Leserbeitrag
Eine Reise mit wertvollen Begegnungen

Marcel Siegrist
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Bilder zum Leserbeitrag

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Am Sonntag, 1. Februar 2015 fand die 53. Etappe von Kul’tour in der Bijouterie bzw. dem Goldschmiedeatelier Beyeler in Gipf-Oberfrick statt. Die Veranstaltung war mehr als gut besucht, so dass kurzfristig zusätzliche Stühle in den Raum gestellt wurden. Der Inhaber Adrian Beyeler sowie das Kul’tour – Vorstandsmitglied, Ruth Honegger, zeigten sich sehr erfreut über den grossen Ansturm von jungen und älteren Leseratten und natürlich über das Heimspiel der einheimischen Autorin Evelyn Reimann, die ihre Kindheit in Gipf-Oberfrick verbrachte. Schmunzelnd erklärte Evelyn Reimann gleich zu Beginn, dass sie ihr aller erstes Ohrloch genau in dieser Bijouterie stechen liess.

Mit einem beruhigenden Harfenspiel begrüsste die sympathische, junge Autorin das Publikum, das ganz gespannt den sanften Klängen folgte. Danach stellte Evelyn Reimann ihre Protagonistin Alma aus ihrem Roman „Die Schicksalsweberei“ gleich selbst vor und liess das Publikum an drei Begegnungen der Protagonistin Alma teilhaben. Eine der ersten Begegnungen von Alma ist jene mit einer verlorenen und verzweifelten Romanfigur, die aus ihren verschiedenen Romanen floh. Und so schien es, als würde Evelyn Reimann nicht nur von ihrer eigenen ersten Begegnung mit ihrer Hauptfigur Alma erzählen, sondern auch das Publikum in diese Begegnung miteinbeziehen.

Jede einzelne Begegnung der Protagonistin Alma unterstrich Evelyn Reimann mit einem anschliessenden sanften, aber intensiven Harfenspiel, bei dem die Zuschauer die einzelnen Begegnungen verarbeiteten und die Intensität von Almas wilden Begegnungen hautnah mitempfinden konnten.

Nicht nur die Protagonistin Alma schien sich auf eine Sinnsuche zu begeben, auch das Publikum tauchte in eine ganz andere Welt ein. Dabei glaubte man immer wieder Parallelen zu anderen grossen Werken wie „Der Zauberberg“ von Thomas Mann zu erkennen, denn das Buch enthält viele mythologische, theologische und psychologische Anspielungen. Evelyn Reimann erklärt daraufhin, dass grosse Werke wie „Der Zauberberg“ Bildungsromane genannt werden, ihr Roman „Die Schicksalsweberei“ wird hingegen Entwicklungsroman genannt, da die Entwicklung der Protagonistin in einem viel kleineren Rahmen stattfindet. Die kurze Zeit, in der das Publikum im Glauben schwelgte, die Hauptperson Alma, aber auch Reimanns Erzählweise zu durchschauen, wurde stets von einem überraschenden Zwischenspiel Reimanns unterbrochen. So trug Evelyn Reimann unter anderem ein hebräisches Lied vor.

Das Publikum lauschte bis zum Schluss der Lesung mit grossem Interesse und verabschiedete Evelyne Reimann mit einem grossen Applaus. Als Zugabe bedankte sich Evelyn Reimann mit einer keltischen Melodie für Gesang und Harfe..

Almas weiterer Weg nach dem Sinn blieb jedoch bis zum Schluss der Lesung offen, so dass viele Zuhörer am Ende der Lesung ein Exemplar des Romans kauften.

KUL’TOUR ist ein Verein mit Sitz in Gipf- Oberfrick. Mehrmals im Jahr organisieren Vorstandsmitglieder kulturelle Anlässe wie Konzerte, Lesungen oder Theater mit der Unterstützung von hiesigen Gewerbetreibenden, die jeweils ihre Räumlichkeiten für den Anlass zur Verfügung stellen und dabei ihr Unternehmen vorstellen.

KUL’TOUR ist Kultur in ungewohnter Umgebung, doch oftmals verbindet sich die Darbietung mit dem Raum und offenbart ein Kulturerlebnis besonderer Art!

Rebecca Wetter