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„Überchillt" uns die heutige Jugend ?

Andy Keller
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Die Jugend hat eine Ressource, die uns abhanden geht...das „Chillen“

Die Jugendarbeit Wettingen hat im September eine Befragungstournee in Wettingen durchgeführt. Wir haben verschiedene öffentliche Plätze, wie den Zentrumsplatz, das Tägi, den Brühlpark und den Lindenhof, mit einem Traktor und einem Wohnwagen besucht. Fragebögen wurden ausgeteilt und Interviews geführt. Wir wollten wissen, was die Meinung der Wettinger Bevölkerung derzeit in Punkto Jugend, Jugendprobleme ist, welche Angebote überprüft werden müssen und welche Erwartungen an die Jugendarbeit gestellt werden. Gleichzeitig konnten wir, zum einen die Gegend kennen lernen und zum anderen der Bevölkerung aktiv begegnen und dem neuen Team ein Gesicht geben.

Wie sehen sich die Jugendlichen in Wettingen aufgehoben und was habe die Erwachsenen für ein Bild von den Jugendlichen? Dies sind nur zwei konkrete Beispiele der gestellten Fragen.

Es war interessant, spannend und manche Antworten und Ergebnisse machen nachdenklich. Bei unserer Umfrage hat sich unter anderem ergeben, dass die Jugendlichen sich in Wettingen als „Chiller“ bzw. „Hänger“ bezeichnen (41 % von 89 befragten Jugendlichen antworteten dies auf die Frage: “Welcher Jugendtyp passt am ehesten zu dir?“). Auch in der Juvenir-Studie der Jacobs Foundation geben 60 % der befragten Jugendlichen an, im öffentlichen Raum rumzuhängen, zu chillen.

Die heutige Jugend als unser Vorbild!?

In der heutigen schnelllebigen Zeit, gerade jetzt um die Weihnachtszeit, ist der Alltag von Hektik geprägt. Am Morgen auf dem Arbeitsweg beim Take-Away einen Kaffee mit auf den Weg nehmen und in der letzten Minute noch den Zug erwischen. Da könnte man ja denken, dass vor dem Stress im Büro, die Zugfahrt eine kleine Erholungspause bietet. Falsch gedacht, auch hier muss man noch in letzter Minute Dinge erledigen wie E-Mails beantworten, Protokolle lesen, Kalender aktualisieren und ganz wichtig noch seinen Facebook-Account überprüfen, danach schnell in 24 Minuten die ganz wichtigen Dinge, die die Welt bewegen und das Tageshoroskop lesen. Arbeiten, Mittagessen beim Kebab Stand im Stehen zwischen zwei Sitzungsterminen und dann wieder ins Büro um die Pendenzenliste ab zuarbeiten. Purer Stress den ganzen Tag. Abends noch schnell die Einkäufe erledigen und genervt in der Warteschlange anstehen. Vor dem Fernseher und dem Laptop auf dem Schoss das Sandwich runterwürgen und wieder E-Mails beantworten, sich informieren über das Weltgeschehen, schnell noch eine WhatsApp-Message beantworten und das Meeting für morgen vorbereiten. Nein, der Stress ist noch nicht zu Ende. Die Zeit vergeht wie im Fluge und immer wieder setzt man sich unter Druck, möglichst schnell ins Bett zu gehen, da man sonst den chronischen Schlafmangel nie beseitigen kann...

Die Jugend als unser Vorbild sehen!

Da versteht man die Wettinger Jugend, dass sie zuerst einmal chillt (chillen = im Moment verweilen). Wir haben bei der aufsuchenden Jugendarbeit auf den Plätzen und Gassen von Wettingen dann mal nachgefragt, was eigentlich „Chillen“ so heisst. Hier ein paar Antworten:

„mit Fründe zäme si“, „rede“, „es eifacht chli locker neh“, „warte“.

Der Chiller gehört zu den intelligentesten Lebewesen unserer Zeit. Zu den meisten Menschen hat er begriffen, dass man sich nicht stressen lassen sollte. Gehen wir das Leben gechillt an und nehmen uns ein Beispiel an der Jugend von welcher wir lernen können. Zu erwähnen wäre hier, dass Stress (medizinisch bewiesen) grosse Schäden verursacht.

Wenn du bis hier gelesen hast, solltest du erst mal eine Runde chillen!

Die Jugendarbeit Wettingen wünscht eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten.