Dem als "Carlos" bekannt gewordenen Zürcher Jugendstraftäter droht erneut eine längere Gefängnisstrafe (richtiger Name der Redaktion bekannt). Die Staatsanwaltschaft fordert wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Der Vorfall geschah Ende März 2016 – gerade mal 21 Tage, nachdem "Carlos" aus einer neuerlichen eintägigen Haft entlassen wurde. "Carlos" sitzt deswegen seit dem 1. April wieder in Untersuchungshaft. Dies geht aus der Anklageschrift hervor, die uns vorliegt. Das Bezirksgericht Zürich befasst sich am 6. März mit dem Fall.

"Carlos" und sein Opfer kannten sich flüchtig von früher, heisst es in der Anklageschrift. Sie trafen sich zufällig in einem Tram und sprachen dort miteinander über Sport und den ehemaligen Kickbox-Trainer des heute 21-Jährigen.

Zwischen Recht und Gerechtigkeit: SRF Dok-Sendung zum «Fall Carlos»

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Nach dem Handschlag kam der Faustschlag

Als "Carlos" das Tram verlassen wollte, verabschiedeten sie sich per Handschlag. Dabei soll er seinem flüchtigen Bekannten und dessen Kollegen gesagt haben, sie sollten nicht "herumgangstern", sondern einmal in die Moschee gehen.

Dieser erwiderte, dass "Carlos" ihm nicht sagen müsse, dass er in die Moschee gehen solle, denn dies sei seine Sache, heisst es in der Anklageschrift. "Carlos" stieg derweil aus und soll dem in der Tramtüre stehenden Opfer unvermittelt einen heftigen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben.

Unterkieferbruch, Zahnschäden und eine Quetsch-Risswunde

Dieser wurde davon überrascht, sackte zusammen und fiel aus dem Tram, wo er auf dem Boden aufschlug und ein paar Sekunden bewusstlos liegenblieb. "Carlos" versuchte den Fallenden ein zweites Mal zu schlagen, verfehlte ihn aber. Der Geschädigte erlitt unter anderem einen Bruch im Unterkiefer, eine Quetsch-Risswunde sowie einen Zahnschaden.

Der «Fall Carlos» in Bildern: 

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass "Carlos" aufgrund seiner jahrelangen Kampfsporterfahrung wusste, welche Gefahr von seinem Schlag ausging und was für Folgen dieser haben könnte. Sie fordert deshalb wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

"Carlos" war seit August 2015 ein freier Mann. Er war vor zwei Jahren durch einen SRF-Dokumentarfilm über den damaligen leitenden Zürcher Jugendanwalt landesweit bekannt geworden. Nach der Ausstrahlung entflammte eine hitzige Diskussion über Sinn und Kosten der Behandlung junger Straftäter. Besonders zu reden gab sein Sondersetting mit Thaibox-Training. Carlos sass auch schon im Gefängnis Limmattal in Dietikon ein und im Massnahmenzentrum in Uitikon.

(1.2.2017)