Volksfest
2,5 Millionen Menschen besuchten das Züri-Fäscht – doch wie kam diese Zahl überhaupt zustande?

Gemäss den Veranstaltern besuchten rund 2,5 Millionen Leute das diesjährige Züri-Fäscht. Aber wie wird eine solche Menschenschaar überhaupt gezählt? Wir haben beim Organisationskomitee nachgefragt.

Matthias Scharrer
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Die Aufgabe, für die Sicherheit der Massen zu sorgen, dürfte beim nächsten Züri-Fäscht noch grösser werden.

Die Aufgabe, für die Sicherheit der Massen zu sorgen, dürfte beim nächsten Züri-Fäscht noch grösser werden.

Walter Bieri, Keystone

Gross war das Gedränge am Züri-Fäscht – und rekordverdächtig die Besucherzahl, die die Festorganisatoren bekannt gaben: 2,5 Millionen Menschen sollen das grösste Volksfest der Schweiz am vergangenen Wochenende besucht haben. Das wäre fast ein Drittel der Schweizer Bevölkerung, rechnete ein Leserbrief-Schreiber vor – und warf damit die Frage auf, wie diese Besucherzahl ermittelt wurde.

Wir leiten die Frage weiter an Jeannette Herzog, Organisationskomitee-Mitglied und designierte Geschäftsführerin des nächsten Züri-Fäschts. «Die Zahlen beruhen auf Einschätzungen, die wir zusammen mit der Polizei vornehmen, aufgrund von Momentaufnahmen und Luftbildern», sagt Herzog. Bei den Feuerwerken am Freitag- und Samstagabend sei das Festareal rund ums Seebecken und die Limmat weitgehend voll gewesen, mit rund drei Personen pro Quadratmeter.

Bis jetzt 235 Tonnen Abfall, rund 120 Gramm pro Nase

Ein weiterer wichtiger Hinweis beim Ermitteln der Besucherzahlen sei die Abfallmenge. «Wir gehen beim Züri-Fäscht von rund 120 Gramm Abfall pro Besucher aus», sagt Herzog.

Die definitive Abfallbilanz von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) steht zwar noch aus. Doch ohne Glas, PET-Flaschen und Alu kamen laut einer ERZ-Sprecherin 235 Tonnen Kehricht zusammen. Teilt man diese durch die Pro-Kopf-Abfallmenge von 120 Gramm, kommt man auf knapp zwei Millionen Festbesucherinnen und -besucher. Aber eben: Hinzukäme ja noch die PET-, Glas- und Aluabfallmenge, sodass die Zahl von rund 2,5 Millionen Züri-Fäscht-Besuchern plausibel bleibt.

Nur: Was ist ein Besucher – und wie oft? Wer das dreitägige Fest mehrmals besuchte, wurde gemäss Herzog mehrfach mitgerechnet. Wie viele verschiedene Personen maximal gleichzeitig am Züri-Fäscht waren, lässt sich noch nicht sagen, da die Daten erst ausgewertet werden, teilt Linus Eberhard auf Anfrage mit. Der Sicherheitschef des Züri-Fäschts weiter: «Nach heutigem Kenntnisstand gehen wir von rund 800'000 bis 1 Million Besuchern am ersten Festtag, rund 1,2 Millionen am zweiten und rund 300'000 bis 500'000 Besuchern am dritten Festtag aus.»

Unter 16-Jährige kamen oft an Alkohol

Am Züri-Fäscht floss auch der Alkohol in Strömen. Die Altersgrenze für den Verkauf an Jugendliche wurde dabei in 80 Prozent aller Testfälle nicht eingehalten: Insgesamt wurden 20 Verkaufsstände getestet. Dabei erhielten die beiden Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren, die die Stadtpolizei Zürich als Testkäufer einsetzte, an 16 Ständen alkoholische Getränke, wie das Stadtzürcher Sicherheitsdepartement mitteilte. Die fehlbaren Standverkäufer wurden verzeigt.

Sanitäter behandelten während des dreitägigen Züri-Fäschts insgesamt 100 Personen wegen übermässigen Alkoholkonsums, wie es weiter in der Mitteilung heisst. 36 Personen mussten zur Ausnüchterung in die Notunterkunft von Schutz und Rettung. Alles in allem wurden an den acht Sanitätsposten 659 Personen medizinisch behandelt, zumeist wegen Schürfungen und Schnittwunden, Prellungen und Stauchungen sowie Blasen oder Insektenstichen. 67 Patienten mussten ins Spital.

Die Polizei griff auch gegen den Einsatz privater Drohnen über dem Festgelände ein. Sie prüft nun Verzeigungen gegen deren Piloten, wie ein Polizeisprecher gestern sagte. Drohnen dürfen grosse Personengruppen nicht überfliegen. (mts)

Eine Erkenntnis im Hinblick auf das nächste Züri-Fäscht im Jahr 2022 steht für die neue Geschäftsleiterin Jeannette Herzog bereits fest: «Es kommen viele Leute. Und die Bevölkerung wird weiter wachsen.»

Die Aufgabe, für die Sicherheit der vielen Leute zu sorgen, werde damit noch grösser. Schon bei der diesjährigen Ausgabe des Züri-Fäschts haben die Festmacher weitgehend auf Werbung verzichtet. Zudem sei das Programm so gestaltet worden, dass sich die Menschenmenge möglichst gut verteilte. Auch die Bewältigung der Abfallmenge bleibe eine Herausforderung. Und: Die Begeisterung für die Drohnenshow, die zum ersten Mal stattfand, sei gross gewesen. Das zeige: «Man muss neue Elemente für das Fest prüfen.» Herzog ist es zudem ein Anliegen, dass auch Menschen mit Behinderung am Züri-Fäscht teilnehmen können. Um dies zu ermöglichen, organisierten die Festmacher im Strandbad Mythenquai kurzfristig noch barrierefreie Sitzplätze, von denen aus Behinderte das Feuerwerk sehen konnten. Für die nächste Festausgabe hat Herzog sich vorgenommen, das Fest noch zugänglicher für Menschen mit Behinderung zu machen.