Dietikon

28 Jahre nach dem ersten Frauenstreik: Die Gründerinnen der Frauenlobby blicken zurück

Die Initiantinnen der Frauenlobby Limmattal, wie sie sich auf einem Foto am 7. November 1992 in der Limmattaler Zeitung zeigten.

Der Frauenstreik im Jahr 1991 war ein unübersehbarer Schritt nach vorn, eine erstaunliche Bewegung in die Zukunft. Und ein Erfolg: Danach engagierten sich im Limmattal deutlich mehr Frauen in der Politik.

Am Anfang stand die Idee, engagierten Frauen die Gelegenheit zu geben, ihre Forderungen zu präsentieren, notwendige Veränderungen anzustossen und sich zu vernetzen. Helen Busslinger und Jeanne Pestalozzi organisierten mitten in Dietikon einen «Markt der Ideen»: Frauen der örtlichen Parteien, Dritt-Welt-Engagierte und Mitglieder der Frauenvereine stellten Marktstände auf und präsentierten ihre Anliegen.

Der Frauenstreik hatte Frauen jeden Alters aufgerüttelt, sie trafen einander weiterhin zum Austausch und schmiedeten Pläne. Immer mehr Frauen kamen dazu, auch Künstlerinnen und Parteipräsidentinnen. Zur Peergroup stiessen Frauen von Aesch, Birmensdorf, Geroldswil und Schlieren. Die Idee, sich in einem Verein zusammen zu schliessen und für alle zu öffnen, drängte sich geradezu auf. So wurde im Gemeinderatssaal Dietikon im Juni 1993 die «Frauenlobby Limmattal» gegründet, mit rund 100 Interessierten.

Regelmässig im Kloster Fahr

Selbstverständlich hielt Christiane Brunner (die Erfinderin des Schweizer Frauenstreiks) im Gemeinderatssaal eine Rede. In der Folge wurden politische Anlässe, Podien und Zusammenkünfte organisiert, mit Vertreterinnen aus der Schweizer Politik: Regierungsrätinnen, Nationalrätinnen und anderen Frauen der Öffentlichkeit. Ein grosses Anliegen war die politische Weiterbildung. Regelmässig trafen sich Interessierte im Kloster Fahr und bildeten sich in Rhetorik, Finanzierungsfragen und anderem weiter.

Die Grenzen gesprengt

Der Erfolg war überraschend und sprengte die bisherigen Grenzen: Es gab mehr Frauen in den Gemeinderäten als je, die Lobby-Mitglieder Bea Capaul und Marianne Landolt wurden in die Stadträte Schlieren und Dietikon gewählt, Verena Zbinden wurde Gemeinderatspräsidentin in Geroldswil. Grosses Aufsehen erregte auch eine Broschüre, in der «Frauengeschichten/Lebensgeschichten» vorgestellt wurden. Das war ein Hit, der in vielen Zeitungen erwähnt wurde und mehrmals nachgedruckt werden musste.

Nach einigen Jahren machten die Initiantinnen Platz für jüngere Frauen, bis die Frauenlobby mit der Zeit inaktiv wurde. Doch inzwischen ist ein neuer Zusammenschluss für die Sache der Frau entstanden. Im Mai führte die neue Plattform «Dietikerin.net» von Kathrin Kuster, Muriel Pestalozzi, Catherine Stocker, und Bettina Wolfgramm ihren ersten Anlass durch (die Limmattaler Zeitung berichtete).

*Die pensionierte Lehrerin und Erwachsenenbildnerin Helen Busslinger arbeitete von 1988 bis 2010 als freie Mitarbeiterin für die Limmattaler Zeitung und war auch für andere Medien tätig. 1991 hat sie mit Jeanne Pestalozzi den Frauenstreik in Dietikon organisiert. Später entstand daraus die Frauenlobby Limmattal mit rund 100 Mitgliedern. Jeanne Pestalozzi engagierte sich schon in verschiedenen Funktionen bei der Reformierten Kirche. Sie ist heute Stiftungsratspräsidentin der Stiftung Brot für alle.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1