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Die Neuntöter sind zurück

Martin Schällebaum
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Bild: Martin Schällebaum
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(chm)

Die Exkursion der Naturfreunde Olten startete mit grossen Fragezeichen. Kommen die Neuntöter nach ihrem mehrwöchigen Flug aus Südafrika hierher zurück? Werden sie, die Neuntöter-Männchen, die im Januar gepflegten Wildhecken für den Nestbau wählen? Werden die einige Tage später eintreffenden Neuntöter-Weibchen, die gewählten Reviere anerkennen? Denn bei den Neuntötern entscheiden sich die Weibchen nicht für die besten Männchen, sondern fürs beste Revier zur Brutpflege.

Die Exkursion leitete der Feldornithologe Max Jaggi. Der Landwirt Dominik Hess begleitete die Gruppe, für einmal auch abseits von Wegen. Die Kombination aus landwirtschaftlicher und naturkundlicher Sicht war hervorragend. Die Teilnehmer lernten die Wirkung der ökologischen Landwirtschaft auf die Biodiversität kennen, konkret und greifbar nahe. Der Weg führte sowohl durch landwirtschaftliches Nutzland, als auch durch Wildheckengebiete. Informationen zu Direktzahlungen für die Pflege von ökologischen Ausgleichsflächen ergänzten ideal die botanischen und ornithologischen Ausführungen und führten wiederholt zu Aha-Erlebnissen der Teilnehmenden. Zudem war es jederzeit erlaubt, Erläuterungen zu unterbrechen, um einen Vogel zu beobachten. Bis sich der erste Neuntöter zeigte, verstrich allerdings eine Weile. Die Gruppe blieb gespannt. In den zwei Exkursionsstunden wurden schliesslich fünf Reviere, resp. fünf sich konkurrenzierende Neuntöter entdeckt. Noch fehlten die Weibchen. Aber zwei der drei Fragen waren beantwortet: Die Neuntöter sind wohlbehalten zurück und haben die Wildhecken für gut befunden. Ob dies die Neuntöter-Weibchen auch so sehen werden?

Sensationell war dann die Entdeckung am Nachmittag. Die ersten Neuntöter-Weibchen wurden gesichtet, die soeben angekommen sein mussten. Denn nun zwitscherten die Männchen nicht mehr nur für ihre Reviergrenzen, sondern um die Gunst der Weibchen. Und noch sensationeller ist ein aktuelles Bild eines Pärchens in voller Balz. Sichergestellt sind inzwischen neun brütende Paare. Das dürfte die Naturfreunde Olten motivieren, die Wildhecken beim Naturfreundehaus Rumpelweid im Herbst erneut zu pflegen, wenn die Neuntöter wieder in Afrika unterwegs sind. (Bild Neuntöterpärchen: Christoph Henzmann, Trimbach)

Weitere Informationen unter: 079 480 33 59