Schulprojekt
14-jähriger Limmattaler sendet Ballon in die Stratosphäre

In mehreren tausend Metern Höhe schwebt eine mit goldfarbener Isolierfolie eingepackte Styroporkiste. Sie wird getragen von einem Heliumballon mit knapp einem Meter Durchmesser. Das ganze wurde durch eine angebrachte Kamera gefilmt.

Andrea Heller
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14-jähriger sendet einen Ballon in die Stratosphäre und filmt den Höhenflug

14-jähriger sendet einen Ballon in die Stratosphäre und filmt den Höhenflug

AZ

Eine eingebaute Kamera, die vor den Temperaturen bis zu minus 60 Grad von Wärmepads geschützt wird, zeichnet den gesamten Flug des Ballons auf. Ein eingebautes GPS-Gerät sendet die Flugkoordinaten an den Besitzer des Ballons.

Doch der Ballon gehört nicht etwa einer Wetterstation, sondern einem 14-jährigen Jugendlichen. Evann Treceño, Schüler aus Uitikon, hat den Ballon als Abschlussarbeit der Sekundarschule gebaut.

Langeweile vorbeugen

Der begeisterte Hobbyastronom, der nach den Sommerferien das Gymnasium besuchen wird, ist ein ausgezeichneter Schüler. Damit es ihm im Unterricht der zweiten Sekundarklasse nicht langweilig wurde, durfte er am Projektunterricht der dritten Sekundarstufe teilnehmen.

Da er von der Astronomie fasziniert ist, hätte er deshalb im Projektunterricht am liebsten eine Rakete gebaut. Bei der Suche nach einer durchführbaren Idee ist er im Internet auf das Video zweier kanadischer Studenten gestossen, die einen Ballon bis in die Stratosphäre, die zweite Schicht der Erdatmosphäre, steigen liessen.

Um diese Idee im Rahmen des Schulprojektes umsetzen zu können, musste er von der Schule eine Bewilligung einholen. «Ich bekam ein Materialbudget von 70 Franken von der Schule zugesprochen», sagt er.

Da dieser Betrag vor allem wegen des Kaufs der temperatur- und stossunempfindlichen Spezialkamera zu niedrig war, entwickelte Evann zusätzlich ein Sponsoringkonzept.

«Ich stellte mein Projekt verschiedenen Personen vor und bat sie, mich mit einem Geldbeitrag zu unterstützen», sagt Evann. Mit dem gesammelten Betrag von gut 600 Franken konnte er die Kamera, den Heliumballon sowie anderes Material besorgen.

Organisiert hat er das gesamte Projekt ohne Unterstützung eines Lehrers. «Nur mein Vater hat mir manchmal Ratschläge gegeben», sagt Evann. Die Informationen für den Bau des Flugobjekts hat er sich aus Internetvideos geholt.

Flug mit Programm simuliert

Der Schüler wusste bereits vor dem Start des Ballons, wie hoch dieser in etwa fliegen würde. Auch der Zeitpunkt, an dem der Ballon aufgrund der dünnen Luft platzen und der Fallschirm sich öffnen würde, war ungefähr vorhersehbar.

Dafür hat Evann Berechnungen angestellt und mit einem Programm der Cambridge-Universität eine Simulation durchgeführt.
Minutiös vorbereitet konnte Evann seinen Ballon Anfang Juni starten lassen.

Insgesamt eine Stunde und 43 Minuten war der Ballon unterwegs. Auf einer Höhe von 21 000 Metern zerplatze er und raste mit einer Höchstgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern der Erde entgegen.

Da der Ballon mit einem GPS ausgestattet war, konnte Evann sein fast unbeschädigtes Flugobjekt lokalisieren und auf einer Weide bei Frauenfeld einsammeln.

Schüler ist stolz auf seine Leistung

«Es war toll, als ich die Aufnahmen der Kamera im Ballon das erste Mal gesehen habe», sagt Evann. Die schönsten Momente waren für ihn, als der Ballon über seine Heimatgemeine Uitikon geflogen ist und sogar einem Flugzeug begegnete.

Die Aufnahmen, die der Ballon gemacht hat, hat Evann zu einem Video zusammengeschnitten. Sein aussergewöhnliches Projekt hat er nun bei der Organisation Schweizer Jugend Forscht eingesendet.

Am Wettbewerb werden normalerweise Matura- und Lehrabschlussprojekte ausgezeichnet. Nun darf der erst 14- Jährige teilnehmen und sein Projekt im kommenden Mai der Wettbewerbsjury vorstellen.

Bis es so weit ist, möchte er sein Experiment jedoch noch einmal mit einer kleineren und leichteren Styroporbox wiederholen. «Das Ziel ist es, noch weiter in den Himmel hinaus zu fliegen», sagt Evann.

Karriere als Astrophysiker

An der Wiederholung des Projektes müsse er in den Herbstferien arbeiten, so Evann. «Unter der Woche werde ich von nun an viel lernen müssen, um die Probezeit am Gymnasium zu bestehen», sagt er bescheiden. Pläne für nach der Schulzeit hat er auch bereits: «Ich möchte Astrophysiker werden.»

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