen Strafvollzugs betrog er weiter.

Gesamtstrafe nach neuem Gesetz

Das Winterthurer Gericht widerrief nun den bedingt ausgesprochenen Teil der Berner Strafe - die 18 Monate muss der Mann nun also doch noch absitzen. Gemäss neuem Gesetz musste das Gericht eine Gesamtstrafe aussprechen, welche die frühere einschliesst. Weil 12 Monate schon abgesessen sind, resultierten 44 Monate. Von einem bedingten Vollzug ist bei diesem Strafmass keine Rede mehr.

Mit dem Schuldspruch folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte ein Strafmass von 48 Monaten gefordert, hatte jedoch die Neuregelung bezüglich Gesamtstrafe ausser Acht gelassen. Keine Chance hatte der Verteidiger mit seinem Antrag auf Freispruch.

Keine Therapie

Eine ambulante Massnahme, die er als angezeigt bezeichnete, ordnete das Gericht nicht an. Der psychiatrische Gutachter habe keine schwere Störung erkannt, was Voraussetzung für die gerichtliche Anordnung einer Therapie wäre. Er hatte beim beschuldigten Arzt eine narzisstisch-dissoziale Persönlichkeits-Akzentuierung diagnostiziert und ihn für voll schuldfähig erklärt.

Ohnehin gebe es keinerlei Anhaltspunkte, dass der Arzt überhaupt willens sei, sich mit seinem Verhalten auseinanderzusetzen. Auch in seiner privaten Therapie, die er begonnen hat, sei dies bisher nicht der Fall.

Im Verfahren hatte er - ausser einer pauschalen Anerkennung der Vorwürfe - weitgehend geschwiegen, in der Hauptverhandlung vom Donnerstag verweigerte er konsequent die Aussage. Dies sei zwar sein gutes Recht, sagte die Gerichtsvorsitzende. Das Gericht könne dann aber auch nichts zu seinen Gunsten herausnehmen.

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