Leserbeitrag
Zwei facettenreiche Weihnachtskonzerte in Trimbach

Gabriela Gramlich
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Christina Lerch und der Kinder-und Jugendchor Trimbach (Foto: Kaspar Walter)

Christina Lerch und der Kinder-und Jugendchor Trimbach (Foto: Kaspar Walter)

MauritiuskircheTrimbach: Chorkonzerte im Spannungsfeld zwischen Barock und Neuzeit, Europa und Südamerika

In der Vorweihnachtszeit fanden in der Trimbacher Mauritiuskirche die traditionsreichen Konzerte des Mauritius-Chores statt, welche am zweiten Konzerttag durch den grossartigen Einsatz des Kinder-und Jugendchores bereichert wurden.

Die Konzerte standen unter dem Motto „Gloria! Gloria!“ Weltweit ist der Mauritiuschor der zweite Chor, der jemals das „Tango Gloria“ von Martin Palmeri (*1965) zur Aufführung gebracht hat, und zwar an der Cantars 2015 und nun ein weiteres Mal.

Das für einen Kirchenchor zunächst schwer zugängliche Werk erwies sich dabei für die Choristen als ausgesprochen mitreissend. Da sich M. Palmeri ursprünglich durch das bekannte „Gloria“ in D-Dur RV 589 von Antonio Vivaldi zu seinem Werk inspirieren liess, lag es nahe, in den Weihnachtskonzerten das zeitgenössische „Tango-Gloria“ mit seinen südamerikanischen Harmonien und Rhythmen in Kontext zum barocken Vorbild zu setzen.

Für die konzertante Herausforderung konnten der Bandoneonist Stéphane Chapuis, die international geschätzte Mezzosopranistin Barbara Erni, die junge, bezaubernde Sopranistin Lia Andres und der Organist Francesco Saverio Pedrini, unterstützt vom Basler Ensemble Camerata da Vinci gewonnen werden. Der Chorleiter Reiner Schneider-Waterberg, Mitglied des renommierten A capella-Ensembles Singer Pur, agierte nicht nur als Dirigent und Konzertleiter, sondern auch in der anspruchsvollen Doppelfunktion als Solist.

Der erste Konzertabend begann mit dem „Gloria“ von Vivaldi. In der Pause wechselten die Musiker von historischen Instrumenten in alter Mensur zu modernen Instrumenten, so auch von der Truhenorgel zum Klavier, was den Musikern viel an Können abverlangte. Mitgerissen von der grossartigen Musik Palmeris zwischen Dissonanzen, Tango Rhythmen und fast schon kitschig-schönen Harmonien gewann der Chor an Präzision und Intensität und vermochte die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Der Komponist Palmeri versteht es in unnachahmlicher Weise, eines der berühmtesten Werke der Barockepoche in den Geist einer südamerikanischen Lebensfreude, die den widrigsten existentiellen Realitäten zu trotzen vermag, zu transponieren.

Den zweiten Konzertabend eröffnete der Kinder. und Jugendchor Trimbach unter der Leitung von Christina Lerch. Mit Windlichtern zogen die die Kinder in die Kirche ein und stimmten sogleich ein afrikanisches Weihnachtslied an, worüber sich Reiner Schneider-Waterberg besonders freute. Erinnerte es ihn doch an seine Heimat Namibia. Die jungen, frischen Stimmen konnten mit unkonventionellen Weihnachtsliedern aus aller Welt die Zuhörer verzaubern und eine fröhliche Stimmung schaffen. Insbesondere die gekonnten solistischen Beiträge, die selbstsicher vorgetragen wurden, waren kleine, musikalische Perlen.

Während der Mauritiuschor zusammen mit dem Kinderchor Palmeris „Regreso“ mit seinen raffiniert verwobenen spanischen und schweizerischen Volksliedern sang, fegte der temperamentvolle Dirigent in einer unbedachten Bewegung sämtliche Noten vom Pult. Orchester und die beiden Chöre mussten sich so kurzzeitig führungslos durch kompliziertere Rhythmen und Einsätze bewähren, bis der Dirigent wieder einsatzbereit den Takt angeben konnte. Nach diesem kleinen, gut gemeisterten Zwischenfall endete der erste Teil mit dem speziell von M. Palmeri für die beiden Trimbacher Chöre komponierten stimmungsvollen und weihnachtlichen „O regem coeli“. Nach der Pause fand der Abend mit Vivaldis „Gloria“ unter grossem Applaus und bei bester Stimmung ein gelungenes Ende.
Der Mauritiuschor bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten, seinen treuen Zuhörern, bei der Kirchgemeinde Trimbach und all den grossen und kleinen Sponsoren, die solche anspruchsvollen Konzertprojekte überhaupt erst ermöglichen!

An Ostern singt der Mauritiuschor die „Messe St. Josephi in B-Dur“ von Antonio Caldara, eines bedeutenden Komponisten des venezianischen Spätbarocks.
Der Mauritiuschor freut sich jetzt schon auf die nächsten Adventskonzerte gemeinsam mit dem jungen Vokalsolistenensemble Voces Suaves und Werken aus der grossartigen Sammlung „Selva morale et spirituale“ (1641) von Claudio Monteverdi.
(Gast-)Sänger sind jederzeit herzlich willkommen. Die Proben finden, ausser in den Schulferien, jeweils Dienstag von 20.00 – 21.45, Kirchfeldstrasse 42 in Trimbach statt.
Weitere Infos und Probenplan: www.mauritiuschor-trimbach.ch