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Dättwil ist kein Dorf!

Ueli Sax
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Archiv Chronikgruppe Dättwil
undefined Dättwil, ca. 1960

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Wenn er nach Dättwil komme, komme er nachhause, ins Dorf, sagte Stadtammann Stephan Attiger zur Begrüssung in der vollen Aula im Schulhaus Höchi. Damit war das Stichwort bereits gefallen: Ist Dättwil ein Dorf, oder doch nur die Agglo Badens? Diese Frage stellte die Chronikgruppe Dättwil zur Feier ihres 20jährigen Bestehens. Es wurde ein spannender Abend mit interessanten Gästen.

Das Lieblings-Feindbild von Stadtwanderer Benedikt Loderer heisst "Hüslipest": Die landfressenden Einfamilienhaussiedlungen, bewohnt von Menschen, die gerne im Dorf leben möchten aber eigentlich Städter sind. Die "Hüslipest", stellte Gastredner Loderer fest, hat Dättwil glücklicherweise verschont. Er lobte den Ort in seiner Einführung als Vorzeigebeispiel für eine gelungene Siedlungsentwicklung. Aber ein Dorf, das sei Dättwil mit Sicherheit nicht. Hier sei in den letzten Jahrzehnten Stadt gebaut worden, nicht Dorf.

Beat Suter, Raumplaner und Geschäftsleiter bei Metron, pflichtete ihm in der anschliessenden Podiumsdiskussion bei. Er bezeichnete Dättwil als modernes Stadtquartier und Architekt Hans Rohr stellte es in einen noch wesentlich grösseren Rahmen: Er plädierte vehement für das Zusammenwachsen der ganzen Region, bis zum 100'000-Einwohner-Baden. Dann wäre Dättwil definitiv ein kleiner Teil des grossen Ganzen, ein Quartier in einem starken Zentrum.

Wladimir Gorko von der Abteilung Entwicklungsplanung der Stadt Baden wagte aber – wie die anderen Podiumsteilnehmer auch – keine genaue Prognose, wie Dättwil in 50 Jahren aussehen würde. Da gäbe es zu viele Unbekannte.

Benedikt Loderer, der Stadtwanderer, empfahl den Dättwilerinnen und Dättwilern, den Dorfverein in Quartierverein umzubenennen. Dättwil sei Agglomeration, und Agglomeration die heutige Form der Stadt. Gleichzeitig warnte er zum Schluss vor der Illusion, dass die Entwicklung gleich rasant weitergehen würde, wie in den letzten Jahrzehnten.

Fast zwei Stunden lang vermochten die vier Planungs- und Siedlungsexperten die Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihren Gedanken zu Vergangenheit und Zukunft Dättwils zu fesseln. Und einige dieser Gedanken wurden beim abschliessenden Apéro rege weiterdiskutiert.

Die Chronikgruppe feiert ihr Jubiläum mit einem weiteren Anlass am Sonntag, 3. Juni: Unter dem Titel "Landwirtschaftliche Rosinen" führen Walter Voegeli und Thomas Obrist durchs Dorf – oder eben durchs Stadtquartier Dättwil.

Das Referat von Benedikt Loderer kann in voller Länge nachgelesen werden auf www.chronikgruppe.ch