Leserbeitrag
Der Vogel- und Naturschutz Grenchen engagiert sich für die Artenvielfalt.

Marlene Sedlacek
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Sie sahen schon ganz buschig aus, die Kopfweiden am Egelsee, die ihr Dasein vor drei Jahren als simple Stecklinge begannen. Nun rückten Mitglieder des Vereins Vogel- und Naturschutz Grenchen (VNSG) den Bäumen mit Fuchsschwanz und Astschere zu Leibe. Am Schluss streckten sich nur noch ein oder zwei Äste pro Bäumchen aus den Verdickungen am Stamm gegen den Himmel. Doch das muss so sein! Sogenannte Kopfweiden brauchen in ihren Anfängen regelmässig einen Pflegeschnitt. Nur so bilden sich mit der Zeit knorrige Köpfe, die einen geschützten Platz und Nahrung für zahlreiche Tiere bieten. Das weiche Holz gewährt beispielsweise Käfern und Schmetterlingen ideale Lebensbedingungen.

Das Pflanzen und Pflegen dieser Kopfweiden ist Teil des kantonalen Riedförderungsprojekts Grenchner Witi. Dieses Projekt des Amts für Raumplanung unter der Leitung von Jonas Lüthy hat im 2011 begonnen und wurde im 2015 abgeschlossen. Hauptziel war, mit verschiedenen Massnahmen geeigneten Lebensraum für Tier- und Pflanzen zu bieten, die in der Grenchner Witi nicht oder kaum mehr vorhanden waren. Als Massnahmen wurden unter anderem Stillgewässer geschaffen oder wieder instand gestellt, typische Riedstrukturen wiederhergestellt und vernetzt und hunderte von seltenen Riedpflanzen in den Boden gesteckt. Bei vielen dieser Aktionen haben Mitglieder des VNSG tatkräftig Hand angelegt.

Die umfangreichen Aufwertungsmassnahmen sind in der Landschaft bestens sichtbar und haben sich bereits im ersten Jahr nach Abschluss des Projektes positiv auf die Vogelwelt ausgewirkt, wie im Bericht des Amts für Raumplanung 2016 zu lesen ist. Erfolgskontrollen zeigen, dass sich auch tatsächlich einige verschwundene Tier- und Pflanzenarten wieder angesiedelt und vermehrt haben. So der Laubfrosch und die Kreuzkröte oder verschiedene gefährdete Libellenarten. Bei den Pflanzen die Gelbe Wiesenraute oder der Grosse Sumpf-Hahnenfuss. Leider mussten auch Rückschläge verzeichnet werden. So wurden die ausgepflanzten Lungenenziane von Schnecken gefressen. Im 2016 war diese Art in der Grenchner Witi nirgends mehr auffindbar.

Marlene Sedlacek