Leserbeitrag
Waldumgang Lupfig vom 15. September 2012

Fabienne Schmid
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Bilder zum Leserbeitrag

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Energie Y01457.jpg

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In 4 Jahresabständen für der Forstbetrieb Birr- Lupfig in Lupfig einen Waldumgang durch, der der Bevölkerung aufzeigt, welche Arbeiten das Forstteam ausführt und welche mit welchen Aktualitäten sich der Forstbetrieb befasst.

Der Forstbetrieb Birr – Lupfig betreut die Waldungen von Brunegg, Birr, Lupfig, Mülligen und Windisch.

Kopf – und Anstellungsgemeinde ist die Gemeinde Birr, von der der Ressortleiter Tobias Kull auch anwesend ist.

Unsere Holzschlagnutzung wird nebst der regulären Stammholzproduktion auch noch zu einem recht grossen Anteil der Holzenergie zugefügt.

Wir beliefern 5 Heizanlagen mit Holzschnitzel, was uns die Arbeit aber auch den Holzverkauf der qualitativ schlechten Sortimente wesentlich vereinfacht.

Der diesjährige Waldumgang steht unter anderem auch noch im Licht des kurz bevorstehenden Försterjubiläums von Revierförster Richard Plüss und seinem 30 – Jährigen Wirken.

Auf einem Rundgang und 7 vorbereiteten Posten zeigt und demonstriert das Forstteam, welches aus 4 Berufslernenden, 3 Forstwarten und dem Förster besteht, aus ihrem Berufsalltag.

Ausgewählt sind Themen die Förster Richard Plüss sehr am Herzen liegen um den Forstbetrieb einerseits finanziell über die Runden zu bringen und andererseits der nächsten Generation ein Waldbild übergeben werden kann, von der diese wiederum nutzen und wirtschaften kann.

Zur Begrüssung spielt die Jagdhornbläsergruppe „ Lengnauer Füchse“ und stimmt musikalisch in die Wald – und Jagdatmosphäre ein.

Gemeinderat und Ressortleiter Thomas Frei begrüsst die grosse Interessensgemeinschaft der Waldbesucher.

Förster Richard Plüss, stellt sein Forstteam und den Forstbetrieb vor. Er zeigt sich sehr erfreut über die die grosse Besucherzahl und dass auch die Eltern der Lehrlinge dabei sind und dabei ihr Interesse an der Berufslehre ihres Sohnes signalisieren.

Von den 3 Forstwarten hat jeder seinen Kompetenz – und Betreuungsbereich, wie:

Martin Wolleb, Vorarbeiter und diplomierter Forstmaschinenführer. Zur Zeit absolviert er seine modulartig aufgebaute Vorarbeiter – Ausbildung. Er ist auch Stellvertreter des Förster`s, sowie Chef der Fahrzeuge und der Schnitzelheizungen

Lorenz Näf, welcher zur Zeit im WK weilt, ist verantwortlich für das Werkzeug und die Kleinmaschinen, sowie für SBB – Arbeitseinsätze

Stefan Glatthard, ist verantwortlich für die praktische Ausbildung der 4 Lehrverhältnisse

Alle drei Forstwarte stehen mit den Lernenden täglich im harten Einsatz. Interessanterweise alle drei haben bei uns die Lehre absolviert und sind bei uns hängen geblieben.

Ein stiller Helfer im Hintergrund ist Ruedi Sommerhalder, der für uns immer die INFO – Wände aktualisiert und mit grossem Aufwand die Themen auswählt und diese fachmännisch illustriert und beschreibt. Diese INFO Wände werden oft besucht und studiert.

30 Jahre Wirken von Förster Richard Plüss

In diesen 30 Jahren hat Richard Plüss viel erlebt. Die Natur hat so seine Tücken und schlägt ab und zu gnadenlos zu. Das bekam Richard Plüss schon kurze Zeit nach seinem Amtsantritt bereits 1984 -85 mit grossen Windwürfen zu spüren. Vor allem in Lupfig blies der Sturm, damals hatten diese noch gar keine Namen, gut 10 ha Waldfläche und eine grosse Menge Holz zu Boden. Eine echte Bewährungsprobe aber auch eine grosse Herausforderung für Förster Plüss.

Der Wind ist scheinbar mein grösster Feind, denn schon 1991 schlug er wieder zu, nämlich mit dem Sturm Vivian und 2001 mit dem Sturm Lothar. Deshalb haben wir in Lupfig auch so einen grossen Anteil von Jungwald, aber auch deshalb wunderbare und Zukunfts-versprechende, gut gepflegten Mischbestände.

Das reichte scheinbar noch nicht, denn mit den beiden Trockenjahren 2003 und 2004 schlug der Borkenkäfer zu und nagte an den Fichtenbeständen.

Zu Beginn meiner Förstertätigkeit bewirtschafteten wir die Waldungen von Birr und Lupfig, später kamen jene von Brunegg, Mülligen und Windisch dazu. Das Revier geht von der A1 in Brunegg bis an den Aare – Reuss Zusammenfluss im Wasserschloss in Windisch.

Botanisch ein hervorragendes und interessantes Gebiet mit den Juratypischen Böden bis hin zu den Flussauen.

Der Berufsnachwuchs und damit verbunden die Lehrlingsausbildung, waren für Förster Plüss, welcher auch noch nebenamtlich als Berufsinstrukor und Berufskundefachlehrer amtet, immer ein zentrales Anliegen. In diesen 30 Jahren haben wir über 30 Lehrlinge ausgebildet. Es ist eine Freude zu erleben, was aus ihnen geworden ist. Viele von ihnen arbeiten noch in verschieden Funktionen im Wald oder haben in der freien Wirtschaft eine neue Herausforderung gefunden. Ebenfalls freuen wir uns, wenn der eine oder andere ab und zu einen Besuch machen. Auch haben wir eine Frau zum Forstwart ausgebildet, welche die beste Lehrabschlussprüfung machte, dann an der Fachhochschule in Zollikofen weiter studierte und heute im Kanton Luzern als Forstingenieurin arbeitet.

Wichtig war für Förster Plüss auch immer der Kontakt mit der Bevölkerung, von welcher er in Lupfig 1984 mit seiner Familie gut aufgenommen wurde.

Keine Probleme hat der Förster mit all den vielen Waldbesucherinnen und Waldbesuchern, welche sich im Wald sportlich betätigen oder Erholung suchen.

Wir sehen jeden gerne und nehmen Rücksicht auf sie, was aber nicht immer ganz einfach ist und vor allem bei der Holzernte uns sicherheitsmässig stark herausfordert.

Der Wald mit all seinen Multifunktionen stehen bei Förster Plüss nach wie vor im Mittelpunkt. Ein Leben ohne Wald kann er sich nicht vorstellen. Deshalb ist Förster Plüss auch in der Freizeit als Hundehalter, Sportler und Jäger oft im Wald anzutreffen.

Der Waldumgang.

Schon bei der Begrüssung stehen die Fahrzeuge und der Moderne Maschinenpark in Reih und Glied.

Bei Posten 1 zeigt der Lernende im 3. Lehrjahr Christian Fehlmann eine Baumfällung. Der Baum wird durch Ausbildner Stefan Glatthard mit der neu erwobenen, funkgesteuerten Raupenwinde an die Waldstrasse gerückt wird. Dort wird dieser mit dem grossen Schlepper aufgeladen und an die Polterhaufen geführt.

Interessant ist die Feststellung, dass die Forstequippe während der Arbeit, bei der man oft kein Wort versteht, sich wie Sprechfunk sicher und angenehm verständigt.

Posten 2 zeigt die aufgewerteten Waldränder. Der Waldrand hat vielerlei Funktionen und ist der Schlüssel für die Tiere, welche vom Wald ins Feld wechseln. Mit dem Licht und den herausgeschnitten Buchten werden Sträucher sowie die Biodiversität gefördert. Gegenüber dem Wind ist ein lockerer Waldrand eine echte Windbremse, deshalb müssen vorwiegend sturmfeste, tiefwurzelnde Baumarten am Waldrand stehen. Die Eiche ist das sehr willkommen, denn sie weist schon selber eine hohe Artenvielfalt auf und beherbergt sehr viele Tiere.

Posten 3 zeigt die Energieholzproduktion, welche bei uns einen sehr hohen Stellenwert hat. Wir produzieren pro Jahr zwischen 2500 bis 3000 m3 Hackschnitzel und beliefern 5 Heizanlagen im Umkreis von ca. 3 km. Die Heizanlagen sind der Neuhof in Birr, die Mehrzweckhalle in Lupfig, bei der auch private Wohnungen angeschlossen sind, die Anlage Effingerhort und die beiden Landwirtschaftssiedlungen Windrosenhof von Christian Wolleb und der Holdernhof von Ueli Vogt.

Weiter Anlagen sind im Bau oder in Diskussion.

Für die Förderung von Holzenergie hat sich Förster Plüss über all die Jahre als Förster- aber auch als Politiker stark engagiert. Brandaktuell ist im Grossen Rat ein Postulat zur Prüfung eines Holzkraftwerkes im Kanton Aargau von ihm überwiesen worden.

Es ist sinn voll dass Holz auf kurzen Distanzen zu verwerten, als es in ferne Länder zu schicken, wo die Transportkosten höher sind als der Erlös des Holzes. Auf der andern Seite werden heute immer noch Energierohstoffe aus politisch unstabilen Ländern und sehr grossen Distanzen oder Umweltrisiken gefördert.

Aus einem Schnitzel – m3 produzieren wir ca. 800 kWh Energie.

Martin Wolleb der Schnitzelverantwortliche gibt den Befehl zur Maschinendemonstration, bei der die Spezialfirma Hirter und Tschanz aus Safenwil die gelagerten Stämme zu Schnitzel hackt. Für den Abtransport und bei Einfüllung in die Heizanlagen sind die Landwirte und der Leitung von Urs Anderegg aus Birr zuständig.

Posten 4 ist der Jagd gewidmet. Mit Jagdhornklängen werden die Waldbesucher am Posten begrüsst. Thomas Wymann, ehemaliger Jagdlehrling im Revier Chestenberg und heutiger Jagdpächter, vermittelt uns auf eindrückliche Weise einen Einblick in die Tätigkeit des Jägers.

Vorallem die Kenntisse und der Umgang mit Waffen und die damit verbundene Sicherheitsverantwortung stellt sehr hohe Ansprüche an den Jäger, deshalb verwundert es auch nicht, dass mit dem neuen Jagdgesetz ein Schiessobligatorium eingeführt wurde.

Poste 5: Hier demonstriert bereits in hoher Fachkompetenz der 1. Lehrjahr – Lehrling Raphael Zimmermann, welcher seit einem Monat in der Lehre ist, die persönlichen Schutzmassnahme zum Schutz vor Unfällen. Wir sind der SUVA unterstellt und im Forst kennen wir bezüglich Versicherungsprämie das Bonus – Malus – System. Gibt es in einem Betrieb viele Unfälle, so wird er je nach Heilungskosten und Taggeld eine massive Prämienerhöhung. Unfallfrei Betrieb werden mit Prämiensenkung belohnt. Das Mittel ist 8% der versicherten Lohnsumme. Wir sind, zum Glück, auf dem Minimum bei 3.5%. Das ist letztendlich viel gespartes Geld. In einer Demonstration wird in eine Schnittschutzhose geschnitten und deren Schutzwirkung verdeutlicht.

Posten 6 zeigen die beiden Lernenden Pascal Döbeli und Christian Fehlmann den Pflegeeingriff in einem Stangenholz. Gemäss den Zielvorgaben des Förster, welche die Baumartenmischung vorgibt, werden die Kandidaten, also die Zukunftsbäume bestimmt und mit einem farbigen Band markiert. Kandidaten sind qualitativ schöne Bäume und stehen immer in einem Dreieck von ca. 10 – 12 m. Jetzt wird die Motorsäge gestartet und die Kandidaten werden von Konkurrenten frei geschnitten, damit ihnen Licht und eine ungehinderte Kronenentwicklung garantiert ist.

Die Jungwaldpflege ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit, verlangt sie doch nebst botanischen Kenntnissen auch ein grosses Vorstellungsvermögen wie der Bestand in 10 – 20 oder mehr Jahren aussehen wird.

Waldpflege kostet viel Geld und zur zeit der Ausführung keinen Ertrag. Es ist eine Investition in die Zukunft und eine Handreichung für unsere nächsten Generationen, denn auch diese haben Anrecht auf schönes Holz und einen gepflegten, vielseitigen Wald.

Posten 7 jetzt kommt unser 2. Lehrjahrlehrling und Holzgestaltungskünstler, Hario Haller zum Zug. Vor 2 Stunden als wir abgelaufen sind, hat er ein Rundholz mit der Motorsäge bearbeitet und aus diesem 4 m langen Stamm eine Holzkette mit 5 ineinander greifende Glieder angefertigt.

Ressortleiter Thomas Frei bedankt sich für den Besuch des Waldumgangs und lädt alle Teilnehmer zu einem Imbiss ein. Die Forstequippe wechselt ihre Charge und beweist sich beim Grillieren und Wirten. Das verdeutlicht wieder einmal mehr den Forstwart als Allrounder.

Richard Plüss, Lupfig

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