Bei Google startet der Arbeitstag nicht erst am Computer. Lucas Stolwijk, Betriebsmanager am Standort in Zürich, sagt: «Für uns beginnt er bereits dann, wenn der Mitarbeiter seine Wohnung verlässt.» Der Technologiekonzern will dafür sorgen, dass seine Angestellten möglichst bequem und umweltfreundlich zur Arbeit kommen: zu Fuss, mit dem öV oder dem Velo.

Der neue Standort an der Europaallee liegt direkt neben dem Zürcher Hauptbahnhof. Und den rund 1000 Mitarbeitenden steht ein Velokeller mit rund 100 Abstellplätzen, Garderoben, Duschen, Waschmaschinen, Trocknern und einer kleinen Reparaturwerkstatt zur Verfügung. Alles gratis.

Noch nicht bezogen ist ein separater Abstellraum für 50 Velos, den sich Google in der neuen Velostation unter dem Europaplatz gesichert hat. Die Nachfrage sei gross, sagte Stolwijk gestern an einer Veranstaltung der kantonalen Beratungsstelle Impuls Mobilität. «In unseren Umfragen wünschen sich die Mitarbeitenden vor allem eines: mehr Veloständer.»

1500 eigene Abstellplätze

Der Konzern baut das Angebot deshalb aus. Bis 2022 will er an der Europaallee die restlichen Büroflächen beziehen. Für die 3000 Mitarbeitenden, die Google bis zu diesem Zeitpunkt beschäftigen will, werden 1500 gedeckte Velo-Abstellplätze zur freien Benutzung geschaffen. Wer dann noch mit dem Auto zur Arbeit muss, sollte sich einen der 45 Parkplätze sichern – zum Preis von 500 Franken pro Monat.

Vom zweiten Zürcher Google-Standort auf dem Hürlimann-Areal werden die Angestellten nach und nach an die Europaallee umziehen. Die 1500 Mitarbeitenden, die derzeit dort tätig sind, sind sich gute Bedingungen gewohnt. Ihnen stehen 700 Veloständer zur Verfügung. Sie erwarten auch am neuen Arbeitsplatz genügend Abstellplätze.

Ein eigenes Velo zu besitzen ist nicht zwingend. Google ist verschiedene Partnerschaften eingegangen. Über den Velo-Service von Urban Connect können Mitarbeitende E-Bikes und Citybikes gratis ausleihen – für den Arbeitsweg oder zwischen den beiden Zürcher Standorten. Internationale Mitarbeiter und Kunden, die für ein paar Tage oder Wochen bei Google Zürich zu Besuch sind, dürfen den Service ebenso nutzen – für die Fahrt vom Hotel zum Firmensitz oder für eine Stadttour.

«Es braucht nicht viel»

Eine weitere Kooperation besteht mit dem Sharing-Anbieter smide. Mit Publibike, dem ab nächstem Frühjahr geplanten Verleihangebot der Stadt Zürich, will Google ebenfalls zusammenarbeiten.

Stadt und Kanton Zürich wünschen sich, dass noch mehr Unternehmen das Velopendeln fördern. «Es braucht nicht viel», sagt Yves Gasser von der kantonalen Beratungsstelle Impuls Mobilität. Das Wichtigste seien genügend trockene, einfach zu bedienende und sichere Abstellplätze in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes. Für die Realisierung eines einzelnen Platzes müsse man mit 80 bis 200 Franken rechnen, je nach Parkierungssystem. Ein Autoparkplatz koste dagegen zwischen 30 000 und 50 000 Franken, sagt Gasser.

Von Unternehmenskultur abhängig

Ob sich eine Firma Velo-Abstellplätze leiste, hänge meist von der Unternehmenskultur ab, sagt Gasser. Gerade eine junge Belegschaft verlange heute eine attraktive Infrastruktur für Velopendler. Welche Parkierungsanlagen sich eignen und ob sich allenfalls eine Partnerschaft mit einem Veloverleiher anbietet, können die Beraterinnen und Berater von Impuls Mobilität aufzeigen.

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat diese Beratung in Anspruch genommen. Er zieht in Etappen von Adliswil an den Hauptsitz am Zürcher Mythenquai. Bis 2025 will er dort 3300 Mitarbeitende beschäftigen. 7 Prozent kommen bereits heute mit dem Velo zur Arbeit. Das sei im Branchenvergleich ein guter Wert, sagt Swiss-Re-Umweltmanager Lasse Wallquist. Das Parkierungsangebot in Zürich ist noch nicht bekannt, aber der Velo-Anteil soll steigen. Die Lage am See hat ihren Preis, die Flächen für Parkplätze sind rar und teuer. Doch das sei nicht der einzige Grund, sagt Wallquist. «Wir versichern Naturkatastrophen. Und natürlich ist der Klimawandel ein grosses Thema. Unsere Kunden erwarten, dass wir ökologisch handeln.»