Seit 125 Jahren setzt sich Schutz & Rettung Zürich für die medizinische Versorgung der Stadtzürcher Bevölkerung sowie von 17 umliegenden Gemeinden ein. «Nur selten ist vom Rettungsdienst in den Medien zu hören. Fälle wie jener der ausgebüxten Schäferhündin Rapunzel oder einem in die Sihl gestürzten Lastwagen kommen selten vor», sagte AL-Stadtrat Richard Wolff gestern vor den Medien.

Der Sicherheitsdepartementsvorsteher würdigte die herausfordernde tägliche Arbeit der Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter: «Sie müssen innerhalb von Sekunden reagieren und fähig sein, die medizinische Situation des Patienten und allfällige Gefahren vor Ort wie Chemikalien, Feuer oder aggressive Menschen richtig einzuschätzen», sagte Wolff.

Entstanden ist das ursprünglich 14-köpfige Sanitätskorps 1893 im Zuge der ersten Eingemeindung von Zürich. Mit der Gründung der Grossstadt musste die Sanität Zürich auf einen Schlag doppelt so viele Anwohner versorgen. Bereits ein Jahr später wurden mit 8 Pferdedroschken 1086 Kranken- und 65 Leichentransporte durchgeführt. Heute leistet der 170-köpfige Rettungsdienst rund 37'000 Einsätze in der Stadt, auf dem Flughafen Zürich und in den Vertragsgemeinden.

Aufnahmen von Sanität Zürich zwischen 1930 und 1945

Aufnahmen von Sanität Zürich zwischen 1930 und 1945

Ein Film über die Organisation und Entwicklung des Sanitätskorps der Stadt Zürich. (Quelle: Emil Schweizer)

Im Fünf-Schichten-Betrieb

Während der Rettungsdienst zu Beginn für Lebensmittelkontrollen, Krankentransporte, Desinfektionen und sanitarische Wohnungskontrollen zuständig war, hat sich sein Aufgabenfeld 1971 mit der Einführung des Kardiomobils, der Vorläufer des Notarztsystems, die Ausbildung der Rettungsdienstleister neu strukturiert. So gehören neben der Notfallversorgung, Kranken- und Verlegungstransporten heute auch Transporte von Frühgeborenen, Organen oder intensivmedizinischen Fällen zu den Dienstleistungen des Rettungsdienstes. Auch bei Grossanlässen und Events sind sie stets anwesend.

Zudem gehört auch die Unterstützung von Partnerorganisationen wie der Feuerwehr, dem Amt für Zivilschutz, dem Kreiskommando und der Feuerpolizei seit der Fusion 2001 zu Schutz & Rettung Zürich. Damals erhielt die Sanität Zürich bei der Verlegung vom Gesundheits- und Umwelt- ins Polizeidepartement ihren heutigen Namen.

Schutz & Rettung und ihr Einsatz während 7 Tagen an 24 Stunden

Schutz & Rettung und ihr Einsatz während 7 Tagen an 24 Stunden

Aus dem Jahr 2010.

Sieben Jahre später erfolgte der nächste Zusammenschluss mit der Berufsfeuerwehr, der Einsatzzentrale am Flughafen und dem Rettungsdienst. «Damit die medizinische Versorgung auch künftig gewährleistet ist, hat der Stadtrat einen neuen Rettungswagen und zwei Sanitätsstellen bewilligt, die seit Beginn des Jahres im Einsatz sind. Dafür sind 10,2 Vollzeitstellen notwendig, da hier im 5-Schicht-Betrieb gearbeitet wird», sagt Wolff.

Das anschauliche Zahlenmaterial untermauerte Michael Schumann, Bereichsleiter Sanität bei Schutz & Rettung Zürich, in seinem Rückblick auf das 125-jährige Bestehen mit Anekdoten, die zeigen, dass gewisse Themen vor 100 Jahren auch heute noch aktuell sind.

Pferdestärke: 1911 wurde das erste Krankenmobil mit Elektromotor angeschafft, weil der Transport damit 5.58 Franken kostete und so einen Pferdetransport unterbot, der 6.92 Franken kostete. Zum Vergleich: Heute kostet ein Notfall- und Krankentransport im Schnitt 750 Franken. Dennoch kritisierte das Sanitätskorps damals das neue Gefährt, weil es häufig aufgeladen werden musste und nur zwischen 15 und 20 Kilometer pro Stunde fuhr. Zudem musste es von Hand bergauf gestossen werden. Zwischen 1942 und 1957 aber kamen drei Tonnen schwere Cadillacs mit 320 PS zum Einsatz, die beim Treten des Gaspedals die Räder durchdrehen liessen. Heutige Krankenwagen besitzen 190 PS auf ein Gewicht von fünf Tonnen.

Sparmassnahmen: Weil 1914 die städtischen Ausgaben zu hoch waren, wurde die Sanität Zürich angewiesen, keine pressanten Fälle mehr auszuführen. Der Patient solle warten, bis er transportiert werde, schliesslich könne man ja nicht mehr als sterben.

Sanität der Stadt Zürich feiert 125 Jahre ihres Bestehens

Sanität der Stadt Zürich feiert 125 Jahre ihres Bestehens

Seit 125 Jahren gibt es in der grössten Stadt der Schweiz einen Rettungsdienst. Am 8. und 9. Juni feiert eine der wohl wichtigsten Errungenschaften des urbanen Systems im Hauptbahnhof Zürich dieses stolze Jubiläum.

Demonstration: Die Aussage «Früher war alles anders» trifft auch auf eine kommunistische Demonstration im Jahr 1932 zu. Während heute bei entsprechenden Anlässen meist Schürfungen, Kontusionen oder die Folgen von Reizstoffen behandelt werden, verzeichnete der Rettungsdienst vor 86 Jahren je zwei Kopf-, Brust- und Lungenschüsse, fünf Oberarm- und Schulterschüsse, je ein Bauch-, ein Becken- und Fussschuss, eine Nasenbeinfraktur und einen Säbelhieb.

Tarife: Während die Sanität bis in die 1960er-Jahre auf 67 Mitarbeitende angewachsen ist, sind auch ihre Tarife gestiegen. 1968 kostete das Zurücklegen einer verstorbenen Person ins Bett inklusive handgeschriebener Quittung 15 Franken.

Gleichberechtigung: 1997 wurden die ersten Rettungssanitäterinnen ausgebildet und fest angestellt. Heute machen Frauen rund die Hälfte aller Einsatzkräfte im Rettungsdienst aus.